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Pronoia: Wie Du den Sinn Deiner Probleme entdeckst (3 von 5)

Wie im letzten Teil der Pronoia-Serie dargelegt: Wenn Du Herausforderungen und Krisen in einen großen Erfolg verwandeln möchtest, besteht der erste Schritt immer darin, „Ja“ zu ihnen sagen.

Das ist nicht immer leicht – zugegeben.

Während ein emotionales „Ja“ jenseits von Worten, einfach „nur“ durch liebevolles Annehmen und Geschehen lassen ermöglicht wird (siehe Flower-Prozess), braucht‘s beim intellektuellen „Ja“ mehr:  Einen tieferen Sinn.

Aber wie findet man den, wenn man sich verletzt, betrogen oder – wie in meinem Fall – im Stich gelassen fühlt?

In dem man die richtigen Fragen stellt. Denn:

Die Qualität einer Antwort hängt proportional von der Frage ab, die wir uns stellen

Wenn Du Dir das letzte Video ab der 62. Minute angesehen hast, weißt Du, dass es meines Erachtens zwei Fragen gibt, mit denen man den tieferen Sinn hinter einem Problem erkunden kann. 

Du kannst Dich fragen, „warum“ Dir etwas passiert ist. 

Oder „wozu“ Du es nutzen kannst.

Die Frage nach dem „Warum?“ sucht nach einer Ursache. Und sie lenkt unseren Fokus in die Vergangenheit – und damit erneut auf etwas, das schon damals schmerzlich und unangenehm genug war. Schlimmer noch: Je größer der Schmerz, desto stärker der Wunsch, einen Schuldigen zu finden, der ihn verursacht.

Die Frage „Wozu kann ich das nutzen?“, richtet dagegen den eigenen Fokus auf etwas Begehrenswertes. Auf ein attraktives Ziel. Und damit auch auf eine starke Lösung.

Welche der beiden Fragen Dich wohl eher inspiriert und motiviert, muss man vermutlich nicht weiter vertiefen.

Nimm mich zu Beispiel: Warum wurde ich, wie im ersten Teil beschrieben, mit einem schmerzlichen Erlebnis konfrontiert, das mich retraumatisiert hat? 

Keine Ahnung. 

Vielleicht war es Zufall. Vielleicht war es Schicksal. Oder Fügung. Oder einfach nur ein Fall von „dumm gelaufen“. Woher, bitte schön, soll ich das wissen?

Egal. 

Denn als ich mich gefragt habe, wozu es gut ist oder wozu ich das gebrauchen kann, gab‘s schnell nicht nur eine Antwort, sondern gleich drei.

Die Erste: Ich kann diese Erfahrung nutzen, um einen Prozess zu entwickeln, um mich aus der Bredouille zu holen – und vielleicht andere auch. Das allein hätte schon gereicht, mich in einen sehr motivierten Zustand zu transportieren.

Denn überall da, wo ich spüre, dass ich nicht nur mich beglücken, sondern auch anderen einen Dienst erweisen kann, entsteht für mich ganz automatisch: „Sinn“.

Einen Beitrag zu leisten, stellt das Eigene in einen größeren Zusammenhang. Es geht nicht nur um „Me-Power“ (also mein Ego), sondern auch um „We-Power“.

Wie bei einem schönen Geschenk, mit dem man einem Anderen eine Freude macht: Man bekommt zurück, was man gibt. Je mehr ich dem Anderen zuteil werden lasse, desto mehr gewinne ich.

Aber es kam noch eine zweite Antwort hinzu: Die Erfahrung zeigte mir mehr als deutlich, wie schmerzlich sich das „im Stich gelassen werden“ anfühlen konnte. Und ich begann mich zu fragen, wen ich wohl in meinem Leben im Stich gelassen hatte – und ob ich mit deren Schmerz angemessen umgegangen war.

Langsam, aber stetig stellte sich ein Begreifen bei mir ein, warum Andere manchmal so verletzt oder auch so verärgert reagiert hatten, wenn ich mich aus etwas Gemeinsamen zurückgezogen hatte. Während ein Aha-Erlebnis dem nächsten folgte, wurde mir klar, dass ich so nicht mehr handeln wollte. 

Aber dann schlich sich eine Portion Reue in mein Mitgefühl. Einige Situation hatte ich wirklich nicht gut gemeistert. Das tat mir leid. Scham bemächtigte sich meiner.

Das war der Augenblick, in dem sich meine „Innere Stimme“ zu Wort meldete

„Stopp, Martin. Es ist löblich, dass Du Deinen Anteil am Geschehenen nun klarer sehen und begreifen kannst. Aber Scham lenkt Dich vom Eigentlichen ab. Was andere gefühlt haben, als Du sie ‚im Stich gelassen hast‘, wie Du es ausdrückst, ist ganz allein ihre Angelegenheit. So, wie die andere Person in Deiner Erfahrung keine Schuld an Deinen Gefühlen hatte, so bist Du ebenfalls unschuldig, was die Anderen aus Deinem ‚Nein‘ gemacht haben.“

Aha, gab ich verwirrt zurück.

„Die Frage ist vielmehr“, fuhr meine Innere Stimme fort, „wo Du Dich selbst im Stich gelassen hast, als Du gegangen bist?“

Wie meinst Du das?, fragte ich verdattert. 

„Bei was hast Du wertvolle Chancen verstreichen lassen? Wo hast Du Dich und die Anderen um eine saftige Portion sinnlichen und sinnvollen Lebens gebracht?“

Ich spürte, wie der alte Schmerz wieder aufwallte.

„Der Schmerz, den Du gerade jetzt wieder fühlst“, erläuterte meine Innere Stimme, „ist ein Zeichen, dass etwas in Dir darauf wartet, endlich gelebt zu werden.“

Und in dem Augenblick wurde ich mir gewahr, worum es ging. Ich hatte mir Zeit meines Lebens immer wieder gewünscht, etwas mit Anderen auf die Beine zu stellen. Ich weiß nicht, wie oft ich Projekte angeregt hatte, nur um immer wieder zu erleben, dass die Anderen zwar oft von der Projektidee begeistert waren, aber nicht lieferten, wenn es darauf ankam. Am Ende hatte ich dann oft genug die Last des Projektes selbst getragen und mir geschworen, ab jetzt lieber alles alleine zu machen.

„Ich lade Dich zu einer anderen Sichtweise ein“, erwiderte meine Innere Stimme: „Könnte es sein, dass Du selbst etwas nicht geliefert hast?“

Eine Ahnung bemächtigte sich meiner und verdichtete sich zu einer Einsicht: Viele meiner Projekte waren eine Herzensangelegenheit gewesen. Aber statt die Führung zu übernehmen, hatte ich versucht, wichtige Entscheidungen basisdemokratisch zu regeln. 

„Genau das“, ergänzte meine Innere Stimme, „führt zu einer Verwässerung Deiner Ziele und damit zu einem Verlust auf allen Seiten. Die Beteiligten liefern nicht, was das Projekt braucht. Und Du musst miterleben, wie Dein Ziel wieder einmal zu scheitern droht. Dann nimmst Du es selbst in die Hand, aber bist verstimmt, weil die Last wieder einmal bei Dir liegt.“

Was schlägst Du vor?, fragte ich.

„Geh in Führung. So gewinnen alle. Du, weil Dein Herzensprojekt Wirklichkeit wird. Die Mitarbeitenden, weil ihr Beitrag erst durch die Verwirklichung einen echten Wert gewinnt. Und die Menschen, die mit dem Ergebnis in Resonanz gehen, bekommen eine Chance geschenkt, sich dadurch ebenfalls bereichert zu fühlen.“

Bingo.

Jetzt bekam die ganze Erfahrung, all der Schmerz wirklich: Sinn. 

Erstens: Mein Erlebnis half mir zu verstehen, dass meine eigenen Herzensprojekte nicht basisdemokratisch geregelt werden können, sondern dass es an mir war, in Führung zu gehen, war schon reichlich Beute. 

Zweitens: Die Reue hatte mir gezeigt, dass das eigene „Weggehen“ und „im Stich lassen“ in der Vergangenheit für mich nicht immer stimmig gewesen war. Einiges davon tat mir leid und ermunterte mich, es in Zukunft besser zu machen.

Drittens: Aus all dem konnte ich einen Prozess zaubern, der mir, aber vielleicht auch Anderen, helfen konnte, das Beste aus den hässlichen Geschenken des Lebens zu machen. 

Wie genau, erfährst Du im nächsten Teil, der am Sonntag erscheint.

2 Kommentare

  1. Hallo Martin,

    Du schreibst: „Was andere gefühlt haben, als Du sie ‚im Stich gelassen hast‘, wie Du es ausdrückst, ist ganz allein ihre Angelegenheit. So, wie die andere Person in Deiner Erfahrung keine Schuld an Deinen Gefühlen hatte, so bist Du ebenfalls unschuldig, was die Anderen aus Deinem ‚Nein‘ gemacht haben.“

    Eine solche Einstellung Deines inneren Selbst finde ich mehr als schlimm!

    Denn was drückt das aus? „Das Leid von Gewaltopfern ist selbstgemacht. Sie sind selbst schuld, wenn sie aus dem, was Du ihnen angetan hast, Leid machen. Du als Täter bist generell unschuldig. Denn Du kannst ja nichts dafür, dass die anderen unter dem leiden, wie Du sie behandelst. Deswegen musst Du Dich weder schuldig fühlen, noch Dich schämen. Schuld haben immer nur Deine Opfer, niemals Du als Täter.“

    Das ist mega-heftig!!!! Du zeigst damit eine absolut grausame, empathielose Täter-Mentalität, wie sie schon zur Judenvernichtung und zu anderen Gräueltaten beigetragen hat.

    Sorry, aber bei sowas kann ich nur sagen: „Pfui! Du solltest Dich wirklich schämen, so eine Einstellung zu haben!“ Und wenn insbesondere Deine „innere Stimme“ so drauf ist, dann „gute Nacht“.

    Insbesondere mit so einer Einstellung auch noch „die Führung übernehmen“ zu wollen … Welch dunkle Mächte sind da bei Dir am Werk? Die Welt braucht nicht noch einen „Führer“!

    Antworten
    • Gerade habe ich es gelesen. Ehrlich gesagt fühlte ich mich sehr unwohl, als ich die Zeilen las.
      Soll ich dir sagen warum: ..
      Weil Martin, das Leben vieler Menschen positiv verändern kann. Bestimmt auch deine..
      Sei ehrlich, hast du denn wirklich nichts von Martin gelernt?
      Wenn Martin auf dein Kommentar keine Antwort gegeben hat, dann nur aus Höflichkeit. Die Sachen, die du geschrieben hast, sind blöd/unsinn. Es sollte das letzte sein, daß du an Martins Gutmütigkeit zweifelst.
      Denn ich bin mir sicher, du hast genug von ihm profitiert.
      Zeit auf eine andere Perspektive zu schauen. Vielleicht hat er ja Recht!!

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