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Die Kunst zu verzeihen: Reue ist der Schlüssel (Teil 3 von 3)

In Teil 2 der ingesamt dreiteiligen Serie (siehe 1 und 2) ging’s um die Frage, ob wir uns mit Menschen, die uns verletzt haben, wieder versöhnen sollten – sprich: Sie wieder in unser Leben lassen sollten. Oder eher nicht.

Ich meine: Nur bedingt.

Ohne eine echte Reue Deines Gegenübers solltest Du Dich nicht darauf einlassen.

Allerdings wird Reue paradoxerweise oft durch ein Gefühl verhindert, das sie eigentlich ermöglichen sollte: Schuld.

Wie genau?

Schuldgefühle, und deren böse Schwester, Scham sollten uns ja eigentlich daran erinnern, dass wir gegen unsere Werte gehandelt haben.

Aber oft sind sie so stark, dass sie uns in einen emotionalen Abwärtsstrudel ziehen können.

Statt darüber nachzudenken, wir wir die Dinge fortan besser geregelt bekommen, fühlen wir uns einfach nur: schlecht.

Sobald wir uns jedoch emotional angegriffen fühlen, neigen wir oft dazu, das Gefühl zu verdrängen oder zu bekämpfen. Beides sorgt nur dafür, dass es mit stärkerer Wucht in unser Leben zurückkommt. Denn es hat ja einen Job zu erledigen: Uns darauf hinzuweisen, dass wir in Zukunft einen anderen Weg einschlagen sollten.

Wenn wir uns dieser Schritt nicht gelingt, landen wir in dem eben beschriebenen Teufelskreis: Die Schuldgefühle fühlen sich mies an, wir verdängen oder bekämpfen sie, wodurch sie nur noch stärker werden, was uns dazu veranlasst, noch mehr gegen sie anzugehen.

Wird das Schuldgefühl jedoch zu stark, schlägt es oft in Scham um.

Der Unterschied?

Während wir bei Schuldgefühlen uns darüber ärgern, dass wir etwas falsch gemacht haben, denken wir bei Scham, dass wir falsch sind.

Das ist die Höchststrafe, die wir uns angedeihen lassen können. Sobald uns die Scham im Griff hat, wird unser Denken, Fühlen und Handeln von dem Gedanken vergiftet, dass etwas Gravierendes mit uns nicht stimmt. Unsere Selbstliebe versiegt und unser Selbstwert trocknet aus und beginnt zu welken.

Das Ende vom Lied ist ein Leben, in dem wir uns selbst kasteien.

Um das zu verhindern, ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir uns so schnell wie möglich verzeihen können: Den emotionalen Ballast abwerfen und uns dafür öffnen, aus der Situation zu lernen und neue Wege zu finden, wie wir in Zukunft handeln werden.

In dem Video zum Verzeihensprozess findest Du ab Minute 19.03 kannst einen einfachen Weg kennenlernen, wie Du das handhaben kannst.

Das hilft Dir nicht nur, eigene Fehler leichter annehmen und verarbeiten zu können  – sondern es eröffnet Dir auch einen klaren, emotional eher unbelasteten Blick auf die Menschen, die Dir weh getan haben.

Und den brauchst Du, um die Frage zu beantworten, ob Du nur verzeihst (Dich emotional befreist) – oder ob Du Dich versöhnst, also dem Menschen, der Dich verletzt hat, auch weiterhin an Deinem Leben teilhaben zu lassen.

Ich hoffe: Es gelingt Dir Beides.

 

 

2 Kommentare

  1. „Während wir bei Schuldgefühlen uns darüber ärgern, dass wir etwas falsch gemacht haben, denken wir bei Scham, dass wir falsch sind.“

    Was ist denn das für eine Küchenpsychologie??

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    • Hi Walter

      es gibt verschiedene Interpretationen von Schuld und Scham in der Psychologie. Die Unterscheidung von Schuld, die Handlungs basiert ist, während die Scham auf dem Identitätslevel agiert, ist nicht nur gängig, sondern vor allem: Wichtig.

      Schuld lässt sich leichter lösen, weil sie oft eben nur bestimmte Verhaltensweisen adressiert („Ich habe gestern zuviel getrunken“). Scham hingegen ist universell, weil sie uns selbst als Mensch in Gänze in Frage stellt („Ich bin Alkoholiker“).

      Antworten

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