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Warum uns eine Bauchlandung ab und zu richtig gut tut (oder warum Leiden ein so guter Lehrmeister sein kann)

Wie wäre es mit einer Geschichte, die von Tony Robbins, einem Saab 96 und lautem Sex aus der Nachbarwohnung handelt?

Mehr noch: Mit einer wahren Geschichte von einer Bauchlandung, die mehr schmerzte, als wenn mir einer kochendheißes Tabasco in eine Schnittwunde gegossen hätte?

Und die mich mehr übers Leben gelehrt hat als jedes noch so schlaue Psychologiebuch?

Bereit?

Meine Geschichte beginnt Anfang der Neunziger. In einer äußerst ungemütlichen Lebensphase, um genau zu sein.

Ich lebte damals mit einer Frau zusammen, aber unsere Beziehung näherte sich ihrem unrühmlichen Ende. Es verging kaum ein Tag, an dem wir uns nicht stritten.

Obendrein waren meine finanziellen Verhältnisse ziemlich angespannt.

In dieser wenig erbaulichen Phase fiel mir ein Freund ein Buch von Tony Robbins in die Hände.

Darin enthalten: Eine Methode zur Verhaltensänderung, die mich faszinierte (und die ich später etwas weiter aufgebrezelt und unlängst online gestellt habe). Das Besondere an ihr: Sie arbeitet mit Gefühlen großer Freude – und mit drastischem Schmerz.

Wie immer, wenn ich eine neue Methode erprobe, fing ich mit etwas Einfachem an.

Ich fuhr damals einen alten Saab 96 (ja, genau der mit dem Buckel, ein Oldtimer sozusagen).

Und es war ein Ölwechsel fällig.

Das wusste ich.

Aber ich konnte mich einfach nicht motivieren, zur Tankstelle zu fahren und den Ölwechsel vorzunehmen.

Also begann ich mit dem ersten Schritt von Tony Robins Prozess:„Denke an etwas, das Du nicht mehr willst.“

Ok.

Das war einfach.

Ich wollte nicht mehr mit dem Wagen ohne einen Ölwechsel durch die Gegend fahren.

Nächster Schritt: „Denke an etwas, das Du Dir statt dessen wünscht“.

Kein Problem: Einen Ölwechsel machen.

Dann: „Denke daran, was Dich daran hindert, dieses Ziel zu erreichen.“

Tja, was hinderte mich?

Eigentlich … nur die Tatsache, dass ein Ölwechsel Geld kostete.

Und das war eben knapp.

Ich wollte nicht mein letztes Geld für das Auto ausgeben und eventuell mit leeren Taschen dastehen – für den Fall, dass ich es irgendwie noch mal anders brauchen könnte. Ich stellte mir einen leeren Kühlschrank vor und das knurrende Gefühl im Magen. Dann doch lieber das Geld sparen.

„Überlege Dir, welche Vorteile es bringt, das Ziel nicht zu erreichen.“

Mhm.

Was war gut daran, keinen Ölwechsel vorzunehmen?

Gut, ich wollte Geld sparen.

Aber wofür?

Und dann fiel es mir ein: eigentlich machte ich das nur, weil ich irgendwie „Sicherheit“ haben wollte.

Die Vorstellung, dass ich noch etwas Geld „auf Tasche“ hatte, war mir doch sehr angenehm.

Das gab mir ein Gefühl von „Freiheit“.

An genau dieser Stelle wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass meine Gedanken weniger von Vernunft als von schwelenden Sorgen diktiert wurden, denn ich war zwar knapp bei Kasse, aber nicht wirklich pleite. Ich hatte noch Geld auf dem Konto. Ein Ölwechsel würde mich also nicht in den finanziellen Ruin treiben.

Aber dadurch, dass ich nie so richtig bewusst über diese Angelegenheit nachgedacht hatte, war es irgendwie zu der gefühlsmäßigen Verbindung gekommen: Ölwechsel = kein Geld = Probleme.

Die nächste Frage brachte dann den Umschwung: „Frage Dich, was es Dich kostet, wenn Du das Ziel nicht angehst.“

Ich stellte mir vor, was passiert, wenn ich mein Auto so weiter fahren würde, und ich spürte eine unterschwellige Nervosität aufsteigen.

Wie bescheuert war ich eigentlich, mit dem alten Öl durch die Gegend zu fahren?

Ich sah es förmlich vor mir: Der Motor macht komische Geräusche – und ich fahre weiter. Die Geräusche werden schlimmer, bis – eines Tages, auf der Autobahn der Motor stottert, ausgeht, der Wagen rollt nur noch, Rauchschwaden steigen unter der Kühlerhaube hervor. Motorschaden. Nichts geht mehr. Abschleppdienst. Der bekümmerte Blick eines Werkstattleiters. Das Auto ist reif für den Schrott.

Das ganze Geld, das ich investiert hatte – weg!

Und wovon wollte ich mir dann ein neues Auto kaufen?

DAS wäre ein echtes Geldproblem.

Kurz: Ich erkannte, wie ich aus falschem Sicherheitsdenken etwas vor mir her schob und genau durch dieses Verhalten meine „Sicherheit“ erst wirklich bedrohte. Und nicht nur meine Sicherheit, die mir so sehr am Herzen lag. Auch meine vielgeliebte „Freiheit“. Denn dann konnte ich mir die spontanen Fahrten von A nach B von der Backe streifen…

Oh, oh…

Nächster Schritt: „Überlege Dir, wie Du vom Ziel profitierst.“

Das war bedeutend einfacher.

Ich sah mich durch die Straßen dieser Stadt kurven, mit meinem wirklich sehenswerten Saab, und ich spürte dabei ein Gefühl von Sicherheit – eben, weil ich den Ölwechsel gemacht hatte (ganz zu schweigen von meiner Eitelkeit, die bei der Vorstellung wohlig schnurrte).

Es dauerte keine fünf Minuten, bis ich im Wagen saß und zur nächstgelegenen Tankstelle fuhr. Dort verlangte ich übrigens kein normales Öl – sondern selbstverständlich das beste, das es gab.

Eine simple Geschichte, ich weiß, aber jetzt geht es erst wirklich los.

Kurz nach der Auto-Story zerbrach die Beziehung zu meiner Freundin. Sie hatte einen anderen kennen gelernt und das war es nun mit uns.

Wie weiter oben schon gesagt, war dieses Ende nicht über Nacht gekommen, sondern hatte sich in einem Zeitraum von über einem Jahr nach und nach angekündigt.

Ich erinnere mich noch, wie ich damals nach einem besonders schwierigen Streit einen guten Freund aufsuchte, dem ich all mein Leid klagte.

Nachdem ich ihm alles haarklein dargelegt hatte, schwieg er für einen kurzen Augenblick.

Dann räusperte er sich.

„Natürlich“ begann er, vorsichtig nach den rechten Worten tastend, „natürlich hast Du nicht alleine Schuld an dieser Situation. Sie trägt auch dazu bei. Aber egal, wer von Euch beiden Recht hat, mach Du doch einfach den ersten Schritt auf sie zu.“

Ich wurde so sauer, dass ich aufstand und ging.

Und nun das. Nur ein paar Monate später.

Alles verloren. Die Frau, die ich liebte: Weg!

Es gab einen Anderen, und ich konnte nun nur noch meine Sachen packen und ausziehen.

Eine Etage tiefer.

In meine eigene Wohnung, die ich damals untervermietet hatte, in der jedoch zum Glück noch ein Zimmer fei war.

Das entschärfte die Situation zwar ein bisschen, machte sie aber ganz bestimmt nicht leichter.

Natürlich begegnete ich meiner Exfreundin und ihrem Neuen auf der Treppe, ich hörte sie vor dem Haus turteln – und Abends setze ich mir Kopfhörer auf, denn das Haus war hellhörig, und ihr Sex war laut.

An einem dieser Abende, als ich gerade Musik hörte, um zu übertönen, was sich vielleicht eine Etage über mir abspielte, wurde mir plötzlich siedend heiß bewusst, dass ich gerade dabei war, den Preis für mein störrisches und rechthaberisches Verhalten zu bezahlen.

Hätte ich damals auf meinen Freund gehört, wäre mir unter Umständen eine schwierige und schmerzhafte Trennung erspart geblieben.

Hatte ich aber nicht.

Und nun, da ich in dem Zimmer saß, begriff ich: Mag sein, dass wir tun und lassen können, was wir wollen.

Aber jede Entscheidung, die wir treffen, bringt Konsequenzen mit sich.

Und ob wir über die Folgen unseres Denkens oder Handelns nachdenken oder nicht: Den Preis müssen wir in jedem Fall bezahlen.

So ist das Leben.

Nenn es fair. Nenn es unbarmherzig. Aber so oder so zahlen wir.

Warum also nicht vorher über das Pro & Contra nachdenken?

Warum warten, bis es zu spät ist, und wir unseren Preis ans Leben entrichten müssen?

Ja, stimmt: Das ist nicht immer einfach.

Vor allem dann nicht, wenn man sich – wie ich damals – im Recht fühlt.

Zu erkenne, was ich mir und meiner Freundin angetan hatte, das brach mir schon einige Zacken aus der Krone.

Aber aus was für einer?

Stolz ist nicht unbedingt das schönste Metall für Geschmeide.

Ein indisches Sprichwort besagt, dass Schmerz und Freude unsere größten Lehrmeister sind. Und: dass Schmerz oft der Gewieftere von beiden sei.

Wäre ich über meinen Schatten gesprungen, um den ersten Schritt zu machen – ich wäre womöglich nicht in diesem Zimmer hier gelandet.

Allein.

Mit einem gottverdammten Kopfhörer auf.

Und nun: Du.

Was schiebst Du vor Dir her?

Nur Mut…

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