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Kreative Energie: Wie Du mit der Fokus-Spirale kreative Projekte umgesetzt bekommst

Kreativität ist chaotisch und vor allem unplanbar. Sie überkommt Dich einfach. Oder?

Ich meine: Nein.

Jedes kreative Projekt unterliegt einer Struktur – ganz egal, ob es darum geht, ein Buch zu schreiben, eine Software zu entwickeln, einen Film zu drehen oder ein Konzept für eine Marketingaktion oder ein Training zu erstellen.

Ich nenne diese Struktur „Fokus-Spirale“.

Warum?

Zunächst: Der kreative Prozess folgt meines Erachtens ganz bestimmten, aufeinander folgenden Phasen: „ErFinden“ -> „Strukturieren“ -> „Kreieren“ -> „Loslassen“ -> „Lernen“.

Allerdings ist ein kreatives Projekt in den wenigsten Fällen nach einem einzigen „Durchlauf“ fertig gestellt.

Im Gegenteil: Kreative Prozesse verlaufen in Zyklen. Kaum ist man mit dem „Lernen“ aus dem ersten Durchlauf fertig, ist die Zeit reif, erneut ins „ErFinden“ einzusteigen.

Oben in dem Video erläutere ich die Phasen im Detail, so dass ich mir in diesem Artikel eine kurze Zusammenfassung erlaube.

Viele Leute denken, dass ein kreatives Konzept mit dem Finden und Erfinden von Ideen beginnt.

Allerdings glaube ich, dass der Prozess viel eher startet. Und zwar bei…

Phase 1: Lernen (ab Minute 5.00)
Wozu auch immer wir kreative Ideen entwickeln möchten, es ist in jedem Fall hilfreich, wenn nicht sogar erforderlich, dass wir möglichst viel über unser Sujet lernen.

Ob Du ein Buch schreiben möchtest oder eine Anzeigenkampagne konzipierst: Je mehr Du über Dein Thema weißt, desto besser. Denn Ideen entstehen, wenn wir Altbekanntes mit Neuem kreuzen. Mozart hätte nichts Weltbewegendes komponieren können, wenn er sich nicht über viele Jahre hinweg mit Musiktheorie befasst hätte.

Wenn Du also zu einem Thema etwas Neues erschaffen möchtest, mach Dich fit: Sauge soviel Informationen und Werke anderer Menschen in Dich ein, bis Du das Gefühl hast, satt zu sein.

Phase 2: ErFinden (ab Minute 15.34)
Sobald wir eine zeitlang mit einem Thema „schwanger“ gegangen sind, entstehen in uns erste Ideen. Manche davon sind banal, andere wiederum durchaus inspirierend.

Was auch immer Dir in den Sinn kommt, halte Deine Ideen fest. Und zwar alle. Also auch die ungelenken oder scheinbar unkreativen. Denn es geht in dieser Phase weder darum, sonderlich originell zu sein, noch saubere Konzepte zu schreiben, sondern Zutaten zu entwickeln.

So wie eine Hauptspeise aus unterschiedlichen Komponenten besteht (Gemüse, Fleisch oder Fisch, Kartoffeln, Sauce etc.), so wirst Du Dein Konzept ebenfalls aus unterschiedlichen Elementen zusammenstellen. Deswegen schreib auf, was Dir begegnet.

Ein paar berühmte Bespiele von Notizbüchern findest Du ab Minute 19.12 (unter anderem Mozart, Einstein, Leonardo da Vinci etc.)

Und noch etwas: Versuche in dieser Phase gerade zu Anfang nicht, Deine Ideen zu sortieren. Lass alles frei fließen.

Ordnung schaffst Du dann in…

Phase 3: Strukturieren (ab Minute 22.12)
Irgendwann kommt der Punkt, an dem das „Brainstorming“ vorbei ist und es Zeit für eine „Struktur“ wird.

Dein Konzept, Dein Buch, Dein Film, Deine Software, Deine Produktidee braucht einen klaren Rahmen.

Je nach Projekt gibt’s dafür unterschiedliche Formate. Beim Buch oder Film fasst man seine Ideen in einem „Exposee“ zusammen. Bei Software schreibt man oft ein erstes „Lastenheft“, um nicht nur die wichtigsten Funktionen, sondern auch Ziel und Zweck des Programms auf den Punkt zu bringen.

In dem Video siehst Du ab Minute 22.55 wie ich mein neues Buch „Big Shift“ zunächst als Mindmaps strukturiert und dann mit der Software „Scrivener“ weiter ausgearbeitet habe.

Wenn Dein Gerüst steht, wird es Zeit für…

Phase 4: Kreieren (ab Minute 31.50)
Jetzt geht’s darum, sich zurück zu ziehen, damit Du in „Flow“ kommen kannst.

„Flow“ ist ein Zustand, in dem Du mit Deiner Arbeit eins wirst. Du bekommst links und rechts nicht mehr mit, was passiert oder wie die Zeit verfliegt, weil Du Dich ganz in Deine Aufgabe vertieft hast. Gleichzeitig „fließen“ die Ideen einfach aus Dir heraus – so dass Du meist am Ende baff bist, was Du da geschaffen hast.

„Flow“ ist ein hochproduktiver Zustand, den man zwar nicht erzwingen, aber fördern kann. Ein paar Tipps dazu gibt’s oben in dem Video ab Minute 34.50.

Phase 5: Loslassen  (ab Minute 41.07)
So bereichernd und erfüllend der „Flow“-Zustand auch sein mag:  Danach gilt es loszulassen.

Denn zum ersten ist der „Flow“-Zustand kräftezehrend: Du hast auf extrem hohen Niveau gearbeitet und bist dabei an Leistungsgrenzen gegangen. Dein Energietopf ist leer und muss erst wieder gefüllt werden.

Zum Zweiten braucht Dein Gehirn Abstand. Was auch immer Du geschrieben, komponiert, konzipiert oder programmiert hast: Es kann noch besser werden.

Dazu braucht Dein Gehirn jedoch Zeit, Raum und Gedankenkraft, die Du am besten gewinnst, wenn Du Deine Seele baumeln lässt. Spazierengehen, einen guten Film ansehen, mit Freunden abhängen etcetera.

Sobald Du wieder gut drauf bist, wird es Zeit für…

Phase 1: Lernen 
Genau: Du kehrst wieder zum Anfang zurück. Aber diesmal geht es nicht unbedingt darum, Dir neue Informationen anzueignen – sondern Dein Werk mit Abstand kritisch zu betrachten.

Was gefällt Dir gut an dem von Dir geschaffenen? Was würdest Du in einem neuen Anlauf anders machen? Was fehlt? Was würdest Du kürzen oder gar ganz streichen?

Halte Deine Einsichten und Kritikpunkte fest und gehe erneut ins „ErFinden“: Entwickle Ideen, was Du bei der nächsten „Kreieren“ Phase angehen möchtest, um Dein Werk noch runder, noch aufregender, noch kreativer zu gestalten.

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