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Pronoia – Wie mich eine traumatische Erfahrung zu einem wunderbaren Durchbruch geführt hat (Teil 1)

Paul Ferrini hat einmal sinngemäß gesagt, dass wir nicht alle Geschenke des Lebens erkennen, weil einige von ihnen in einer wirklich hässlichen Verpackung zu uns gelangen.

Wie recht er damit hat, durfte ich vor einigen Wochen am eigenen Leib erfahren.

Alles ging damit los, dass jemand eine Vereinbarung in genau dem Augenblick brach, in dem ich seine Unterstützung am dringendsten gebraucht hätte.

Statt seine Zusage einzuhalten, ließ er mich im: Stich. Und so fühlte es sich im wahrsten Sinne des Wortes auch körperlich für mich an: In meinem Rücken pochten tausende kleiner Nadelstiche, während etwas Namenloses meine Brust zusammenzudrücken begann und ich Atemnot bekam.

Ohnmächtig spürte ich, wie ich in einen Strudel von Angst, Ärger und Hilflosigkeit gesogen wurde. Ich versuchte verzweifelt, gegen den Strom zu schwimmen, in dem ich meinen emotionalen Durcheinander mit Worten Ausdruck verschaffen wollte. Aber das machte es nur schlimmer. Mein Gegenüber fühlte sich angegriffen und begann sich zu verteidigen – worauf ich noch gereizter reagierte.

Schließlich verfiel ich in ein Schweigen, während mein Gesprächspartner weiter lamentierte.

Und während seine Worte auf mich einprasselten, wurde mir mit einem Schlag zweierlei klar.

Erstens: Ich war in einer Retraumatisierung gefangen. Dass mein Gegenüber seine Zusage zurückzog, war praktisch betrachtet unangenehm – aber faktisch nicht wirklich schlimm. Ich würde schon ein andere Lösung finden. Die Gefühle, die ich jetzt verspürte, hatten also mit der Situation selbst herzlich wenig zu tun. Tatsächlich war eine längst vergangene und deswegen auch vergessene, aber immer noch schmerzende Wunde aus alten Zeiten angetriggert worden.

Das Zweite: „Etwas“ war jedoch anders als früher. Während meine Gefühle und Gedanken aufgepeitscht durcheinander wirbelten, war ich: Wach. Bewusst. Klar.

Und ich verstand, dass gerade mein autonomes Nervensystem die Führung übernommen hatte. Ein Teil unseres Gehirns, der automatisch einsetzt, wenn wir Gefahr wittern, aber keine schnelle, friedliche Lösung finden können: Erst macht der sogenannte Sympathikus-Nerv mobil und pumpt uns mit Kraft auf, damit wir aus der Situation flüchten zu können. Gelingt das nicht, geht er zu Angriff über. Sollte das jedoch ebenfalls unmöglich sein, übernimmt der Parasympathikus die Regie und befördert uns in einen Zustand des Eingefrorenseins. 

All das wurde mir bewusst, ohne dass ich meine Gefühle zügeln konnte. Aber wenigstens gab es „etwas“ in mir, dass mein emotionales Durcheinander beobachten konnte, ohne mich darin vollständig zu verlieren.

In dem Augenblick wurde die Telefonleitung unterbrochen. Während ich verwirrt auf mein Smartphone starrte, erschien eine WhatsApp auf dem Display. Eine gute Freundin bedankte sich bei mir : „Es hat mir sooooo gut getan, dass Du gestern für mich da warst“, schrieb sie mir, „Als wenn das kleine, orientierungslose innere Kind bei dir aufm Schoß sitzt und beruhigt wird. Dafür danke ich dir sehr.“

Freude durchzuckte meinen Körper, während Tränen in meine Augen schossen. Es tat so gut, in dem Augenblick etwas Wohlwollendes zu lesen. Ich schrieb meiner Freundin eine kurze Danke-Nachricht (was meiner Stimmung einen weiteren Stupser in Richtung Wohlbefinden bescherte) und ließ anschließend  meinem vorherigen Gesprächspartner ebenfalls eine WhatsApp zukommen: Ich bräuchte eine Pause und würde mich wieder melden.

Wenig später rief eine andere Freundin an. Eine Heilerin. Zufall? Fügung? Egal. Es war auf jeden Fall ein Segen. Sie half mir, mich zu stabilisieren, und so nahm der Tag doch noch einen einigermaßen guten Ausklang (danke Michaela).

Und hier an dieser Stelle beginnt meine eigentliche Geschichte. Denn in den nächsten Tagen pochte der Schmerz immer noch in mir. Und wie zuvor, konnte ich beobachten, wie er mich immer wieder in mein ganz eigenes Dramaland hineinzuziehen versuchte. In einen Zustand aus Schmerz, Misstrauen und Ärger. 

Ein krasser Kontrast zu sonst, übrigens. Denn die meiste Zeit kann ich eine Art innerliches Strahlen in mir spüren. Ein Sonnenschein, der zwar durchaus mal von ein paar dunklen Wolken verdeckt werden kann. Aber meist nicht lange.

Das war jetzt anders. Sobald ich ins Dramaland-Gefühl von Ärger und Ängsten abdriftete, war ich wie abgeschnitten. Kein Draht mehr zu meiner intuitiven Intelligenz, zu meiner, wie ich sie gerne nenne: Inneren Stimme.

Ich versuchte ein paarmal, mich mit ihr zu verbinden. Ging nicht. Die unangenehmen Gefühle glichen dem ohrenbetäubenden Jaulen von Sirenen, die das leise Flüstern der Innere Stimme massiv übertönten. Keine Chance für eine Intuition.

Statt Sonnenschein durchwaberte vielmehr ein düsterer Nebel meine Gedanken: „Du musst Dich schützen, Martin. Du siehst doch, man kann einfach keinem vertrauen. Bist schön blöd gewesen, dass Du darauf reingefallen bist.“

Auf diese Gedanken reagierte mein Körper wiederum mit Beklemmungen. Ein klares Zeichen, dass ich mich gerade in etwas Unseliges verirrte. Die unangenehmen Gefühle heizten meine Gedankengänge jedoch noch weiter an: „Merkst Du, wie schlecht’s Dir geht? Das hast Du alles diesem Menschen zu verdanken“.

Ein Teufelskreis: Je negativer ich dachte, desto unangenehmer fühlte es sich in meinem Körper an – was meine negativen Gedanken erst recht befeuerte.

Hilfe!

Aber bei all dem war ich wie gesagt: vollkommen klar. Der Schmerz war da, aber „ich“ reagierte nicht auf ihn. Nur wenn etwas sehr stressig wurde, spürte ich sehr wohl eine Tendenz, gereizt zu reagieren: Die Gefühle wallten in mir auf, während ich mich gleichzeitig gedanklich mäßigen konnte. Nicht schlecht für den Augenblick. Aber das konnte kein Dauerzustand bleiben.

Und so begann ich mich zu fragen: Wie kommt man aus dieser Art von Teufelskreis raus? Meine bisherige Antwort (lass Dich von der „Inneren Stimme“ führen), funktionierte nicht.

Was als kann man tun, wenn das autonome Nervensystem so außer Rand und Band gerät, dass in einen eskalierenden Teufelskreis gerät?

Genau darauf werde ich jetzt am Sonntag in der Show eine Antwort geben, wenn ich den „Pronoia-Prozess“ vorstellen werde.

11 Kommentare

  1. Indem du dies mit deinen Leser*innen teilst, lieferst du nicht nur ein Beispiel für deine Offenheit, die ich sehr an dir schätze, sondern auch einen hilfreichen Anstoß dafür, mit Enttäuschung und Verzweiflung anders umzugehen, einfach in Betracht zu ziehen, dass es möglich ist, mit solchen Erfahrungen und deren Folgen neu und befreiend umzugehen. Ein herzliches Dankeschön dafür. I

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    • Gerne!

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  2. Hallo lieber Martin,
    es ist wirklich sehr traurig zu hören, daß Du auch so eine bittere Erfahrung machen müsstest.

    Du bist so ein wunderbarer Mensch, wo ich immerwieder von Deiner Großzügigkeit erstaune.
    Denn ich kenne hier in Türkei einige Psychologen, die nicht Mal Dein Kümmerversion sein könnten.
    Sie besitzen nicht Mal ein Bruchteil von Deinen Methoden und von Deiner Intelligenz.. und kassieren so viel Geld.

    Ich musste auch Anfang dieses Jahres eine ähnliche Erfahrung machen..
    Mein 6 monatiger Projekt-Arbeit ist von einem Professor, mit dem ich zusammen am Projekt gearbeitet hatte, gestohlen worden. 40 Seiten habe ich geschrieben und ihm ausgehändigt. Er hat in dem Projekt einiges geändert, auf seinen Namen signiert und 100.000 Dollar kassiert. Ich habe nichts bekommen; weil ich ihm vertraut hatte und kein Vertrag gemacht hatte. Ich habe fast 3 Monate lang darüber geweint.

    Es waren meine jahrelange neurobiologiche Recherchen.
    Es tut mir immernoch weh, wenn ich daran denke, daß er mein Projekt auch woanders benutzen wird.
    Bis jetzt habe ich keine Antwort gefunden, warum ich die Erfahrung machen musste…
    Liebe Grüße
    Derya

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    • Liebe Derya,

      Ich bin gerade auf deinen Kommentar gestoßen und meine innere Stimme hat mir gesagt, dass du die Erfahrung deshalb gemacht hast, damit du in Zukunft Verträge abschließen wirst wenn es um noch viel mehr Geld geht. Du hast also einen geringen Preis gezahlt um eine Erfahrung zu machen, die für einen größeren zukünftigen Gewinn sorgen wird. Nur, dass sich das jetzt noch nicht so anfühlt;-) Ich wünsche dir, dass du die Trauer über diese Erfahrung bald loslassen kannst! Liebe Grüße, David

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      • Cooles Refraiming, David!
        Ich kenne das nur im Zusammenhang, wenn Partner/innen gehen: „Wenn Halbgötter gehen, kommen Götter.“ dies auf alle Lebenssituationen zu beziehen macht gerade richtig Spaß!
        Herzlichst Ute

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    • Hi Derya

      danke für das nette Feedback, das mich echt freut.

      Davids Beitrag finde ich super.

      Dem möchte ich hinzufügen: Frag Dich nicht, warum etwas geschehen ist. Sondern wozu es gut ist.

      Bei der Frage nach dem „Warum“ suchst Du nach Ursachen, die Du vielleicht nie wirklich finden kannst. Vielleicht weiß nicht mal der Professor, warum er so gierig gehandelt hat. Irgendeine Geschichte aus seiner Kindheit. Oder aus einem anderen Leben. Who knows…

      „Warum“ orientiert einen immer auf die Vergangenheit, die eh nie zu ändern ist und hält einen in einer Opferrolle gefangen.

      Wenn Du Dich fragst, „wozu“ etwas gut ist, orientierst Du Dich auf den „Nutzen“ der Erfahrung. Darauf, das Beste aus der Vergangenheit herauszuholen. Etwas wichtiges zu Lernen, um es in Zukunft anders und besser zu machen.

      Mehr dazu hier im Blog in Kürze.

      🙂

      Martin

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  3. Lieber Martin, ich kann das gut nachvollziehen, ich kenne den Druck in der oberen Brust und im Hals, es ist als schnürt dich etwas ab, ein rießiger Schrei. Ich hatte ihn genau jetzt und habe den immer wieder, er taucht sehr schnell und spontan auf und so wirklich gelöst habe ich ihn nicht. Aber als ich gerade meine E-mails gecheckt habe und von deinem Selbstlernkurs gelesen habe ist es wieder ganz weit geworden. Jetzt wo ich diesen Blockartikel lese, hat es wieder zu gemacht und ich fühle in dem Moment den Schrei. Deine Frage hat mich inspiriert und ich bekam als Antwort, lass dich führen, lass dich an der Hand nehmen, dann wird es wieder weit. Ich melde mich für deinen Selbstlernkurs an, auch wenn ich schon so viele Ausbildungen habe, es wird einfach weich und weit. Du bist wirklich ein Geschenk mit deinem Sein und da will ich ja auch hin!

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    • Go for it, Ursula.

      Was Dich inspiriert, was Dich „weit“ macht, sind nicht meine Worte. Sondern etwas in Dir, dass weit denkt, das sich angesprochen fühlt und das in Resonanz geht.

      Was ich oben im Blog beschrieben habe, war ebenfalls alles nur meins. Worauf ich in der Situation reagiert habe, hatte nichts mit der Person und der Situation zu tun. Im Gegenteil: Es ist dort faktisch nichts Schlimmes passiert. Es war nur eine alte Wunde, die sich angetriggert fühlte.

      Und in den nächsten beiden Teilen der Blog-Geschichte (das war ja „nur“ Teil 1), möchte ich zeigen, wie man da rauskommt.

      🙂

      Martin

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  4. Lieber Martin,

    ich fühle deinen Kummer mit und wünsche dir von Herzen, dass du ihn überwinden kannst. Allerdings betrübt mich, dass ich als sprituelles Medium mit über 20-jähriger Erfahrung sehr deutlich spüre, dass deine Darstellungen nicht wirklich deinem Erleben entsprechen. Ich will dir keine Unehrlichkeit oder gar marketingmotivierte Mitleidsheischerei unterstellen (du weißt selbst, dass du dafür die „Resonanz-Quittung“ bekämst), aber es fehlt Deinen Worten einfach die „innere Stimmigkeit“. Du wirst bei meinen Worten wissen, was gemeint ist. Und ich wünsche dir, dass es dir gelingt, deine innere Wahrheit so zu finden, dass du dich wirklich genau dem stellen kannst, was dich wirklich bedrückt. Möglicherweise musst du dafür noch einen tieferen Abgrund durchqueren. Aber es wird sich auszahlen. Das sagt mir meine spirituelle Liebe zu dir mehr als deutlich. Und deine Selbstliebe dir sicher auch.

    Namaste,
    Nandana

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  5. Wenn ihr mich fragt, dann meint Martin sein Buchprojekt, in das er letztes Jahr so viel Zeit und Energie investiert und das er auch mit großem „Traaraa“ angekündigt hat. Aber das dann auf einmal nicht nur sang- und klanglos von der Bildfläche verschwand, sondern von Martin sogar in seinem Blog akribisch gelöscht wurde. Warum das? Ich habe glaubwürdige Hinweise erhalten, dass der Verlag seine Veröffentlichungszusage zurückgezogen habe. Was Martin auf Nachfrage von mir zwar geleugnet hat, aber wie glaubhaft ist das?

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    • Lieber Rolf

      nö, Irrtum. Darum ging es bei der Situation oben im Blog nicht.

      Und auch wenn Du mich immer wieder in meinem Blog drängelst, was mit meinem Buch ist: Ich schreibe zu dem Thema, wenn die Zeit reif dafür ist.

      Also hör bitte mit Deinen Zudringlichkeiten auf. Ich finde das unangenehm und irgendwie auch ein bisschen schräg.

      Gruß

      Martin

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