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Warum Du „Bad Vibes“ wie Ärger, Kummer, Sorgen oder Ängste erleidest – und was Du besser machen kannst

Leidest Du unter „Bad Vibes“? Also unter „schlechte Laune“ in Form von Sorgen, Zweifel, Frust, Ärger, Niedergeschlagenheit, Scham oder Schuldgefühlen?

Das kann man ändern.

Allerdings muss man wissen, was die „Mechanik“ hinter „Bad Vibes“ ist.

Wie entstehen sie?

Warum bleiben uns „Bad Vibes“ bei bestimmten Themen hartnäckig erhalten?

Und was ist der eine, entscheidende Faktor, um „Bad Vibes“ in „Good Vibes zu transformieren?

Bevor ich diese Fragen beantworte: Dies ist Teil 2 einer dreiteiligen Serie. In Teil 1 lernst Du eine Coachingübung kennen, mit der Du binnen weniger Minuten an Deine „Good Vibes“ kommst. Und in Teil 3 zeige ich Dir, wie Du „Bad Vibes“ als Superhighway für Deine „Good Vibes“  nutzen kannst.

Dazu sollten wir uns jedoch zunächst der Frage widmen: Warum in aller Welt haben wir eigentlich „Bad Vibes“?

Als Antwort möchte ich Dir dieses wunderbare Zitat vom Dalai Lama kredenzen: 

Schmerz ist unvermeidlich, Leiden ist Entscheidungssache.

Was ist damit gemeint?

Zwischen „Schmerz“ und „Leid“ gibt’s einen Unterschied.

Wir alle werden mit schmerzlichen Erfahrungen konfrontiert. Trauer, Hilflosigkeit, Empörung oder Einsamkeit sind essenzielle Gefühle, die zum Leben dazu gehören. Das ist, wie der Dalai Lama sagt, unvermeidbar.

Die entscheidende Fragte lautet also nicht, wie man Schmerzliches verhindert. Sondern wie man mit ihm umgeht?

Nehmen wir den Schmerz liebevoll an? Oder bekämpfen wir ihn?

Wenn wir den Schmerz akzeptieren , ist er für kurze Zeit präsent und verklingt dann ganz von alleine. Wie ein guter Orgasmus, der kommt, seinen lustvollen Höhepunkt erreicht und dann verebbt. 

Wenn wir uns jedoch dazu entscheiden, den Schmerz zu bekämpfen, verwandelt er sich von einer einmaligen Empfindung in etwas Chronisches, das uns für lange Zeit begleiten kann: Leid.

Schmerz wird zu Leid, wenn wir ihn zu verdrängen, zu unterdrücken oder zu betäuben versuchen. 

Und damit komme ich zu einer Kernbotschaft:

„Bad Vibes“ entstehen nicht, weil uns das Leben seine schmerzliche Seite zeigt – sondern weil wir unsere schmerzenden Seiten nicht annehmen. 

Schmerzliche Gefühle sind ein Teil von uns. Der Kummer, die Trauer, die Wut oder die Befürchtungen, die wir spüren, kommen aus unserem Inneren, gehören also ganz und gar zu uns.

Das bedeutet: Sobald wir gegen unsere schmerzlichen Gefühle ankämpfen, kämpfen wir gegen uns selbst.

Stopp.

Lass mich das noch mal wiederholen: Wenn wir negative Gefühle verdrängen oder betäuben wollen, verdrängen oder betäuben wir einen Teil von uns selbst. 

Dabei gibt es drei Möglichkeiten, wie unser abgelehntes Selbst darauf reagieren kann: 

    • Angriff: Es wird sauer und schlägt zurück.
    • Anpassen: Es gibt nach – allerdings nur für kurze Zeit und kehrt dann erneut zurück
    • Flüchten: Es verschwindet in die tieferen Regionen unseres Selbst und regiert uns, ohne dass wir es bewusst merken. Wir wundern uns dann nur, warum wir neuerdings immer wieder morgens mit einem Bluesgefühl aufwachen oder in bestimmten Situationen empfindlich reagieren.

Wenn der abgelehnte Anteil unseres Selbst mit einem Gegenangriff reagiert, erleiden wir einen inneren Konflikt: Eine Seite von uns will A, die andere Seite B.

Typisches Beispiel: Du hast Dich gestern mit jemanden gestritten, und obwohl der Andere jetzt gar nicht da ist, geht der Konflikt in Deinem Inneren weiter. Ein Anteil Deines Selbst steht auf Deiner Seite, ein anderer Anteil hat sich mit Deinem Kontrahenten verbrüdert bzw. verschwestert.

So kann es passieren, dass wir Konflikte stunden-, tage-, wochen-, monate- oder gar jahrelang mit uns herumtragen. 

Aus einem einfachen, temporären Schmerzgefühl haben wir durch Ablehnung aus Versehen konstantes Leid geschaffen.

Im Klartext: Gegen uns selbst zu kämpfen macht keinen Sinn, weil wir in dem Augenblick, in dem wir über uns selbst siegen, bereits verloren haben.

Das ist aber noch lange nicht alles:

Wenn wir unsere schmerzenden Seiten bekämpfen, sind Selbstzweifel und Minderwertigkeitsgefühle die logische Folge

Je mehr wir uns selbst bekämpfen, desto mehr lassen wir uns selbst im Stich.

Je mehr wir uns im Stich lassen, desto stärker werden unsere Selbstzweifel. Und dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Selbstzweifel in Minderwertigkeitsgefühle umschlagen.

Weil wir die äußeren Konflikte im Inneren einfach nicht geregelt bekommen, fühlen wir uns zunehmend schwächer und hilfloser.

Zu dem ursprünglichen Schmerz kommt also nun eine zweite Schicht Leid hinzu. Und auch die werden wir höchstwahrscheinlich bekämpfen, weil wir die volle Wucht der Gefühle kaum aushalten können.

Ein Teufelskreis nimmt seinen Lauf: Je mehr wir uns mit Unliebe selbst weh tun, desto mehr Widerstand wecken wir in uns, der wiederum die inneren Konflikte noch weiter befeuert, was zu weiterer Unliebe führt.

Das ist aber leider noch lange nicht alles.

Achtung Nebenwirkungen: Die Art und Weise, wie wir unseren Schmerz betäuben oder bekämpfen wollen, sorgt für weitere zusätzliche Probleme obendrauf

Das ist, als ob wir bei Kopfschmerzen eine zu starke Medizin nehmen und deswegen Konzentrationsprobleme bekommen – mit der Folge, dass wir beim Fahrradfahren hinstürzen und uns auch noch den Fuß verstauchen. 

Der verstauchte Fuß hat mit unserem ursprünglichen Problem wenig zu tun, verursacht aber weiteres Ungemach, das uns belastet.

Die 4 Strategien, mit denen wir Schmerz vermeiden können

Oben in der Landkarte siehst Du einen dunkeln Bereich des Lebens – das Dramaland. Da gelangen wir hin, wenn wir uns selbst bekämpfen (siehe links oben „Das verlorene Paradies).

Im Dramaland gibt’s vier Strategien, die jeweils auf einer so genannten „Wenn-Dann Formel“ fußen. 

    • Genuss: Wenn ich viel Spaß habe, dann hört der Schmerz auf.
    • Beziehungen: Wenn ich Zuwendung von anderen bekomme, dann wird der Schmerz verklingen.
    • Erfolg: Wenn ich viel Geld auf dem Konto habe, dann werde ich wieder glücklich.
    • Sinn: Wenn ich „erleuchtet“ werde oder einer bestimmten Lehre, einem bestimmten Guru folge, dann wird mein Schmerz beendet sein.

Jede dieser Strategien hat nicht nur das Zeug, Schmerz ganz zuverlässig in Leid zu verwandeln – sondern uns auch noch zusätzlichen Ärger einzuheimsen.

Genuss

Wenn/Dann Formel: „Wenn ich viel Spaß habe, dann hört der Schmerz auf.“

Genuss steht für unsere Gabe, die schönen Seiten des Lebens hingebungsvoll zu zelebrieren.

Wenn wir jedoch den Genuss missbrauchen, um unser Leid zu bekämpfen, dann können wir aus Versehen bei allerlei Suchtmachenden landen:

    • Substanzen: Süßigkeiten, Essen, Medikamente oder Alkohol und andere Drogen sind beliebte Mittel, um das Leid für kurze Zeit zu betäuben.
    • Aktivitäten wie zu viel Surfen im Internet, zu viel TV, zu viel Computerspiele, Pornos etc können uns ebenfalls helfen, unser Leid kurzfristig zu verdrängen.

Die möglichen Nebenwirkungen: Je mehr Alkohol wir trinken oder je mehr wir unsere Zeit mit zu viel TV und anderen Ablenkungen verplempern, desto mehr Probleme können im Job oder der Partnerschaft auftauchen.

Apropos…

Liebe & Beziehungen

Wenn/Dann Formel: „Wenn ich Zuwendung von anderen bekomme, dann wird der Schmerz verklingen.“

Es stimmt: Wenn wir natürlichen Schmerz wie Trauer, Empörung, Hilflosigkeit oder Einsamkeit verspüren, kann eine liebevolle Zuwendung unseren Schmerz besänftigen. Aber nur, wenn wir den Schmerz annehmen. Nicht jedoch, wenn wir ihn durch Zuwendung betäuben oder wegmachen wollen.

Versuchen wir dennoch, das Leid durch Liebe und Beziehungen zu beschwichtigen, landen wir früher oder später in einem toxischen Miteinander. 

    • Angreifen: Wir versuchen uns besser zu fühlen, in dem wir andere beschuldigen, beschimpfen und niedermachen. Oft mit der Absicht, uns Zustimmung von Anderen zu holen. Wenn uns Andere Recht geben, geht’s uns wenigstens für kurze Zeit besser (und wehe, die anderen ziehen nicht mit, dann gibt’s aber richtig Ärger). 
    • Anpassen: Wir machen uns klein in der Hoffnung, dass der Andere uns die Liebe und Anerkennung gibt, die wir uns innerlich verweigern.

Beide Vorgehensweisen funktionieren höchsten für kurze Zeit, meist aber gar nicht. Selbst wenn uns die Anderen recht geben, bleibt uns dennoch das Gefühl, das Opfer einer Ungerechtigkeit zu sein. Und wenn wir uns anpassen, um Zuneigung zu bekommen, dann lassen wir uns erneut im Stich – mit den bekannten Folgen.

In schwierigen Liebesbeziehungen findet man übrigens oft zwei Parteien, die jeweils eine Seite, das Angreifen oder Anpassen, vertreten – wodurch der innere Konflikt ins Äußere getragen wird. Die eine Seite ist eher narzisstisch, also ganz egoistisch aufs eigene Wohl bedacht – während die andere Seite dazu neigt, eher emphatisch zu reagieren und es dem anderen recht machen zu wollen.

Das Ergebnis ist eine toxische Beziehung, die von vielen Streitereien und Verletzungen heimgesucht wird. Nehmen die Konflikte überhand, setzt irgendwann die Flucht ein: Man macht dicht, lässt den anderen nicht mehr an sich heran und erntet so obendrein auch noch Einsamkeit.

Erfolg

Wenn/Dann Formel: „Wenn ich viel Geld auf dem Konto habe, dann werde ich wieder glücklich.“

Nichts gegen Erfolg. Er sei uns allen gegönnt.

Aber wenn wir den Erfolg nutzen wollen, um Leid zu beschwichtigen, entstehen oft besonders unschöne Nebenwirkungen:

    • Neid und Gier: Ein Erfolg kann ein schnelles „High“ verschaffen, allerdings nur für kurze Zeit. Wie bei jeder anderen Droge muss man die Dosis steigern, um den „Kick“ zu bekommen. Die Folge: Die Sucht nach Erfolg wächst immer weiter an und schlägt in Gier um, die bei manchen Menschen keine Grenzen zu finden scheint.
    • Hamsterrad: Arbeit ist auch eine Form der Ablenkung – und damit ein guter Weg, sein Leid zu betäuben. Solange wir uns auf’s Berufliche konzentrieren, spüren wir den Kummer nicht. Das kann dazu führen, dass man sich immer mehr in der Arbeit vergräbt. „Workaholics“ sind, wie der Name schon sagt, Menschen, die ihren Job zur Droge gemacht haben.

Sinn

Wenn/Dann Formel: „Wenn ich „erleuchtet“ werde oder einer bestimmten Lehre, einem bestimmten Guru folge, dann wird mein Schmerz beendet sein.“

Spiritualität ist ein wunderbarer Zugang zu uns selbst und kann tatsächlich Glücksgefühle, „Good Vibes“ in uns wecken. Aber auch wenn uns einige Lebensberater mal ganz gerne ewiges Glück und Happiness versprechen: Niemandem bleibt der Schmerz erspart.

Und wer nicht gelernt hat, mit dem Schmerz liebevoll umzugehen, kann Gefahr laufen, Spiritualität als Fluchtmittel zu missbrauchen:

    • Die roasarote Wolke: Wer gerne in Engelssphären abhebt, um den eigenen Schmerz nicht spüren zu müssen, wird früher oder später von den harschen Fakten der Realität heimgesucht. Eine gescheiterte Beziehung, ein miserabler Kontostand oder andere Verwerfungen des ganz irdischen Lebens.

Nochmals: Genuss, Liebe, Erfolg und Sinn sind allesamt wunderbare Gelegenheiten, das Leben von seiner schönsten Seite auszukosten.

Nur wenn wir sie benutzen wollen, um unseren Schmerz abzuschalten, geraten wir in ungemütliche Strömungen, die uns, wenn wir unseren Irrtum nich korrigieren, früher oder später in eine Krise transportieren.

Damit jedoch komme ich zur frohen Botschaft: Dein Schmerz ist der Superhighway zu den ganz natürlichen „Good Vibes“ in Dir.

Wenn Du Deinen Schmerz liebevoll annimmst, verwandelt er sich von ganz allein in etwas Wunderbares.

Wie genau zeige ich Dir in der nächsten Show jetzt am Freitag.

 

2 Kommentare

  1. Wunderbares Wissen,
    Es ist mir vieles klar geworden. Habe immer den Schmerz unterdrückt.
    Dankeschön 🙂 für Deine tolle Arbeit

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  2. Wunderbar geschrieben und auf den Punkt gebracht! 🙂

    Antworten

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