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Katapultator: Wie Dich Deine Innere Stimme in ein neues Leben springen lässt

Vielleicht die schwierigste und schmerzhafteste Lektion meines Lebens: Nichts zerstört die Liebe so sehr als Unliebe für Dich selbst.

Mehr noch: die Unliebe für Dich selbst zerstört Dein Glücksempfinden, Deine Freundschaften und ganz bestimmt auch einen erheblichen Teil Deines beruflichen Erfolgs.

Denn egal, wo Du gerade stehst und was Du erreicht hast: Solange Du Unliebe für Dich selbst spürst, kannst Du nur sehr begrenzt in die Welt bringen, was wirklich in Dir steckt.

Darum: Liebe Dich selbst.

Ganz einfach. Oder?

Vielleicht nicht.

Denn wie soll man sich selbst lieben, wenn man sich selbst: nicht liebt?

Geht doch nicht. Oder?

Lass mich dazu eine Geschichte erzählen. Meine eigene, um genau zu sein. Eine herbe zugegebenermaßen. Aber eine, die Dir womöglich eine Antwort liefern kann.

Fangen wir damit an, dass ich in einer Familie aufgewachsen bin, in der ich geschlagen wurde.

Heute weiß ich, dass meine Eltern selbst in Unliebe aufgezogen worden sind  und es nicht besser wussten.

Aber damals als Kind hatte ich davon keinen blassen Schimmer. Und so schlussfolgerte ich, dass ich es nicht wert bin, geliebt zu werden. Dass ich schlecht bin. Menschlicher Unrat, den man halt prügeln muss, um ihn irgendwie zu etwas Anständigen zu formen.

Harte Worte. Stimmt. Aber noch härter waren die Erfahrungen, die der Unliebe entsprangen: Liebesbeziehungen, die an meiner Kälte scheiterten. Oder an meiner Eifersucht. Oder an den vielen Streitereien, die aus all der Unliebe wucherten.

Und so ging es auch im Beruf weiter. Ich wusste früh, dass ich Begabungen hatte. Schreiben zum Beispiel. Aber sie allen waren in meinen Augen nichts wert. Denn ich selbst war ja „un-wert“.

Wenn ich Lob erhielt, wusste ich nicht, was damit anfangen. Entweder, so dachte ich, sind die Menschen blöd – weil sie nicht sehen, wer ich wirklich bin. Oder sie wollen mich manipulieren.

Dass die Wertschätzung einfach nur lieb gemeint war, kam mir dabei nie in den Sinn.

Und so spielte ich immer klein. Im Beruf. Und natürlich in der Liebe. Und jede Beziehung, die scheiterte, vergrößerte die Wunde der Unliebe in mir. „Konnte ja nicht anders kommen, denn ich bin halt ein Stück Scheiße.“

Das zu schreiben, treibt mir genau jetzt die Tränen in die Augen. Denn ich spüre sie gerade wieder: Diese Hölle, in der ich damals lebte.

Jede Begegnung mit anderen Menschen war schwierig und anstrengend. Denn in mir lauerte die Angst, dass der Andere schnell merken könnte, wie schlecht ich bin.

Erfolge konnte ich ebensowenig genießen. Denn die konnten ja nicht von mir kommen. Sondern musste Zufall sein. Also nichts, das sich wiederholen ließe. Sprich: Das Scheitern beim nächsten Mal war vorprogrammiert. Und so wurde der Erfolg dann eher zur Last.

Und jede Liebesbeziehung machte mich zu einem Junkie. Je mehr ich spürte, dass mir eine Frau Liebe entgegenbrachte, desto abhängiger wurde ich von ihr. Und wenn die Zufuhr stockte oder ganz ausfiel, wurde ich garstig – oder ich stürzte in ein Loch. Nichts machte dann in meinem Leben noch Sinn.

Und dann passierte etwas, das mein Leben verändern sollte.

Eine Entdeckung.

Im Jahr 1987. Als ich 25 Jahre alt war.

Ich lebte damals in Düsseldorf – beruflich recht erfolgreich, aber menschlich vereinsamt. Um den Kummer zu betäuben, arbeitete ich unter der Woche bis spät in den Abend, und an den Wochenenden kiffte ich. Unliebe at it’s best.

So war mein Leben. Busy. Und leer.

Bis etwas in mein Leben platzte, mit dem ich einfach nicht gerechnet hätte.

Das erste Mal erwischte es mich im Januar 1987. Auf einer Geschäftsreise in den USA. Ich war zu Gast bei Geschäftsfreunden – und es geschah nach dem Abendbrot, als ich in einem Erker saß und ins nächtliche San Francisco starrte. Wie aus dem Nichts tauchte plötzlich eine tiefe Sehnsucht in mir auf und feuerte in alle Fasern meines Körpers. Es war ein so heftiges Gefühl, das ich wie paralysiert da saß. Unfähig zu denken. Da war nur diese Sehnsucht – nach einem anderen Leben.

Nach einiger Zeit zog es sich wieder zurück und ließ mich tief berührt und zugleich extrem verwirrt zurück. Offensichtlich gab es etwas in mir, das über mein Leben besser Bescheid wusste als ich.

Als ich dann wenig später nach Deutschland zurückkehrte, begleitete mich das Gefühl noch eine zeitlang – bis ich es vergaß. Der alte Trott hatte mich wieder fest im Griff. Bis zu einem späten Nachmittag im Mai, als ich beim Weg von der Arbeit von einem Frühlungsregen überrascht wurde. Ich flüchtete unter einen Baum, und als ich zum Himmel hochsah, stieg das Gefühl wieder in mir auf. Noch intensiver. Aber auch klarer. Denn es hatte diesmal eine Botschaft für mich. In einem sanften, liebevollen Ton stellte etwas in mir die Frage: Was hast Du aus Deinem Leben gemacht, Martin?

Nichts, wurde mir klar. Ich ging einem Job nach, der mich nicht erfüllte. Und ich war einsam. Niemand da, mit dem ich Liebe teilen konnte.

Und bevor ich noch in die typische Selbstverurteilung abgleiten konnte, federte mich dieses Etwas in mir ab – und zeigte mir ein anderes Leben. Mit Freunden. Mit einer leidenschaftlichen Liebesbeziehung. Und ich sah, dass ich schrieb. Geschichten. An einem Computer.

Als sich das Gefühl wieder zurückzog und die Bilder verblassten, war ich wieder verstört. Aber nicht so sehr wie in San Francisco. Wie ich an Freunde oder eine Liebesbeziehung gelangen sollte, wusste ich zwar nicht. Aber zu dem Thema „Geschichten“ hatte ich eine Idee.

Kurze Zeit später kaufte ich mir einen Atari-Rechner, und ich erinnere mich noch gut, wie ich das erste Mal auf den weißen Bildschirm starrte: Ich wusste nicht, wie anfangen.

Am liebsten hätte ich den Rechner wieder ausgemacht.

Aber dann stieg ein Impuls in mir auf, und ich begann die ersten Worte zu tippen.

Dann noch ein paar mehr.

Und plötzlich brach etwas in mir los – und die Worte flossen aus mir heraus, ohne das ich nachdenken musste.

Etwas in mir schrieb.

Viele Jahre später sollte ich dieses „Etwas“ meine „Innere Stimme“ nennen. Aber damals hatte ich für keinen Namen.

Dennoch: Diese Erfahrung, das da etwas in mir war, das schreiben konnte und das offensichtlich verdammt gut über mein Leben Bescheid wusste, veränderte etwas in mir.

Endlich gab es etwas, das ich an mir wirklich schätzte.

Und in dem Maße, in dem ich mich wenigstens etwas lieben konnte, begann mein Leben zu blühen. Ich zog – wieder einem Impuls folgend – nach Bielefeld in eine WG mit Kumpels. Ehe ich es mich versah, gewann ich auf einen Schlag viele neue Freunde, mit denen ich jede Menge Unsinn unternahm – und ich kam mit einer Frau zusammen, mit der ich eine stürmische Liebesbeziehung entfachte.

Allerdings gab es ein Problem.

Die Wunde der Unliebe eiterte noch immer in mir. Und so kam es, dass ich immer wieder in die alten Muster zurückfiel. Entweder taperte ich in die Dunkelheit depressiver Gedanken, die mich manchmal tagelang in Beschlag halten konnten. Oder ich geriet mit anderen Menschen aneinander. Streitereien und Konflikte waren damals mein Markenzeichen.

Das ist das Verflixte an der Unliebe. Sie treibt Dich in Situationen, die ihre Macht noch weiter verstärkt. Denn auf jeden Streit folgte Scham. Was hatte ich nur angerichtet? Wie mies bin ich eigentlich?

Aber meine Innere Stimme ließ nicht locker. Wenig später entdeckte ich NLP, eine psychologische Richtung, die als frischer Trend aus den USA nach Deutschland geschwappt war – und nachdem ich einige Sessions genommen hatte, begann ich eine Ausbildung als NLP-Practitioner. Der Rest ist Geschichte. In den Neunziger begann ich als Trainer und Coach nebenberuflich zu praktizieren. Und seit 2000 lebe ich Vollzeit davon.

Ein Happy End also. Oder?

Nicht ganz. Denn so sehr ich mich auch Stück für Stück aus dem Dramaland meines Lebens befreite, so blieb doch eine Portion Unliebe für mich selbst zurück, die ich „irgendwie“ nicht heilen konnte.

Ich neigte noch immer dazu, mich selbst anzuzweifeln. Wenn ich bei You Tube zu einem meiner Videos einen blöden Kommentar las, fühlte sich das so an, als ob mir jemand ins Gesicht geschlagen hätte.

Dieser Schmerz feuerte zwar meinen Ehrgeiz an, immer besser zu werden. Aber kein Erfolg und auch keine Liebe von Außen konnte meine Unliebe für mich selbst heilen.

Die Kritikempfindlichkeit blieb. Die Selbstabwertung auch.

Sie waren nicht mehr so stark wie früher, denn sobald ich meiner Berufung „Trainings und Coachings“ nachging, war meine Unliebe wie weggeblasen.

Aber so sehr es mir auch gelang, andere in ihre Liebe für sich selbst zu führen – bei mir ging das „irgendwie“ nicht.

Was auch immer ich als Coach für mich selbst probierte – an der Unliebe scheiterte jedes Werkzeug, jede noch so probate Selbstcoachingtechnik.

Wie also schafft man es, sich zu lieben, wenn man sich selbst ja eben nicht liebt?

Ich gebe zu, dass ich lange nach einer Antwort gesucht habe. Jahrzehnte lang, muss ich sagen.

Bis ich auf die Antwort stieß.

Es geht nicht.

Das war ein furchtbarer Moment. Und während mir die Aussichtslosigkeit des Unterfangens siedendheiß bewusst wurde, meldete sich meine Innere Stimme zu Wort: Warum nimmst Du nicht mich zur Hilfe?

Ooops!

Ich gebe Dir gerne Startkapital. Was Du dann daraus machst, ist Deine Sache. Denn Dein Leben ist Deine Show. Und was Du selbst machen kannst, werde ich Dir auch weiterhin selbst überlassen. Nur so kannst Du wachsen.

Aber Unliebe selbst heilen, meinte sie, ist für viele zu schwer. Sie brauchen einen Anschub. Eine Initialzündung.

Aha, erwiderte ich skeptisch, wie soll das gehen?

Geh in Deine Scham, sagte die Innere Stimme. Spüre das Gefühl, ein Opfer zu sein.

Ich ging nach Innen, und als ich es wahrnahm, fragte ich; Und jetzt?

Und sie meinte: Füge etwas Männliches hinzu?

Männliches?

Denk an all die Situationen, in denen Du ein Projekt in die Hand genommen und durchgezogen hast. In denen Du für Dich eingestanden bist.

Kaum ausgesprochen, kamen schon Situationen in mir hoch. Und…

…die Scham verschwand.

Krass. Oder?

Aber das kannst Du auch.

Und der erste Schritt besteht darin, dass Du einen Draht zu Deiner Inneren Stimme herstellst,

Wie das geht, davon bekommst Du einen Vorgeschmack oben in dem Video. Ab Minute 47.18.

Und wenn Du mehr dazu machen möchtest, empfehle ich Dir unseren Kurs „Liebe rockt„!

2 Kommentare

  1. Danke Martin, für Dein berührendes Dich-zeigen.
    Die innere Stimme ist schon Wow! – doch die wirkliche bedingungslose Selbstliebe muss noch viel heilsamer sein. Ich habe ein ahnendes Spüren.

    Danke, für das, was Du und Ihr in die Welt gebt.

    Antworten
  2. Ja, bedanke mich auch für Deine offene und ehrliche Erklärung (über Dich). Ich habe geweint beim Durchlesen, da ich vieles aus meinem Leben kannte (+ Mitgefühl für Dich spürte). DAS verschafft mir Vertrauen in Deine Arbeit, die es dadurch authentisch macht. Und bin manchmal in Deinen freitags-Bigshift (leider kann ich oft freitags nicht) und finde sie immer sehr bereichernd.

    Vielen, vielen Dank für Deine Ehrlichkeit!

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