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Wie Deine Innere Stimme für „Downloads“ sorgt

Seit einigen Monaten habe ich in meinen Coachings mit so genannten „Downloads“ gearbeitet – sprich: Dass ich die Innere Stimme gebeten habe, bestimmte Fähigkeiten bei den Coachingklienten zu aktivieren.

In dem Video oben gibt’s ein Beispiel. Die Teilnehmerin hatte Ende letzten Jahres zwei menschliche Enttäuschungen hinnehmen müssen und arbeitete seit dem nur noch mit „gebremsten Schaum“.

Beachte, wie ratlos sie vor dem „Download“ ist, warum ihr das alles passiert, und welche Antwort sie am Ende bekommt.

Außerdem finde ich es sehr spannend zu sehen, wie sie am Ende plötzlich weiß, womit sie weitere Enttäuschungen verhindern kann.

Martin: Bevor wir anfangen: Du hast ja letztes Jahr zwei schwierige Erfahrun gemacht, mit Menschen, die Dich im Stich gelassen haben. und seitdem fehlt Dir die Arbeitsmotivation. Und wir wollen jetzt mal gemeinsam gucken:  Was sind die Ursachen? Worum geht es eigentlich? Warum das in Dein Leben gekommen ist, und was Du tun kannst, um aus der der Situation herauszukommen. Und vielleicht hat die innere Stimme ja vielleicht zum Schluss noch einen kleinen Bonus für dich, dass Du für Dich einen Schuss bekommst, die  Sache anders anzupacken. 

Martin: Denk nochmal an einen Menschen, den du liebst. Spüre die Liebe in Dir. Und frag diese Liebe in dir, ob sie dich lieb hat?

Teilnehmerin: Ja

Martin: Frag sie mal, ob Sie Deine innere Stimme ist, so eine Art von innerer Weisheit. 

Teilnehmerin: Ja.

Martin: Frag diese Stimme mal, ob es okay ist, dass wir zu diesem Thema etwas machen. 

Teilnehmerin: Ja.

Martin: Und weiß Deine innere Stimme, was das für ein Problem ist? Das ist eine Ja/Nein Frage. 

Teilnehmerin: Ja.

Martin: Ist Deine Innere Stimme bereit, Dir mitzuteilen, was es ist?

Teilnehmerin: Ja.

Martin: Dann bitte sie jetzt einmal Dir ein Wort oder ein Symbo oder irgendwas zu schicken, was Dir eine Idee gibt, in welche Richtung das geht. 

Teilnehmerin: Warum auch immer, es ist ein gelb goldener Ring. Aber kein Ring, wie man ihn. sich auf den Finger steckt, sondern ein gelb goldener Ring.

Kommentar: Das ist übrigens sehr typisch beim Coaching mit der Inneren Stimme. Sehr oft antwortet sie erst mit einem Bild, dass es dann im Nachgang zu entschlüsseln gilt.

Martin: Frag sie mal, was dieser Ring bedeuten soll? 

Teilnehmerin: Dass alles im Fluss ist. 

Martin: Und wie hängt das mit Deinem Thema zusammen? 

Teilnehmerin: Das hängt insofern mit meinem Thema zusammen, das ich im Fluss sein will und dass ich mich nicht an die Wand geklatscht fühlen will.  Weil das ist oft ein Thema. 

Martin: Und wer klatscht Dich an die Wand?

Teilnehmerin: Unterschiedlich. Wie letztes Jahr bei den zwei Ereignissen, von denen ich Dir erzählt habe. Das war so ein Klassiker. Ja, auch ab und an einige Männer in der Vergangenheit. Auch Freunde. die mich an die Wand geklatscht haben. Und, wo ich am Ende ganz verdattert da gestanden bin und immer gedacht habe: Das ist doch keine Freundschaft. Diese Enttäuschung am Ende, so dass ich mich in jemanden, dass ich mich in einer Freundschaft getäuscht habe. Das Ende einer Täuschung, sagt man ja immer.

Martin: Frage Deine innere Stimme bitte: Wie ist es dazu gekommen? 

Martin: Das Interessante ist, dass es auch ein Thema aus meiner Kindheit mit meinem Vater war – das war auch das gleiche. Aber wie es dazu gekommen ist, dass ich immer wieder auf solche Leute treffe…?

Teilnehmerin: Das ist gar nicht so wichtig.  Wir wissen ja jetzt schon, dass das ein Thema ist, dass Du auch mit deinem Papa hattest. 

Teilnehmerin: Ja.

Martin: Und jetzt stellt sich die nächste Frage: Wozu ist das gut? Was soll  Dich das lehren? Was sollst du dabei lernen? Welche Fähigkeiten oder Stärken sollst du durch diese Situationen und Herausforderungen ausbilden?

Teilnehmerin: Dass ich lerne, dass mir so etwas nicht mehr passiert. Dass ich irgendwelche. Signale erkennen oder richtig deuten kann, dass mir eine solche Situation nicht mehr passiert. 

Martin: Genau, das heißt, Deine innere Stimme führt Dich in die Situation rein, damit Du das Du es trainierst, dass Dir sowas nicht noch mal passiert, richtig?

Teilnehmerin: Ja richtig als Schutz.

Martin: Und deswegen ist es so wichtig, dass du diese Situation auch hast. Anders als im echten Leben kann man das gar nicht trainieren. Jetzt ist es so, dass Deine innere Stimme natürlich weiß, wie das geht. Frag sie mal, ob sie die Kompetenz hat, so etwas gut zu erkennen? 

Teilnehmerin: Ja. 

Martin: Wäre sie bereit, ein bisschen von ihrem Know-How abzugeben? 

Teilnehmerin: Ja.

Martin: Dann möchte ich dich jetzt bitten, folgendes zu tun. Ich möchte gerne, dass  Du Dich dafür öffnest, dass dir die innere Stimme gleich einen Download gibt, also sozusagen die Fähigkeit herunterladen kannst. Und ich erklär Dir gleich, wie das geht. Sobald das abgeschlossen ist, schauen wir mal anhand von paar Situationen aus der Vergangenheit, woran Du es hättest erkennen können. Du hast es ja damals nicht erkannt, aber danach solltest du die Fähigkeit haben, das erkennen zu können, was in der Vergangenheit schon als Signal da war und was Dir damals entgangen ist. Ist das ok? 

Teilnehmerin: Ja.

Martin: Ist das auch ok für die innere Stimme?

Teilnehmerin: Ja.

Martin: Okay, ich möchte Dir eine bestimmte Art und Weise zeigen, wie man sich für die Innere Stimme gut öffnen kann. Ich nenne das den sogenannten Ma-Blick. Es ist so, dass du, wenn du jetzt einmal nach vorne schaust, auf den Monitor oder vielleicht auch auf die Wand, die dahinter ist, oder das Fenster. Es geht darum, dass du erst  auf dem Monitor schaust und dann den Blick auf den Raum zwischen dir und dem Monitor, auf die Leere, auf den Zwischenraum richtest. 

Teilnehmerin: Mhm.

Martin: Dann verändert sich der Blick. Spürst du das? 

Teilnehmerin: Bin noch nicht ganz so weit.

Martin: Man wird dann ein bisschen weicher, ein bisschen entspannter und gechillter.

Teilnehmerin: Mhm.

Martin: Und ich möchte jetzt deine innere Stimme bitten, die Stärke jetzt herunterzuladen. Und Du öffnest Dich dafür, dass Du diesen Blick machst. Und wenn Deine innere Stimme soweit ist, dass Du das bekommen hast, gibt sie Dir ein Zeichen. 

Teilnehmerin: Ja. Jetzt ist mir ein bisschen schwindelig. 

Martin: Gut, lass es einen Augenblick sacken. Kannst gerne auch deine Augen schließen, wenn das jetzt für dich besser ist. 

Teilnehmerin: Nee, passt.

Martin: Letztes Jahr gab es zwei Enttäuschungen, und ich möchte dich bitten, bei der ersten Person einfach mal zu schauen, woran hättest Du schon früh erkennen können, dass da was nicht stimmt? Was fällt dir auf? 

Teilnehmerin: Da fallen mir ganz viele Dinge ein, ganz viele Dinge schon in kürzester Zeit hätte erkennen müssen, in welche Richtung es geht. Ganz unterschiedliche Dinge waren es mit dieser Freundin, die mich hintergangen hat. 

Martin: Okay, du siehst jetzt, es gab eine Menge Dinge, die schon früh gewarnt haben, die Du damals noch nicht sehen konntest.

Teilnehmerin: Ich wollte das nicht sehen.

Martin: Ah…

Kommentar: Ist es nicht interessant zu sehen, das wir in uns oft schon das Wissen haben, was tatsächlich in unserem Leben Sache ist?

Teilnehmerin: Und ich wundere mich jetzt, warum ich das damals nicht gesehen habe. Jetzt kommt mir das im Nachhinein bescheuert vor. 

Martin: Darum lernen wir das ja auch. 

Teilnehmerin: Mhm

Martin: Und dann gab es noch eine zweite Erfahrung. Magst du da auch mal schauen, woran du vielleicht schon früh hättest erkennen können, in welche Richtung es geht? 

Teilnehmerin: Da hat es weniger Anzeichen gegeben. Es hat kein klares Anzeichen gegeben, woran ich das festmachen hätte können. Aber es war immer auch so ein Bauchgefühl, wo ich mir gedacht hab: Irgendwas stimmt nicht. Aber ich habe nichts festmachen können. Es ist nichts Konkretes vorgefallen. Aber mein Bauchgefühl war immer im Hinterkopf.  Und es hat mir gesagt: Pass auf, da passt was nicht. 

Martin: Genau. Und dieses Bauchgefühl, wo sitzt das genau im Bauch? 

Teilnehmerin: Wirklich ganz tief in der Magengegend. Wie ein Kloß im Magen.

Martin: Okay, okay, kannst Du dem Kloß mal kurz Hallo sagen. Und ihm Dankeschön sagen, dass er dich warnt. 

Teilnehmerin: Ja.

Martin: Und dass er ruhig  das nächste Mal ein bisschen lauter wird, wenn du seine Signale gerade nicht mehr merkst. 

Teilnehmerin: Ich habe die Signale immer bemerkt. Ich wollte sie nicht bemerken. 

Martin: Und willst Du das jetzt anders machen? 

Teilnehmerin: Ja, will ich schon. Es hat ja  einen Grund, wenn man so ein Bauchgefühl hat.

Martin: Das Bauchgefühl nimmt ganz viele subtile Dinge wahr, die du vielleicht gar nicht bewusst wahrnehmen kannst. Wir nehmen ganz viele Informationen auf: Gestik, Mimik, Tonfall – eine Pause, die ein bisschen länger ist als normalerweise. Das sind oft kleine, sehr unterschwellige Hinweise, die aber von deinem Inneren aufgenommen werden und sofort Alarm schlagen, wenn da was nicht stimmig ist. In dem Fall ist es so, dass Du diese Warnung einfach akzeptierst. Und kannst Du das Bauchgefühl mal fragen, wie es Dir mitteilen kann, was da zum Beispiel nicht richtig war. Was war denn da zum Beispiel, was dem Bauchgefühl aufgefallen ist bei dieser zweiten Person?

Teilnehmerin: Einfach Widersprüchlichkeiten in den Aussagen von dieser Person. Und die Aussagen von der Person haben nichts mit der Art und Weise übereingestimmt, wie sich die Person verhalten hat.

Was ich an diesem Coaching bemerkenswert finde: Dass wir bereits alle Antworten in uns tragen. Wir müssen uns einfach nur für unsere intuitive Intelligenz öffnen.

Und was mich persönlich „geflasht“ hat: Wie sehr sich die Sichtweise der Frau geändert hat, nachdem sie ihren Download empfangen hat.

Sie schrieb mir übrigens später: „Ich bin danach zum See schwimmen gefahren und hab mich sehr leicht und beschwingt gefühlt – so wie schon lange nicht mehr.“ So wirkt die Innere Stimme.

 

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7 Kommentare

  1. Hallo Martin 🙂

    wow, dass war ein ergreifendes Coaching.

    Ich war mir gar nicht bewusst, aber ich habe während ich es gelesen hatte, mehrfach genickt, da es bei mir ähnlich war.

    Selbstverständlich, wurde auch ich durch mein Bauchgefühl gewarnt, mit dem Hinweis das irgend etwas nicht stimmig war. Also das Verhalten und die gefallenen Worte.

    Aber viel wichtiger war Ihre Aussage, dass Sie es bemerkte – aber es nicht hören wollte und es daher ignorierte.

    Warum ignorieren wir immer wieder, diese Warnungen unserer inneren Stimme?

    Liebe Grüße Petra

    Antworten
    • Hi Petra

      es ist nicht Bestandteil unserer Kultur, auf die „Innere Stimme“ zu hören.

      Die meisten von uns haben das weder Zuhause, noch in der Schule, noch in der Arbeit gelernt.

      Sobald man es aber weiß (wie Du jetzt), ist es aber ganz einfach.

      😉

      Martin

      Antworten
  2. Hallo zusammen,

    die Beschwingtheit der Teilnehmerin im Anschluss an das Coaching ist kein Kriterium für dessen Nützlichkeit, sondern eher das Gegenteil. Denn euphorisch reagieren Teilnehmer (man kennt es auch aus Motivationsseminaren à la Jürgen Höller & Co.) typischerweise, wenn ihnen Scheinlösungen präsentiert werden, die an ihrem eigentlichen Problem nichts ändern und ihnen die hoffnungsschwangere Illusion verschaffen, Probleme zukünftig noch „besser“ als zuvor vermeiden zu können. Genauso eine Scheinlösung wird hier produziert.

    Dass „Vermeiden“ keine Lösung ist, sondern das Problem erst recht aufrecht erhält und zusätzliche Sekundärprobleme hervorbringt (in spiritueller Wortwahl ausgedrückt „Widerstand“ darstellt, der aus „Schmerz“ „Leid“ macht) ist psychologisches Grundwissen (Stichworte u.a.: „Abwehrreaktionen“, „Vermeiden“ und „Negative Verstärkung“). Umso mehr erstaunt es, dass der Coach das offensichtliche Vermeidungsverhalten seiner Klientin („Teilnehmerin“) überhaupt nicht zu erkennen scheint, sondern dies sogar noch massiv fördert, indem er ihr suggeriert, dass ihre „innere Stimme“ als „weise“ Instanz genau dies nahelege. Und als „spannenden“ Erfolg feiert, dass „sie am Ende plötzlich weiß, womit sie weitere Enttäuschungen verhindern [sprich: vermeiden] kann“.

    Als höchst fragwürdig empfinde ich schon, wie der Coach seine Klientin zu Beginn wider alle Coaching-Regeln mit verdeckten Suggestionstechniken in seine eigenen Glaubenssysteme hineinhypnotisiert. Und zwar, indem er der Teilnehmerin mittels „Priming“ von Gefühlen von Lieben und Geliebtwerden und der anschließenden Suggestivfrage, ob es sich bei dieser Liebe um ihre innere Stimme handele, der er zudem attributionsfehlerhaft „Weisheit“ (Quasi-Unfehlbarkeit) zuschreibt, den Glauben einimpft, dass alles, was nach Deprivation des kritischen Verstandes durch Induktion einer selbsthypnotischen Trance („Ma-Blick“) aus ihrem Inneren komme, auch zutreffend sei und sie dem nur vertrauen müsse.

    Gefangen in einem solchen Glaubenssystem nimmt es nicht Wunder, dass weder der Coach und erst recht die Teilnehmerin nicht erkennen, dass es NICHT die wahre innere Stimme der Teilnehmerin ist, die ihr sagt, dass sie lernen solle, dass ihr „so etwas nicht mehr passiert.“ („Dass ich irgendwelche Signale erkennen oder richtig deuten kann, dass mir eine solche Situation nicht mehr passiert.“) Was die Teilnehmerin wahrnimmt, ist vielmehr die Stimme des Teils in ihr, der große Angst davor hat, erneut Gefühle sozialer Enttäuschung zu erleben, weil er sich unfähig sieht, damit klarzukommen und das Erlebte als „an die Wand geklatscht werden“ empfindet. Weshalb er alles daran setzt, diese Erfahrung möglichst nie wieder zu machen und deshalb zu entsprechend starken Abwehrreaktionen greift. Wie etwa der Verdrängung wahrgenommener Widersprüchlichkeiten nach dem Muster „Es kann nicht wahr sein, was nicht wahr sein darf“. Und größter Empfänglichkeit für jede Idee, die ihr „helfen“ könnte, das Befürchtete zukünftig noch „besser“ zu vermeiden. Insbesondere wenn diese auch noch als „Download aus weiser Quelle“ daherkommt.

    Die wahre innere Stimme der Klientin war allerdings auch zu hören und zwar in der spontanen Affektbrücke der Teilnehmerin: „Das Interessante ist, dass es auch ein Thema aus meiner Kindheit mit meinem Vater war – das war auch das gleiche.“. Einen größeren Wink mit dem Zaunpfahl kann es kaum geben, worin das wahre Problem der Teilnehmerin besteht. Nämlich gerade nicht in bisher fehlendem Wissen, „womit sie weitere Enttäuschungen verhindern kann“, sondern in einem offensichtlichen, durch primäre Bezugspersonen (hier: den Vater) verursachten „komplexen Beziehungstrauma“.

    Leider verkennt der Coach dies völlig. Was sich u.a. darin zeigt, dass er die von der Klientin genutzte distanziert-neutrale Bezeichnung „Vater“ in die Kosebezeichnung „Papa“ umdeutet. Derlei Näherungszwang kann die Klientin aufgrund ihrer traumatischen Beziehungserfahrungen auf unbewusster Ebene einzig dadurch abwehren, dass sie das traumatische Erleben nochmals verstärkt abruft und damit faktisch eine Retraumatisierung erleidet.

    Weiterhin auch dahingehend, dass der Coach den verzweifelten Versuch seiner Klientin, ein „kohärentes Narrativ“ (stimmige Erklärung) ihrer Lebensgeschichte zu finden („Wie ist es dazu gekommen, dass ich immer wieder auf solche Leute treffe…?“), mit den Worten „Das ist gar nicht so wichtig“ zurückweist. Denn nicht nur nach den Erkenntnissen der Narrativen Psychologie und Psychotherapie (Stichwort auch „Psychoedukation“) ist es sogar äußerst wichtig, Klienten darin zu unterstützen, für immer wieder auftretende Leiderfahrungen eine psychologisch stimmige Erklärung der Zusammenhänge zu finden. Sehen Klienten diese, nimmt ihr Leiden erheblich ab, weil sie das Erlebte strukturell integrieren können (Stichwort „Traumaintegration“). Werden Klienten damit allein gelassen, wirkt dies unmittelbar problemverstärkend und fördert depressives Grübeln. Ebenfalls vertan wird die Chance, dysfunktionale Eigenerklärungen, Einstellungen, Emotionen und Verhaltensweisen der Klienten durch neues, wissenschaftlich fundiertes Wissen zu überdenken und zu korrigieren.

    Verantwortungsvoll wäre es gewesen,
    a) die Erinnerung der Teilnehmerin an „das Gleiche mit ihrem Vater“ als wichtigen Hinweis ihrer wahren inneren Stimme auf eine komplexe Beziehungstraumatisierung zu würdigen (ohne diese durch näheres Hinterfragen erneut zu triggern),
    b) kurz zu skizzieren, wie sich aus einem solchen Trauma über die unbewusste Suche nach „Ersatz-Liebe“ bei Menschen, die den primären Bezugspersonen ähnlich sind, wiederholende Leiderfahrungen entwickeln können und
    c) darauf hinzuweisen, dass dieser Leidenskreislauf nur zu durchbrechen ist, wenn das zugrundeliegende Trauma aufgelöst wird. Und hierzu nur ein entsprechend ausgebildeter und zur Ausübung der Heilkunde zugelassener Traumatherapeut (m/w) befugt und fähig ist.

    Zusätzlich hätte der Coach seiner Klientin anbieten können, sie zur Überbrückung der Zeit, bis sie eine/n geeignete/n Traumatherapeutin/en gefunden hat, zu unterstützen, gut damit umzugehen, dass sie noch keine Lösung gefunden hat und ihr zu helfen, zwischenzeitlich nochmals auftretende Enttäuschungsgefühle weniger als ein „die Wand geklatscht werden“ zu empfinden.

    Leider ignoriert der Coach all dies völlig. Und geht stattdessen mit der Teilnehmerin eine unheilvolle Allianz in Form eines „Abwehrbündnisses“ (Stichwort auch „Kollusionsbeziehung“) ein, indem er mit ihr daran arbeitet, wie sie durch frühzeitigeres Beachten ihres Bauchgefühls, dass in einer sozialen Beziehung etwas nicht stimmig sein könnte, weiteren Enttäuschungen vorbeugen „kann“.

    Dies ruft schon deshalb Kopfschütteln hervor, weil es gar nicht möglich ist, Enttäuschungen durch frühzeitigeres Wahrnehmen von „Warnsignalen“ zu verhindern. Denn wenn in einer sozialen Beziehung widersprüchliches Verhalten auftaucht, ist das Kind längst in den Brunnen gefallen und die offene Enttäuschung nur noch eine Frage der Zeit. Der sich inkongruent verhaltende Sozialpartner versucht lediglich noch eine Zeit lang, sich dies nicht anmerken zu lassen und sein Gegenüber über die wahren Verhältnisse bewusst oder unbewusst hinweg zu täuschen.

    Der vermeintlich „weise“ Rat des als „innere Stimme“ verkannten Traumateils der Klientin führt zu keinerlei Problemlösung, sondern für sie spätestens dann zu einer neuen massiven Enttäuschung, wenn sie merkt, dass sie mit dem verstärkten Achten auf Warnungen ihres Bauchgefühls in ihren sozialen Beziehungen nichts weiter erreicht als ein zunehmend größeres Misstrauen, gefolgt von Unsicherheit und Angst, dem Einfordern von „nötigen Aussprachen“ und – wenn der Sozialpartner ihre Wahrnehmungen als „Geistersehen“ zurückweist – einem noch genaueren Suchen nach eventuellen Unstimmigkeiten (wer sucht, der findet auch), gefolgt von neuer Konfrontation und neuen Konflikten. So ein Weg führt unweigerlich genau in das Desaster, das unbedingt vermieden werden soll – kaputte Beziehungen und Enttäuschungen auf allen Seiten.

    Hinzu kommt, dass die Teilnehmerin sich von ihrer vermeintlichen „inneren Stimme“, der sie so sehr vertraut hatte, bitterlich enttäuscht und schmählich im Stich gelassen fühlen wird. Welch verheerend psychische Folgen dies haben kann, braucht wohl nicht sonderlich betont zu werden. Besten Falls erkennt die Teilnehmerin, dass sie sich nicht in ihrer „inneren Stimme“ getäuscht hat, sondern in der Nützlichkeit der Methoden ihres Coachs, der nicht erkannte, dass ihre auf Vermeidung gerichteten „Downloads“ nicht der „Stimme innerer Weisheit“ entstammten, sondern einer „Traumastimme“, die in ihrer Angstbesetztheit alles andere als weise Ratschläge gibt.

    Der vorliegende Fall zeigt auch deutlich auf, wie unbrauchbar ein Coachingkonzept ist, das lediglich von der Existenz einer einzigen „inneren Stimme“ ausgeht, noch dazu, wenn dieser auch noch Quasi-Unfehlbarkeit („Weisheit“) zugeschrieben wird. Ein solches Konzept macht blind für den verführerischen Sirenen-Gesang „unweiser“ Traumastimmen, die dem Klienten vormachen, dass sein Heil in der noch besseren Vermeidung zukünftiger Verletzungen liege. Vermeidung ist Widerstand. Und Widerstand verstärkt Leid. Sagt auch der Coach in vielen Blogs und Videos auf seiner Website. Warum handelt er nicht danach? Ich weiß keine andere Erklärung dafür, als dass der Coach aufgrund eines gleichgelagerten unverarbeiteten Eigentraumas schlicht nicht in der Lage war, den richtigen Weg zu finden. Wird er seinen blinden Fleck erkennen und in nochmaligem Kontakt mit seiner Teilnehmerin nachholen, was er hier versäumt hat? Wir werden es sicher erfahren.

    Beste Grüße, Bettina

    Antworten
    • Hey Bettina

      hier mein Feedback.

      Die Beschwingtheit der Teilnehmerin im Anschluss an das Coaching ist kein Kriterium für dessen Nützlichkeit, sondern eher das Gegenteil.
      Die Klientin hatte mir den Coachingauftrag erteilt, ihr aus einer Demotivation („Arbeiten mit gebremsten Schaum“) heraus zu helfen, und deswegen ist meines Erachtens „Beschwingtheit“ durchaus ein relevantes Kriterium.

      Dass „Vermeiden“ keine Lösung ist, sondern das Problem erst recht aufrecht erhält, …
      Das war nicht Gegenstand des Coachings und wäre auch als Coaching-Ziel untauglich. Vermeiden zu wollen, dass Menschen einen zu täuschen versuchen, liegt nicht in unserer Macht. Aber frühzeitig zu erkennen, wenn jemand ein widersprüchliches Verhalten an den Tag legt, ist nicht nur ein erstrebenswertes, sondern vor allem valides Coaching-Ziel, da selbst erreichbar.

      Als höchst fragwürdig empfinde ich… der Teilnehmerin mittels „Priming“ von Gefühlen von Lieben und Geliebtwerden… den Glauben einimpft, dass alles, was nach Deprivation des kritischen Verstandes…
      Es ist einer der wesentlichen Grundpfeiler meiner Arbeit, die Zusammenarbeit von kritischem Verstand und Innerer Stimme zu fördern. Das unterscheidet meinen Ansatz von jenen spirituellen Lehrern und Lehrerinnen, die den Verstand abwerten oder gar ausgrenzen wollen.

      Für mich ist der Verstand ein so wichtiger Faktor für das Gelingen im Leben, dass ich mich in meinen Coachings und Kursen explizit immer wieder darauf konzentriere, beide Seiten (Intuition und Ratio) ins Zusammenspiel bekommen.

      Was die Teilnehmerin wahrnimmt, ist vielmehr die Stimme des Teils in ihr, der große Angst davor hat, erneut Gefühle sozialer Enttäuschung zu erleben,
      Der Unterschied zwischen einer „Trauma-Stimme“ und der wahren „Inneren Stimme“ besteht darin, dass traumatisierte Anteile nicht in der Lage sind, Lösungen zu liefern – die Innere Stimme dagegen schon.

      Ein traumatisierter Anteil bleibt in der Regel in seiner Entwicklung genau an dem Punkt stehen, an dem die Traumatisierung zeitlich erfolgt. Sprich: Ein Anteil, der mit 5 Jahren traumatisiert wurde, denkt, handelt und fühlt ab dort auch weiterhin wie ein Fünfjähriger. Es gibt zwar auch Ausnahmen, zum Beispiel, wenn mehrere Traumatisierungen in einem Anteil vereint sind. Dann kann es passieren, dass der Anteil mehrere „Alter“ angibt. Das passiert seltener, ist aber auch schon vorgekommen. In jedem Fall aber handelt es sich um einen jüngeren Anteil, der sehr häufig der komplexeren Lebenswelt eines Älteren nicht gewachsen ist.

      Das ist auch der Grund, warum Traumaexperten wie bspw. Richard Schwartz (IFS) oder Luise Reddemann die Arbeit mit einer intuitiven Instanz (Höheres Selbst, Buddha Natur etc.) in den Mittelpunkt stellen. Um zu neuen Lösungen zu kommen, brauchen wir Kompetenzen, Wissen und Einsichten, die den Horizont des Klienten erweitern.

      In dem Fall oben bekommt die Teilnehmerin nicht nur sehr wichtige Hinweise von der Inneren Stimme, wie zum Beispiel, warum sie die Unstimmigkeiten bei den anderen Menschen bis zu dem Zeitpunkt nicht gesehen hat – sondern die Innere Stimme liefert obendrein auch ein „Update“, so dass die Klientin danach in der Lage ist, Unstimmigkeiten im Verhalten anderer Menschen zu erkennen.

      Diese Leistung kann meines Erachtens ein traumatisierter Anteil nicht erbringen.

      Die wahre innere Stimme der Klientin war allerdings auch zu hören und zwar in der spontanen Affektbrücke der Teilnehmerin: „Das Interessante ist, dass es auch ein Thema aus meiner Kindheit mit meinem Vater war – das war auch das gleiche.“
      Dem stimme ich nicht zu.

      Es ist zwar richtig, dass die Information über den Vater von der Inneren Stimme stammt.

      Die Aussage „Das Interessante ist…“ stammt jedoch vom, wie ich es nenne, „Erwachsenen-Ich“ der Klientin.

      Dieser Unterschied ist wichtig, denn für den Coaching-Ansatz ist es von entscheidender Bedeutung, die verschiedenen Instanzen klar zu haben, die hier aktiv sind.

      a) ein „verletzter Anteil“

      b) die „Innere Stimme“, die Tipps gibt und „Ressourcen“ und „Kompetenzen“ aktiviert.

      c) das „Erwachsenen-Ich“, das sowohl mit dem „verletzten Anteil“ als auch mit der „Inneren Stimme“ in Kontakt ist und dabei wichtige Erkenntnisse gewinnt.

      Einen größeren Wink mit dem Zaunpfahl kann es kaum geben… Leider verkennt der Coach dies völlig.
      Aus Wertschätzung für die Klientin und aus Achtung ihrer Würde bin ich nicht bereit, öffentlich irgendwelche Diagnosen diskutieren. Ich finde, so etwas gehört sich nicht.

      Hinzu kommt, dass ich es äußerst gewagt finde, anhand eines kurzen Ausschnitts überhaupt eine Diagnose vorzunehmen. Du kennst die Frau nicht, und Du hast noch nicht mal die ganze Session gesehen, bei der es sowohl vor als auch nach dem Ausschnitt noch weitere Inhalte gab. Wie Du das mit Deiner propagierten Forderung nach einer wissenschaftlichen Vorgehensweise in Einklang bringen möchtest, entzieht sich meiner Kenntnis. Wissenschaft hat für mich immer auch mit großer Sorgfalt zu tun.

      Abgesehen davon nennt man das, was Du da tust, im NLP „Gedankenlesen“. Eine Form der Projektion, bei der man zu wissen meint, was andere denken.

      Was ich während des Coachings erkannt habe oder auch nicht, kannst Du nicht beurteilen, da Du wie gesagt weder das gesamte Coaching gesehen hast, noch über hellsichtige Fähigkeiten verfügst.

      …dass sie das traumatische Erleben nochmals verstärkt abruft und damit faktisch eine Retraumatisierung erleidet.
      Bei einer echten Traumatisierung oder Retraumatisierung übernimmt das autonome Nervensystem die Regie und führt den Klienten gegen seinen Verstandeswillen entweder in einen hypertonen Zustand (Aggression, Fluchtverhalten) oder in einen hypotonen Zustand (Freeze-Zustand, emotionale Lähmung, Dissoziation, Niedergeschlagenheit etc.).

      Dieser Zustand hält in der Regel mindestens ein paar Stunden an, kann aber auch Tage oder wie in meinem Fall letztens mehrere Wochen anhalten.

      Kurz: In so einer Situation geht bei einem Klienten dann schlicht und ergreifend gar nichts mehr. Bei einer Retraumatisierung wäre die Session an dieser Stelle gescheitert gewesen und wir hätten den Rest der Zeit allenfalls mit Schadensbegrenzung verbringen können.

      Tatsächlich ist zu beobachten, wie die Klientin eine beachtliche Aufwärtsentwicklung erlebt, Erkenntnis- und Transformationsprozesse inklusive, was bei einer echten Retraumatisierung, noch dazu in einem Zeitrahmen von ca. 10 Minuten, menschenunmöglich gewesen wäre.

      Weiterhin auch dahingehend, dass der Coach den verzweifelten Versuch seiner Klientin, ein „kohärentes Narrativ“ (stimmige Erklärung) ihrer Lebensgeschichte zu finden („Wie ist es dazu gekommen, dass ich immer wieder auf solche Leute treffe…?“), mit den Worten „Das ist gar nicht so wichtig“ zurückweist.
      Um zu reflektieren, wie es möglich war, dass man verletzt wurde, muss man sich an Vergangenes erinnern. Selbst wenn man das Erinnern in einem dissoziativen Zustand durchführt (der Klient beobachtet sich selbst von außen, wie er sich an damals erinnert), besteht die Gefahr, dass der Klient in die Erinnerung einsteigt, den Schmerz erneut erlebt und am Ende tatsächlich retraumatisiert zurück bleibt.

      Obwohl es ab und zu heilsam sein kann, verdrängte Erinnerungen bewusst zu machen, bevorzuge ich deswegen eher vorwärts gerichtete Fragen, die ebenfalls Lernprozesse fördern. Wie zum Beispiel „Wozu ist die Erfahrung gut? Wofür kann man sie gebrauchen? Welche Vorteile bringen sie? Oder was kann ich Gutes daraus lernen?“

      Darüber hinaus muss man bedenken, dass die Entwicklung eines „kohärenten Narrativs“, also eine stimmige Erklärung für etwas Schmerzliches zu finden, die einen Klienten mit einer traumatischen Erfahrung zu versöhnen vermag, in meinen Augen ganz große Kunst darstellt.

      In dem Buch „Shattered Assumptions: Towards a New Psychology of Trauma“ von Ronnie Janoff-Bulman finden sich zahlreiche wissenschaftliche Studien, die aufzeigen, dass solche Prozesse oft Monate, wenn nicht sogar Jahre oder Jahrzehnte dauern können.

      Deswegen finde ich es um so bedeutsamer, dass gerade in diesem kurzen Prozess tatsächlich eine „Psychoedukation“ stattfindet, die in ein „kohärentes Narrativ“ mündet: Die Klientin begreift, dass sie a) sehr wohl die widersprüchlichen Muster ihrer „Freunde“ mitbekommen hat, dass sie aber b) die Muster nicht wahrhaben wollte und dass c) die Wiederholung der enttäuschenden Erfahrungen notwendig war, damit „ich irgendwelche Signale erkennen oder richtig deuten kann, dass mir eine solche Situation nicht mehr passiert.“

      Dass die Klientin in so kurzer Zeit eine für sie nützliche und weltbilderweiternde Veränderung erfahren darf, ist jedoch nicht auf meine Kompetenzen oder meinen Einsatz zurückzuführen, sondern auf die Wirkmächtigkeit der „Inneren Stimme“. Alles, was wir suchen, ist bereits in uns.

      Der vorliegende Fall zeigt auch deutlich auf, wie unbrauchbar ein Coachingkonzept ist, das lediglich von der Existenz einer einzigen „inneren Stimme“ ausgeht… Ein solches Konzept macht blind für den verführerischen Sirenen-Gesang „unweiser“ Traumastimmen …
      Ja, ein solches Konzept wäre in der Tat unbrauchbar.

      Und das entspricht weder meiner Philosophie, noch Vorgehensweise.

      Wenn Du Dich sorgfältig mit meinen Methoden befasst hättest, wüsstest Du, dass die Arbeit mit verletzten Anteilen eine ganz wesentliche Rolle in meiner Vorgehensweise spielt. Ich habe dazu mehrere Prozesse sowie diverse Audio-Meditationen entwickelt, die ich in vielen meiner Kurse einsetze.

      Alles in allem hätte ich mir mehr Sorgfalt in Deinen Ausführungen gewünscht, denn das hätte mir den Aufwand für die Richtigstellung erspart.

      Da es sich nicht um das erste Mal handelt und Du auch dazu neigst, alles endlos zu diskutieren, behalte ich es mir deswegen vor, in Zukunft auf Deine Beiträge gar nicht mehr zu reagieren, denn die Zeit, die ich dafür aufbringen muss, fehlt hat mir an anderer Stelle.

      Auf die restlichen Ausführungen gehe ich deswegen auch nicht weiter ein, weil sie auf falschen Prämissen beruhen und deswegen einer weiteren Betrachtung nicht bedürfen.

      Antworten
  3. Hallo Martin,

    Deine Antwort erstaunt schon sehr, da sie nicht nur ein erschreckendes Maß an psychologischen Kenntnisdefiziten offenbart, sondern auch, wie Du wieder einmal versuchst, Dich mit rhetorischen Tricks aus der Affäre zu ziehen. Oder auch dem Vorbehalt, mir nicht mehr zu antworten. Da ich im Hinblick auf ein „im Stich gelassen werden“ nicht vorbelastet bin, verfängt Deine Drohung bei mir nicht. Ich werde mich auch weiterhin nicht scheuen, Dir Unangenehmes vorzuhalten, wenn ich denke, dass es nötig ist. Was insbesondere dann der Fall ist, wenn Du Inhalte verbreitest, die aus psychologisch-therapeutischer Sicht mehr schaden als nutzen. Aber eins nach dem anderen.

    Du schreibst: „Die Klientin hatte mir den Coachingauftrag erteilt, ihr aus einer Demotivation („Arbeiten mit gebremsten Schaum“) heraus zu helfen, und deswegen ist meines Erachtens „Beschwingtheit“ durchaus ein relevantes Kriterium.“
    Da sich die „Beschwingtheit“ der Teilnehmerin auf ihr Freizeitschwimmen im See und nicht etwa auf ihre Arbeitsmotivation bezog, kann schon von daher von Relevanz keine Rede sein. Auch war schon die Annahme eines solchen Coachingauftrags unverantwortlich. Denn Du verfügst ganz offensichtlich über keinerlei fundierte, zur Ausübung der Heilkunde berechtigende Ausbildung, Zulassung und Erfahrung insbesondere in der Erkennung von und im Umgang mit Depressionssymptomen. Sonst hätte Dir nämlich auffallen müssen, dass die sich nach der von der Klientin geschilderten traumatischen Erfahrungen („an die Wand geklatscht werden“) aufgetauchte „Demotivation“ (Antriebslosigkeit) ein klassischer Indikator für das Vorliegen einer möglichen Depression ist. Dieser Verdacht hätte einer fachlich kompetenten psychotherapeutischen Abklärung (Untersuchung und Diagnose) bedurft, was Du schlicht ignoriert hast.

    Zudem gab es einen mehr als deutlichen Hinweis der Klientin auf eine „komplexe Traumatisierung durch primäre Bezugspersonen“. Auch dies wäre vor weiterem psychotherapeutisch abzuklären und ggf. zu behandeln gewesen. Denn nur mittels fachkundiger Psychotherapie lassen sich eine Depression und sonstige Symptome, die auf einer sozialen Traumatisierung beruhen, dauerhaft auflösen. Alles andere führt lediglich zu einer rein hoffnungsgetragenen oberflächlich-kurzzeitigen „Beschwingheit“, nicht zu einer dauerhaften Problemlösung. Denn das eigentliche Trauma bleibt weiter wirksam. Davor verschließt Du die Augen nach dem Muster „Es kann nicht sein, was nicht sein darf.“ Ich würde mir wünschen, Du würdest Dich sorgfältiger in die Erkennung klinischer Symptome Deiner Klienten einlernen, damit Du besser erkennst, wo die Grenzen Deiner Kompetenz liegen.

    Es gehört zu den Ethikrichtlinien aller nationalen und internationalen Coaching-Verbände, bei Vorliegen von Hinweisen auf ein nicht auszuschließendes Trauma oder Störungen des psychischen Wohlbefindens potenziellen Krankheitswerts den/die Klienten/in vor weiterem auf eine psychotherapeutische Abklärung zu verweisen. Unterbleibt dies unverantwortlicherweise (wie hier), ist eine zusätzliche Schädigung der Klientin zu besorgen, weil die anfängliche „Beschwingtheit“ ohne weitere Behandlung regelmäßig in ein „Rebound“ im Sinne einer auf Dauer erheblichen Befindlichkeitsverschlechterung umschlägt. Was spätestens dann der Fall sein wird, wenn Deine Klientin merkt, dass das von ihrer vermeintlich „weisen“ inneren Stimme angeratene „Achten auf frühzeitige Warnsignale“ geradewegs in das Desaster hineinführt, das sie dadurch an sich vermeiden wollte.

    Du schreibst weiter: „Dass ‚Vermeiden‘ keine Lösung ist, sondern das Problem erst recht aufrecht erhält, … Das war nicht Gegenstand des Coachings.“
    Falsch, genau das war es! Denn relevant ist nicht, was Du jetzt nachträglich als Coachinggegenstand erklärst, sondern das, worauf Dein Coaching faktisch (Dein Video und Transkript zeigen es) ausgerichtet war („An ihren Taten sollt ihr sie erkennen.“). Und das war eindeutig das „Vermeiden weiterer Enttäuschungen“. In der Einführung dazu feierst Du zudem explizit, dass „sie am Ende plötzlich weiß, womit sie weitere Enttäuschungen verhindern kann“. Und genau dahin coachst Du die Teilnehmerin, indem Du ihr „hilfst“, das von ihr ebenfalls explizit formulierte Vermeidungsziel, „dass mir eine solche Situation nicht mehr passiert“ durch das Vermeidungsmittel einer frühzeitigeren Wahrnehmung und Beachtung „warnender Bauchgefühle“ anzustreben. Du versuchst vergeblich, für alle Leser sichtbare Tatsachen zu bestreiten.

    Auch Fehlschlüssigkeiten, wie Deine Argumentation, „frühzeitig zu erkennen, wenn jemand ein widersprüchliches Verhalten an den Tag legt“ sei „nicht nur ein erstrebenswertes, sondern vor allem valides Coaching-Ziel, da selbst erreichbar“ helfen Dir nicht, die Realität zu vermeiden. Denn damit verwechselst Du nicht nur das Ziel („Vermeiden/Verhindern“) mit dem Mittel („frühzeitig widersprüchliches Verhalten erkennen“), sondern verkennst auch, dass nicht der Grad der Selbsterreichbarkeit das relevante Kriterium ist, sondern vielmehr, ob das „frühzeitige Erkennen und Beachten von Widersprüchlichkeiten“ unter dem Aspekt des tatsächlichen „Outcomes“ überhaupt „erstrebenswert“ ist. Was vorliegend nach allen psychologischen Kriterien nicht der Fall ist, sondern (ich habe bereits ausführlich darauf hingewiesen) in schlicht desaströsen Folgen mündet. Sprich einem exponentiellen Wachstum von Misstrauen, Unsicherheit, Angst, Konflikten und Enttäuschungen auf allen Seiten.

    Und das bezeichnest Du als von der „Inneren Stimme geliefertes Update“ und eine „Leistung“, die „ein traumatisierter Anteil nicht erbringen könne“? Das ist keine Leistung, sondern eine grandiose Fehlleistung, wie sie nur ein traumatisierter Anteil vor dem Hintergrund eines unbedingten Vermeidenwollens erneuter Enttäuschungen erbringen kann. Ein nicht traumatisierter Anteil hätte sich Wege überlegt, mit dem Gefühl einer bereits eingetretenen Enttäuschung besser umzugehen, statt unvermeidbare Enttäuschungen durch Schärferstellen der Alarmsensoren vermeiden zu wollen.

    Ich hatte weiterhin geschrieben, dass ich es als höchst fragwürdig empfinde, wie Du Deine Klientin zu Beginn wider alle Coaching-Regeln mit verdeckten Suggestionstechniken in Deine eigenen Glaubenssysteme hineinhypnotisierst. Das möchtest Du nun sogar als „wesentlichen Grundpfeiler“ verstanden wissen, „um die Zusammenarbeit von kritischem Verstand und Innerer Stimme zu fördern“? „Netter“ Versuch, eine schlicht unethische und allen Leitlinien nationaler und internationaler Coachingverbände zuwiderlaufende Vorgehensweise euphemistisch aufzuhübschen. Mit der Du im Übrigen auch genau das tust, was Du behauptest, im Unterschied zu anderen „spirituellen Lehrern und Lehrerinnen“ nicht zu tun, nämlich den Verstand Deiner Klientin abzuwerten und ihn auszugrenzen.

    Mein Verstand lässt sich nicht so leicht ausgrenzen. Weshalb ihm auch gleich der rabulistische Trick von Dir auffällt, mit dem Herausgreifen der Satzeinleitung der Klientin („Das Interessante ist …“) ein Thema zu diskutieren, das hier gar nicht relevant war, um davon abzulenken, worum es wirklich ging, nämlich die auf eine komplexe Beziehungstraumatisierung hinweisende Affektbrücke der Teilnehmerin. Dein Vortrag über beteiligte „Instanzen“ verfehlt das Thema und ist insofern nicht weiter beachtlich.

    Deine weiteren Ausführungen über die Traumatisierung eines Fünfjährigen lassen dazu erkennen, dass Dir das Thema komplexer sozialer Traumatisierungen auch weitgehend unbekannt ist. Insofern nimmt es nicht Wunder, wenn Du überdeutliche Anzeichen dafür in Deinem Coaching nicht erkennst.

    Insoweit Du Dich im Folgenden über eine angeblich von mir aufgestellte „Diagnose“ ereiferst, weise ich Deinen Vorwurf als unseriöse Eristik zurück. Du definierst den von mir aufzeigten „Wink mit dem Zaunpfahl“ willkürlich um in eine angebliche „Diagnose“, um davon abzulenken, dass Dir als Coach massive Verletzungen Deiner Sorgfaltspflichten vorzuwerfen sind. Welche u.a. darin bestehen, dass Du grob fahrlässig unterlassen hast, den Hinweis Deiner Klientin auf „das Gleiche“ (was sie als „an die Wand geklatscht werden“ beschrieben hat) mit Ihrem Vater erlebt zu haben, als Hinweis („Wink mit dem Zaunpfahl“) auf eine potenziell vorliegende „komplexe Beziehungstraumatisierung durch primäre Bezugspersonen“ aufzugreifen und Deine Klientin zur Abklärung und ggf. Behandlung an einen geeigneten und zugelassenen Traumatherapeuten zu verweisen.

    Dein Ablenkungsmanöver, mir auf der Basis einer willkürlich unterstellten „Diagnose“ „Unwissenschaftlichkeit“ und projektives „Gedankenlesen“ vorzuwerfen, verfängt von daher nicht. Zumal es auch gar keine Gedanken zu lesen gab. Denn der Hinweis der Klientin war glasklar und bedurfte zur Erkennung seiner Bedeutung lediglich ausreichender fachlicher Kompetenz und Erfahrung.

    Deine Ausführungen zur Retraumatisierung zeigen mir zudem, dass Du Dein Wissen offensichtlich aus Büchern beziehst, welche jedoch regelmäßig um Jahre hinter dem aktuellen, in psychotherapeutischen Weiterbildungsseminaren vermittelten Forschungsstand hinterher hinken. Worauf Du Dich beziehst, ist der Versuch mancher Autoren (wie bspw. Maercker et al.) nur solche Erfahrungen als „Retraumatisierung“ zu bezeichnen, die eine signifikante Exazerbation der posttraumatischen Belastungssymptomatik (Orth & Maercker, 2004) nach einem erneuten traumatischen Ereignis oder einer belastenden Situation zur Folge haben, infolgedessen der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, diesen Symptomanstieg zu bewältigen (Maercker & Rosner, 2006). Erreicht die Symptomatik diesen Grad maximaler Intensität nicht, sprechen die Autoren lediglich von „Traumaaktualisierung“. Eine solche Unterscheidung lehnen gerade praktizierende Traumatherapeuten schon länger als „verharmlosend“ ab. Auch ich teile diese Auffassung. Retraumatisierung ist jeder Vorgang, bei dem das ursprüngliche Trauma erneut berührt wird und abgewehrt werden muss, unabhängig vom Grad der Sichtbarkeit der unmittelbar folgenden Belastungsreaktion. Dies nicht zuletzt, weil wie bei der initialen Traumatisierung auch bei einer Retraumatisierung zwischen einer akuten und einer komplexen, sich aufsummierenden Belastung zu unterscheiden ist, die sich u.U. erst mit Verzögerung in zusätzlichen Symptomen zeigt. Aber sowas lernt man, wie gesagt, nicht aus 15 Jahre alten Büchern.

    Insoweit Du behauptest, es sei zu „beobachten“ gewesen, „wie die Klientin eine beachtliche Aufwärtsentwicklung erlebt[e], Erkenntnis- und Transformationsprozesse inklusive … wüsste ich gern, was die konkreten Beobachtungen waren, auf die Du Dich beziehst. Vielleicht kann ich von Dir ja noch was dazulernen.

    Auch mit Deinen weiteren Ausführungen kannst Du Dich von dem Vorwurf, dass es ein Fehler war, den Hinweis der Klientin mit den Worten „Das ist gar nicht so wichtig“ zurückzuweisen, nicht entlasten. Zumal Du versuchst, von Deinen Pflichtverletzungen abzulenken, indem Du so tust, als wäre die einzige Alternative zu Deinem Zurückweisen gewesen, mit der Klientin „zu reflektieren, wie es möglich war, dass [sie] verletzt wurde“ bzw. „verdrängte Erinnerungen bewusst zu machen“. Dies konnte für Dich schon deswegen keine Alternative sein, weil Du über keine therapeutische Qualifikation und Zulassung verfügst. Es hätte jedoch zu Deiner Sorgfaltspflicht als Coach gehört, der Klientin angesichts ihrer Antriebsprobleme und des Hinweises, schon von ihrem Vater quasi „an die Wand geklatscht“ worden zu sein, eine fachtherapeutische Abklärung nahezulegen. Leider hast Du die Klientin jedoch mit den Worten „Das ist gar nicht so wichtig“ schmählich im Stich gelassen. Das lässt sich auch nicht durch „vorwärts gerichtete Fragen“ überspielen.

    Zudem verkennst Du völlig, worum es bei der Entwicklung eines „kohärenten Narrativs“ überhaupt geht. Nämlich gerade nicht darum, mit der Klientin „zu reflektieren, wie es möglich war, dass man verletzt wurde“ und „verdrängte Erinnerungen bewusst zu machen“. Und schon gar nicht darum, einen Klienten mittels einer“ stimmigen Erklärung für etwas Schmerzliches“ „mit einer traumatischen Erfahrung zu versöhnen“. Wer einen so überhöhten Anspruch an eine psychotherapeutische Intervention stellt – die lediglich Mittel der vorbereitenden, wenngleich notwendigen, strukturellen Integration ist, um dem Klienten ein Verständnis dafür zu vermitteln, wie sich im Hier und Jetzt wiederholende Problemerfahrungen („Warum gerate ich immer wieder an solche Menschen?“) aus vergangenen Verletzungen entwickeln und durch Vermeiden negativ verstärken – muss sich nicht wundern, wenn er damit selbst nach Jahren und Jahrzehnten keinen Erfolg hat. Derlei Versuche, eine simple Vorbereitungstechnik zur „ganz großen Kunst“ hoch zu stilisieren, sind noch nie erfolgreich gewesen. Was auch das Beispiel der von Dir zitierten emeritierten Autorin Ronnie Janoff-Bulman zeigt. Zudem beziehst Du Dich auf ein bereits 28 (!) Jahre altes Buch von ihr, dessen Inhalte von neueren Erkenntnissen der Psychotherapie weit überholt sind.

    Unglaublich auch, wie willkürlich Du versuchst, gerade die dysfunktionalen Vermeidungsabsichten Deiner Klientin („damit ich irgendwelche Signale erkennen oder richtig deuten kann, dass mir eine solche Situation nicht mehr passiert.“) in ein „kohärentes Narrativ“ umzudeuten, das für sie „nützlich“ und „weltbilderweiternd“ gewesen sei. Derlei Rabulistik/Eristik ist Lichtjahre von seröser Psychologie entfernt.

    Du bestreitest weiter, dass Dein Konzept lediglich von der Existenz einer einzigen „Inneren Stimme“ ausgeht. Und warum bezeichnest Du sie dann ausschließlich im Singular als „Die Innere Stimme“, so als gäbe es keine weiteren inneren Stimmen? Wie z.B. von verletzten/traumatisierten Anteilen, die Klienten (wie hier) einreden wollen, dass Vermeidungsverhalten (aufmerksamer auf Inkongruenzsignale zu achten mit dem Ziel, erneute Verletzungen zu verhindern) die bessere Lösung sei? Wenn Du so eine Botschaft als „Weisheit der Inneren Stimme“ interpretierst, dann legt das nicht nur Defizite Deines Konzepts offen.

    Insoweit Du Dich über den Aufwand beklagst, den angeblich ich Dir bereitet habe, schaust Du gerade in einen Projektionsspiegel. Denn hättest Du meine Ausführungen sorgfältiger gelesen, hättest Du Dir den Aufwand Deiner Antwort leicht ersparen können. Zumal diese auch nichts richtiggestellt hat, sondern lediglich auf fragwürdige dialektische Art zu verschleiern versucht, dass Dir in dem vorliegenden Coaching kapitale Kunstfehler unterlaufen sind.

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    • Vielen Dank. Das lasse ich einfach mal so stehen und bin damit auch raus aus der Diskussion.

      Martin

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      • Womit Du erneut die Konfrontation mit der Wahrheit vermeidest …

        Antworten

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