X

Wie Du Schuldgefühle mildern oder gar ganz auflösen kannst

Was kann man tun, wenn man immer wieder von Schuldgefühlen heimgesucht wird?

In dem Video oben zeige ich Dir einen von mehreren Prozessen, die ich anwende, um Schuldgefühle auf eine achtsame Weise in eine konstruktive Kraft zu verwandeln.

Aber das ist nicht immer ganz so leicht. Denn Schuldgefühle sind „tricky“.

Warum?

Als erstes:

Schuldgefühle haben eine wichtige Funktion. Sie erinnern uns daran, dass wir uns „falsch“ verhalten haben.

Wobei „falsch“ wiederum Definitionssache ist.

Bis in die Neunziger war Homosexualität nicht nur arg verpönt, sondern auch strafbar. Wer damals traditionell erzogen worden ist, wird sich sehr wahrscheinlich wegen seiner Sexualität schuldig gefühlt oder gar geschämt haben.

Heute ist Schwulsein normal. Lesben und Schwule können gar heiraten und eine Ehe führen. Das war damals vollkommen undenkbar.

So können sich die Ansichten ändern. Was „falsch“ ist und was nicht, ist also in erster Linie Auslegungssache.

Aber wer bestimmt die Regeln, was „falsch“ ist und was nicht?

Darüber streiten seit Jahrhunderten die Schriftgelehrten, und eine eindeutige Antwort konnte ich bisher nicht finden.

Allerdings hätte ich eine eigene im Angebot.

Meines Erachtens gibt es eine natürliche Schuld – und eine menschengemachte.

Bei der „natürlichen“ Schuld meldet sich unser „Gewissen“. Bei der menschengemachten Schuld  betritt ein Richter oder Ankläger die Bühne, der nicht nur unsere Taten verurteilt, sondern oft auch uns: selbst. Das ist der Punkt, an dem Schuld zu Scham pervertiert. Schuld kritisiert unser Verhalten. Scham unser Selbst. Schuld verurteilt, was wir getan haben. Scham verurteilt, wer wir sind.

Und damit sind wir bei einem wichtigen Unterscheidungsmerkmal zwischen natürlicher Schuld und menschengemachter angelangt. Das „Gewissen“ weist uns darauf hin, wenn wir eine Grenze übertreten – sie verurteilt aber nicht uns persönlich.

Mit „Gewissen“ meine ich übrigens ein „Ge-Wissen“. Eine tieferes Wissen, eine Weisheit, die der „Inneren Stimme“ entspringt – und die uns auf eine „Sünde“ im ursprünglichen Sinn hinweist.

Und falls Du Dich gerade fragst, ob Du gerade im Religionsunterricht gelandet bist. Nö. Biste nicht. Aber ohne „Sünde“, ohne ein Vergehen, kann es keine Schuld geben.

Was ist also eine „Sünde“?

Im Griechischen gibt’s dazu ein Wort, das ich wirklich liebe: Harmatia. Zu Deutsch: Vom Weg abkommen. Oder: Das Ziel verfehlen.

Welches Ziel?

Unsere Bestimmung zu leben. Unsere Berufung.

Wobei Bestimmung sich nicht darauf reduzieren lässt, welchem Job wir nachgehen. Bestimmung bezieht sich auf unser ganzes Leben. Nicht nur Beruf, sondern auch Partnerschaft, Familie, Freunde und all unsere Passionen, die wir nicht „monetarisieren“, sondern aus reiner Leidenschaft nachgehen.

Und unsere Bestimmung beinhaltet immer auch, dass wir unsere Talente, Stärken und Fähigkeiten in den Dienst einer größeren Sache stellen. Dass wir dem Gemeinwohl dienen. Oder wie Muhammad Ali so treffend meinte: „Anderen zu dienen ist die Miete die du für deinen Platz hier auf der Erde bezahlst“.

Wenn wir jedoch von diesem Weg abkommen, in dem wir andere bedrohen, angreifen oder verletzen, meldet sich unser „Ge-Wissen“. Unsere „Innere Stimme“, die uns daran er“innern“ möchte, dass wir gerade nicht in unserem eigenen höchsten (oder tiefsten) Interesse handeln.

Mehr noch: Dass wir nicht nur anderen, sondern auch uns selbst Schmerz zufügen.

Denn:

Das Leben ist vernetzt, und was wir anderen antun, kehrt dann als „Karma“ zu uns zurück.

Wenn wir andere „fertig“ machen, bekommen wir früher oder später eine Rechnung präsentiert. Schlechtes Karma eben. Nichts weiter als die Konsequenz des Handelns.

So gesehen will das „Ge-Wissen“ nicht nur Andere, sondern auch uns selbst vor Schaden bewahren.

In meiner Arbeit mit der „Inneren Stimme“, dem „Ge-Wissen“, habe ich jedoch noch nie erlebt, dass sie uns als Mensch verurteilt, also mit „Scham“ operiert.

Ich erinnere mich konkret an einen Fall, in dem ich einen Mann dabei begleitet habe, seine „Innere Stimme“ zu kontaktieren. Er hatte Angst vor ihr, weil er seine schwangere Frau während eines Tobsuchtsanfall so hart geschlagen hatte, dass sie ihr Kind verlor.

Ich gebe zu, dass ich auch Angst hatte, wie seine „Innere Stimme“ reagieren würde. Wie würde dieser Ausbund von Güte und Liebe auf die Gewalt gegenüber einer Unterlegenen sowie denTotschlag eines ungeborenen Lebens antworten?

Die Reaktion kam schnell und direkt.

Seine „Innere Stimme“ machte unmissverständlich klar, dass er eine Grenze überschritten hatte und dass die Tat in keinem Fall geduldet oder gar akzeptiert werden könne.  Aber sie sagte ihm auch, dass sie ihn noch immer liebe. Wie einen Sohn. Und dass es Wege geben würde, sein Vergehen zu sühnen, sprich: auszugleichen.

Voila: Da haben wir also neben „Karma“, „Sünde“, „Schuld“ nun auch noch „Sühne“ mit ins Boot geholt.

Fehlt eigentlich nur noch „Reue“: Die praxisbewährte Kombination aus ehrlicher Erkenntnis, dass wir wirklich was falsch gemacht haben – gepaart mit der echten Bereitschaft, das Ganze von nun an besser anzugehen.

Wie können wir all die Zutaten nun für unsere Schuldgefühle nutzen?

Der Prozess, den ich oben ab Minute 21.50 vorstelle, ist eine Art „Vorspiel“, mit dem Du Schuldgefühle mildern oder in bestimmten Fällen sogar ganz auflösen kannst.

Dabei verwende ich eine Technik namens „Artischocke schälen“, mit der man die „Innere Stimme“, das „Ge-Wissen“ kontaktieren kann, um herauszufinden, was wir in unserem tiefsten Inneren wirklich mit unserem Verhalten erreichen wollten.

Denn sobald wir wissen, was unsere tiefste Absicht ist, können wir zum ersten Mal beurteilen, ob wir „gesündigt“ haben, also wirklich von unserem Weg abgekommen sind oder nicht. Ob wir eine natürliche Grenze überschritten haben – oder „nur“ eine menschengemachte.

Wie gesagt: Das ist nur ein Vorspiel.

Es fehlt noch das Verzeihen. Ein Thema, dem wir uns in der nächsten Show widmen.

2 Kommentare

  1. Grauenhafte Tonqualität! Hat mich vom Inhalt total abgelenkt!

    Antworten
    • Sorry. Die Aufnahme war leider nicht sauber.

      Antworten

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.