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Coachingübung: Wie Du Dich in Dich selbst verliebst

Es gibt in meinen Augen zwei Wege, wie Du mehr Selbstliebe entwickeln kannst.

Den ersten Weg habe ich beim Thema „Good Vibes“ skizziert: Nimm Deine Schattenseiten an. Die Anteile, die Du (noch) nicht so sehr an Dir magst.

Aber es gibt noch einen weiteren Weg, den wir beschreiten können.

Wir können unsere Selbstliebe besonders entfachen, in dem wir unsere starken und liebenswerten Seiten wertschätzen. Bewusst annehmen.

Das ist aber gar nicht so einfach.Denn unsere Stärken sind uns oft gar nicht klar.

Warum?

Weil sie für uns normal sind. Nichts besonderes. Wir leben ja schon lange Zeit mit ihnen und nehmen sie deswegen als selbstverständlich hin.

Das ist das erste, was Du mit der Übung oben im Video ändern kannst.

Das Zweite: Sobald Du eine neue / alte Stärke an Dir entdeckst, kannst Du sie in Situationen, die Dich herausfordern, gezielt einsetzen.

Wenn Du zum Beispiel durch den Prozess entdeckst, dass Du im Job durchsetzungsstark bist, kannst Du das im Privatleben für die Menschen verwenden, die Deine Grenzen nicht respektieren.

Umgekehrt könnte es sein, dass Du im Privatleben besonders einfühlsam und rücksichtsvoll bist – Eigenschaften, die Dir helfen können, einen langandauernden, nervigen beruflichen Konflikt zu lösen.

So schlägst Du 2 Fliegen mit 1 Klappe: Du verknallst Dich ein bisschen mehr in Dich. Und sorgst für mehr Gelingen in Deinem Leben.

84 Kommentare

  1. Hallo Martin,

    für meine Begriffe fängst Du mit dem Thema „Selbstliebe“ am falschen Ende an.

    Die Welt wäre besser, wenn es weniger selbstverliebte Narzissten gäbe, die anderen mit ihrer Kritik die Selbstliebe madig machen. Und dann oft genug auch noch tönen: „Schau mich an! Wenn Du Dich so lieben würdest, wie ich mich, dann hättest Du kein Problem mit ein bisschen Kritik!“

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    • Was meinst Du mit dem „falschen Ende“?

      Ist Selbstliebe nicht etwas, das nur wir selbst praktizieren können?

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  2. Ich meine damit, dass es bessere Wege zu mehr Selbstliebe gibt, als diese direkt „praktizieren“ zu wollen. Ich selbst habe diese Erfahrung in einer Therapie gemacht. Meine Therapeutin hat mir nicht mehr Selbstliebe empfohlen, sondern mich erkennen lassen, dass ich mich deswegen in vielem nicht mochte, weil ich den kritischen Unsinn, den narzisstische Menschen über mich gesagt haben, geglaubt habe. Ebenso auch, dass diese Menschen sich nicht einfach nur großtuerisch aufblasen, sondern tatsächlich viel besser und liebenswerter sind als ich. Danach habe ich dann gelernt, mich gegen solche Menschen „immun“ zu machen und sie nötigenfalls auch in ihre Schranken zu verweisen. Das hat dazu geführt, dass ich in meiner Umwelt auf einmal viel mehr respektiert wurde, und mich damit in der Folge auch immer mehr selbst gemocht habe. Ohne auch nur eine einzige Selbstliebeübung durchzuführen.

    Vielleicht solltest Du auch mal einen Kurs für Narzissten anbieten, wie man übersteigerte Selbstliebe, mit der man die Selbstliebe anderer ernsthaft beschädigen kann, auf ein vernünftiges Maß herunterbringt.

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    • Hi Sina

      wenn es Dir geholfen hat, wird es für Dich genau das Richtige gewesen sein.

      Allerdings würde ich diesen Weg nicht wählen.

      Warum?

      Weil das Problem meines Erachtens nicht der Narzisst ist, sondern dass Du an seine Kritik „geglaubt“ hast – und sobald wir etwas negatives glauben, geht’s uns schlecht.

      Eine Kritik, die Du nicht glauben würdest, würde Dich jedoch emotional nicht berühren,

      Natürlich kann man das so regeln, dass man sich gegen den Narzissten zu Wehr setzt.

      Sobald die Kritik des Narzissten verstummt, schweigt auch unser negatives Gefühl.

      Das Problem ist, dass es leider Tausende von Narzissten gibt. Wenn man sich gegen jeder dieser Narzissten zu Wehr setzen würde, hätte man viel zu tun.

      Wenn man gegen die Kritik jedoch „immun“ ist, es also weiß, dass man lebenswert ist, prallt die Kritik ab und der Narzisst bekommt nicht, was er von Dir eigentlich will: Eine emotionale Reaktion.

      Denn Narzissten leben davon, dass sie viel Aufmerksamkeit bekommen. Nichts ist schlimmer für einen Narzissten, als ignoriert zu werden. Am liebsten haben sie Lob. Aber wenn sie das nicht bekommen, dann wollen sie wenigstens sehen, dass jemand beleidigt, verletzt oder aggressiv reagiert. Auch das ist ja eine Form von Aufmerksamkeit.

      Und es ist eine Form von Machtausübung: Der Narzisst weiß, dass er Dich emotional packt, weil Du auf ihn reagierst.

      Jeden Gegenwehr ist also oft leider eine Bestätigung für sie, dass ihr Vorgehen fruchtet.

      Wenn Du aber ganz relaxt bleibst, wenn Du auf seine Masche nicht einsteigst, ist er machtlos.

      Aber das ist natürlich ein hohes Ziel. Dazu benötigt man sehr viel Selbstliebe.

      Solange man die nicht hat, ist auf jeden Fall richtig, eine Grenze zu ziehen.

      Was meinst Du dazu?

      ; )

      Martin

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      • Hi Martin,

        da hast Du etwas missverstanden.

        Denn meine Selbstheilung basierte nicht darauf, mich gegen Narzissten zur Wehr zu setzen, sondern mich gegen deren selbsterhöhende Erniedrigungsversuche immun zu machen. Erst als das geschehen war, habe ich auch den Mut und die Kraft gefunden, mich zur Wehr zu setzen.

        Wobei ich eine Gegenwehr auch wichtig finde. Denn einfach nur nicht zu reagieren, halte ich für zu wenig. Überspitzt gesagt: Wenn wir beispielsweise auf islamische Terroristen lediglich nicht reagieren, aber nichts gegen sie unternehmen würden, wäre das in meinen Augen völlig falsch. Denn wenn man Opfer von Gewalttaten (auch psychischen) geworden ist, dann kann es ja wohl nicht sein, dass nur das Opfer sich verändern und gelassener werden muss, oder? Deine Ansicht, dass man Narzissten durch Gegenwehr nur eine Bestätigung des Fruchtens ihrer Absicht geben würde, teile ich insofern gar nicht. Zumal ich auch genau das Gegenteil erlebt habe. Indem ich klipp und klar Grenzen gezogen habe, habe ich ausnahmslos mehr Respekt erhalten.

        Immun bin ich auch nicht dadurch geworden, dass ich danach gesucht habe, was ich an mir liebenswert finde, sondern dadurch, dass ich erkannt habe, dass die vermeintlichen Wahrheiten der Narzissten lediglich Trugbilder sind, die persönlichen Defiziten ihrer Person entspringen.

        Auch bin ich nicht Deiner Ansicht, dass man, um relaxt zu bleiben, sehr viel Selbstliebe benötigt und „Grenzen ziehen“ bedeuten würde, dass man nicht genug Selbstliebe hat. Ist nicht Dein Ernst, oder? Denn gerade Grenzen ziehen zeigt mir doch, dass ich Respekt vor mir selbst habe und mir selbst wichtig bin!

        Sina

        Antworten
        • Hi Sina

          ich glaube, wir meinen das Gleiche.

          Ich war mal vor vielen Jahren mit einer Frau zusammen, die einerseits sehr lieb war, aber leider auch andere Menschen durch ziemlich harte Sprüche entwürdigt hat.

          Das hat mich damals ziemlich hart getroffen, denn ich habe sie sehr geliebt.

          Mir blieb am Ende nichts anders übrig, als Schluss zu machen. Sonst wäre ich emotional drauf gegangen,

          Ich wusste, dass sie selbst sehr verletzt war. Und wie das so ist: Verletzte Menschen verletzen Menschen.

          Sie konnte mich jedoch nur verletzen, weil ich selbst voller Selbstzweifel war. Ich habe ihr – wie Du das ja auch oben geschrieben hast – geglaubt. Etwas in mir hat damals gedacht, dass ich eben doch nicht gut genug, dass ich nicht liebenswert genug bin.

          Und jedesmal, wenn ich das gedacht habe, ging es mir saubeschissen.

          Eine Grenze zu ziehen, war und ist deswegen in einer solchen Situation genau richtig, Alles andere wäre nur eine weitere Form der Selbstverletzung – da stimme ich Dir zu.

          Danach aber wurde mir bewusst, dass sie nicht die einzige Frau war, mit der ich dieses Problem gehabt hatte. Ich konnte sehen, dass sich dieses Thema wie ein roter Faden durch viele meiner Beziehungen gezogen hatte.

          Und ich konnte auch erkennen, dass ich in neue Beziehungen mit einer großen Abwehr gegangen bin.Denn ich hatte Angst, dass ich wieder verletzt werden konnte. Die ganze Welt kam wir vor ein großes Minenfeld, und jede Begegnung barg die Gefahr, dass wieder eine der Minen explodieren und mich verletzen konnte. Sei es durch einen abschätzigen Blick oder durch eine blöde Bemerkung.

          Und dann hatte ich irgendwann eine „Erleuchtung“. Das „Problem“ waren nicht die anderen. Das „Problem“ war, dass ich ihnen glaubte, dass ich sie irgendwie ernst nahm.

          Und warum?

          Weil ich so erzogen worden bin. Die Idee, dass ich nicht gut genug bin, habe ich schon früh eingebleut bekommen.

          Als ich begonnen habe, die Lügen, die mir andere eingetrichtert haben, zu entmachten und mich selbst mehr und mehr zu achten und zu lieben, begannen die Worte der Anderen mehr und mehr an mir abzuprallen. Vielleicht ist es das, was Du mit immun meinst?

          Für mich war das so, dass ich gemerkt habe, dass ich dieses Spiel aus „Verletzt werden“ und „Verletzen“, dass ich dieses ewige Ping/Pong aus Angriff und Gegenangriff nur unterbrechen konnte, in dem ich angefangen habe, erst mich selbst zu lieben.

          Und je mehr ich mich selbst geliebt habe, desto mehr Liebe habe ich auch für die Menschen verspürt, die mich mit ihren Worten und Taten verletzen wollten.

          Und wenn ich liebe schreibe, dann meine ich nicht damit, dass ich ihnen um den Hals gefallen bin. Sondern dass ich zum Beispiel mehr Verständnis für sie hatte. Oder dass ich begonnen habe, mich bei ihnen zu entschuldigen, denn ich konnte plötzlich sehen, dass ich auch einen Teil zu dem Drama beigetragen hatte.

          Das zu erkennen, ist mir anfangs ungeheuer schwer gefallen. Denn durch meine mangelnde Selbstliebe war ich eben sehr kritikempfindlich. Worte konnten mich treffen wie Faustschläge.

          Aber je mehr ich mich selbst lieben konnte, desto leichter konnte ich Kritik annehmen. Wo ich sie vorher als eine Art Gewaltanschlag auf meine Empfindsamkeit wahrgenommen hatte, barg sie jetzt eine Chance für Wachstum. Es war zwar nicht angenehm für mein Ego, einzusehen, dass ich in bestimmten Fällen sehr wohl einen Beitrag zu Konflikten und Streitgesprächen beigetragen hatte – aber es war hilfreich. Dadurch bin ich ins Nachdenken gekommen und habe mein Verhalten geändert. Dabei gab’s in meinem Leben hin und wieder auch mal sehr massive Schübe, die alle damit einhergingen, dass ich mich vorher noch etwas mehr in mich verlieben konnte.

          Zum Beispiel hatte ich in den Neunziger Jahren eine sehr krasse berufliche Krise. Nachdem ich jahrelang einen echt guten Lauf gehabt hatte, ging plötzlich gar nichts mehr. Da Geld wurde knapp, ich glitt in Schulden ab, und es ging mir echt beschissen in der Zeit. Vor allem nervte mich, dass ich überhaupt nicht begriffen habe, warum das so war.

          Und dann eines Tages hatte ich die Erkenntnis, dass ich beruflich überhaupt nicht gemacht habe, was ich liebe. Ich habe damals mein Geld mit Marketing verdient, aber meine große Liebe galt der Psychologie.

          Und da es finanziell eh sch*** war, habe ich dann gedacht, „was soll’s, dann kannst Du jetzt auch genau so gut den „Sicherheitsjob“ sausen lassen und Deiner Liebe folgen“.

          Ein paar Wochen nach der Entscheidung, kamen wieder Aufträge rein und es ging nicht nur beruflich nach vorne, sondern auch privat.

          Deswegen, liebe Sina, bin ich so unglaublich von der Selbstliebe überzeugt.

          Wahre Selbstliebe kann nicht nur unser eigenes Leben zum Blühen bringen, sondern möglicherweise auch das der anderen. Je mehr ich mich selbst liebe, desto mehr kann ich andere lieben. Und je mehr ich andere liebe, desto liebevoller werde auch ich behandelt.

          Ich will nicht behaupten, dass ich darin schon ein Meister bin, aber ich bin so angefixt, dass ich immer wieder mein Bestes versuche, noch mehr in die (Selbst-)Liebe zu kommen. Das gelingt mir echt nicht immer, aber wenn es mir gelingt, dann erlebe ich eins ums andere Mal, dass das Leben auch sehr liebevoll zu mir ist.

          Du siehst, ich bin ein echter Selbstliebe-Nerd. 😉

          Puh, jetzt habe ich soviel geschrieben.

          Sorry.

          Und danke: Du hast mich gut inspiriert, Sina.

          Und nun Du: Was denkst Du darüber?

          Siehst Du das ebenso? Oder hast Du eine andere Meinung?

          Ich freu mich auf Deine Antwort.

          ; )

          Martin

          Antworten
  3. Hi Martin,

    jetzt bist Du auf dem Punkt. Denn genau diese „Erleuchtung“, dass das Problem darin besteht, dass man den anderen glaubt, dass man nicht gut genug und sie besser seien als man selbst, beschrieb ich ja.

    Auch darin, dass die Ursprünge wohl zumeist in der Kindheit zu suchen sind, stimme ich mit Dir überein. Es ist m.E. allerdings nicht damit getan, einfach zu sagen, dass die anderen „Lügen“ erzählen und sich selbst als liebenswert/genügend zu bezeichnen und zu behandeln. Denn damit – so hat mir meine Therapeutin erklärt – stellt man dem negativen Glauben lediglich gegenteilige Behauptungen gegenüber. Ob diese für einen selbst glaubhafter sind als der negative Glaube, der sich auf unbewusster Ebene u.U. über Jahrzehnte festgesetzt hat, steht auf einem anderen Blatt. Man muss schon handfeste Beweise dafür finden, dass man wirklich liebenswerter/genügender ist, als man bisher gedacht hat. Sonst ist das – ich kenne es aus eigener Erfahrung – eher ein zermürbendes Anrennen gegen einen einfach stärkeren und immer wieder durchbrechenden Negativglauben. Was zudem nur solange funktioniert, wie man das Unterdrücken negativer Glaubenssätze durch positive Gegenbehauptungen ständig wiederholt. Was auch von vielen Misserfolgen und Rückfällen begleitet ist. Von daher kann es sogar zu einer Verstärkung des Glaubens des eigenen Nichtgenügens kommen.

    Meine Lieblingsmetapher dazu: Wenn mich bei einem Topf, in dem Wasser kocht, der Dampf stört, dann kann ich zwar versuchen, diesen mit dem Auflegen eines Deckels zu stoppen. Allerdings lässt das den Innendruck weiter steigen…, bis der Dampf den Deckel schließlich anhebt und erneut entweicht. Das Dampfproblem ist erst dann behoben, wenn ich das Feuer unter dem Topf ausmache, also die Ursache des Symptoms beseitige.

    Diese Ursache siehst Du in „mangelnder Selbstliebe“ („Denn durch meine mangelnde Selbstliebe war ich eben sehr kritikempfindlich.“). Ich sehe das anders. Denn wie mir meine Therapeutin erklärt hat, ist fehlende Selbstliebe nicht die Ursache, sondern das Ergebnis von Kritikempfindlichkeit. (Das beruhe darauf, dass man sich bei ständiger Kritik zum Schutz der eigenen Psyche schließlich auf die Seite der Kritiker schlage und beginne, sich in Solidarität mit diesen nun auch selbst niederzumachen. Ich krieg’s theoretisch nicht mehr ganz auf die Reihe. Soll was mit „Entkommen aus kognitiver Dissonanz“ und auch was mit dem sogenannten „Stockholm-Syndrom“ zu tun haben.).

    Deshalb habe ich mit ihrer Hilfe auch nicht an einer Verstärkung meiner Selbstliebe gearbeitet, sondern an der Stärkung meiner emotionalen Kräfte, mich von früheren Verletzungen meines Bedürfnisses nach Liebe und Genügen zu erholen und mich gegen weitere Verletzungen innerlich und äußerlich zur Wehr zu setzen (das meinte ich mit „Immunisieren“). Interessant war auch, dass ich gelernt habe, eigene innere Angriffe auf mein Selbstwertgefühl frühzeitig zu erkennen und zu unterbrechen. Auf diese Weise ist meine Selbstliebe von ganz allein gewachsen. Ohne dass ich dafür auch nur eine einzige Übung oder Selbstsuggestion gebraucht hätte.

    Sina

    Antworten
    • Hi Sina

      bevor ich Dir antworte, möchte ich sicher gehen, dass ich Dich wirklich verstanden habe.

      Du schreibst „Deshalb habe ich … auch nicht an einer Verstärkung meiner Selbstliebe gearbeitet, sondern … mich gegen weitere Verletzungen innerlich und äußerlich zur Wehr zu setzen (das meinte ich mit „Immunisieren“). Interessant war auch, dass ich gelernt habe, eigene innere Angriffe auf mein Selbstwertgefühl frühzeitig zu erkennen und zu unterbrechen. Auf diese Weise ist meine Selbstliebe von ganz allein gewachsen. Ohne dass ich dafür auch nur eine einzige Übung oder Selbstsuggestion gebraucht hätte.“

      Bist Du der Meinung ist, dass es im Umgang mit Verletzungen ein guter Weg ist, gegen sich und andere zu kämpfen?

      Und dass die Selbstliebe quasi ein Folgewirkung dieses Kampfes gegen sich und andere sei?

      Danke vorab für Deine Antwort!

      ; )

      Martin

      Antworten
  4. Hi Martin,

    Du deutest meinen Ausdruck „zur Wehr setzen“ willkürlich um in ein „gegen sich und andere kämpfen“. Das ist nicht Dein Ernst, oder? Du weißt selbst, wie absurd Deine Umdeutung ist.

    Und dass Du auf dieser aufsetzend auch noch so tust, als könne aus meinen Worten gelesen werden, dass ich der Meinung sei, dass Selbstliebe die Folge von Kämpfen sei, ist schlicht unfair.

    Möchtest Du mit mir eine ernsthafte Diskussion führen oder gehörst Du etwa auch zu den Narzissten, die sich getrieben fühlen, andere mit fiesen rhetorischen Tricks unterzubügeln?

    Sina

    Antworten
    • Hallo Sina

      ja, ich bin an einem ehrlichen Austausch interessiert.

      Ich war mir nicht sicher, ob Du Deine Aussage „mich gegen weitere Verletzungen innerlich und äußerlich zur Wehr zu setzen“ als einen Kampf gegen Dich und andere genmeint hast.

      Ich wollte sicher gehen, dass ich hier nichts falsch interpretiere, und genau deswegen habe ich ja nachgefragt.

      Ich bin offen zu erfahren, was Du mit „zur Wehr setzen“ genau meinst. Wie „unterbrichst“ Du die „eigenen innere Angriffe auf mein Selbstwertgefühl“?

      Martin

      Antworten
  5. Hi Martin,

    ok, aber bitte nicht nochmal wiederholen.

    Meine Therapeutin hat mir diverse Techniken der sogenannten „Musterunterbrechung“ gezeigt. Die sollten Dir geläufig sein.

    Sina

    Antworten
    • Danke!

      Bevor ich rate: Kannst Du mir 1 Beispiel nennen?

      Antworten
      • Willst Du mich auf den Arm nehmen?

        Antworten
        • Auf gar keinen Fall.

          Ich möchte nur sicher gehen, dass ich verstehe, was Du damit meinst.

          Antworten
  6. Martin,

    Du weißt genau, was alles unter „Musterunterbrechung“ zu verstehen ist. Es geht nicht um meine persönliche „Meinung“, sondern um psychotherapeutische Interventionen, die hinlänglich genau beschrieben sind.

    Ich empfinde Deine Begründung nicht als ehrlich. Was Du versuchst, ist, von mir irgendeinen Aufhänger zu bekommen, an dem Du meine Auffassung kritisieren und Deine durchsetzen kannst. An solchen „Spielchen“ habe ich kein Interesse.

    Ich habe Dir oben erklärt, dass Du m.E. Ursache und Wirkung verwechselst und ich mit einem anderen Ansatz wesentlich besser klargekommen bin. Warum soll ich das in irgendeiner Weise rechtfertigen?

    Sina

    Antworten
    • Liebe Sina

      es gibt nichts zu rechtfertigen,

      Denn bei Heilungsprozessen alle Art geht’s nicht darum, wer recht hat, sondern was funktioniert, finde ich.

      Wenn Dir das mit den Musterunterbrechungen geholfen hat, dann war und ist das richtig so. Und niemand hat das recht, das in Frage zu stellen.

      Für mich sind Heilungsprozesse wie Gewürze, die etwas ausgleichen bzw, anreichern, was fehlt.

      Manchmal braucht es eine Prise Salz. Manchmal braucht’s eine Prise Zucker, weil es zu salzig ist,

      Was bei dem einen goldrichtig ist, kann beim anderen grundverkehrt sein.

      Möglicherweise war es für Dich genau richtig, Deine Ich-Grenzen zu stärken, und deswegen waren die Interventionen Deiner Therapeutin stimmig und gut für Dich.

      Andere Menschen sind so sehr in den Mauern des Ich gefangen, dass sie es brauchen, sich für mehr Mitgefühl und ein „Wir“ zu öffnen.

      Deswegen gibt es in meinen Augen auch nicht DAS Patentrezept, das für alle gilt.

      Und jede Diskussion, wer recht hat, wer falsch liegt, ist meines Erachtens müßig.

      Viel wichtiger finde ich, immer die Augen offen zu halten und zu entdecken, was funktioniert.

      Und ich merke Tag für Tag immer wieder, dass es immer noch was Neues zu entdecken gibt.

      ; )

      Martin

      Antworten
  7. Lieber Martin,

    ich bin ebenso weit weg davon, „Patentrezepte“ gutzuheißen wie Du. Allerdings gibt es in Heilungsprozessen laut meiner Therapeutin gewisse Grundprinzipien und Wirkfaktoren, um deren Beachtung man nicht herumkommt.

    Dazu gehört für mich, metaphorisch gesprochen, dass man nicht versucht, einen Fluss, der durch Schmutzeinträge verunreinigt wird, allein dadurch zu säubern, dass man zusätzliches Klarwasser hineinleitet, sondern insbesondere dadurch, dass man zuerst einmal die Schmutzzufuhr eindämmt, z.B. durch Filter.

    Genauso bin ich in meiner Therapie vorgegangen. Zuerst habe ich dafür gesorgt, dass mein innerer Fluss von mir selbst und anderen weniger Schmutz abbekam – wie gesagt durch Unterbrechung selbstwertschädlicher Gefühls-, Denk- und Verhaltensmuster. Im Wege der Selbstreinigung wurde das Wasser meines Flusses damit automatisch klarer.
    Ich bin mehr für mich selbst eingetreten und habe mir damit auch immer mehr Achtung und Selbstliebe entgegen gebracht.

    Wäre ich umgekehrt vorgegangen und hätte ich versucht, einfach nur mehr Selbstliebe aufzubauen (= mehr Klarwasser einzubringen), wäre das durch die ungebremste Schmutzzufuhr postwendend wieder verunreinigt worden.

    Genauso war ist nämlich in der Vergangenheit. Mir haben noch so viele Selbstliebeübungen nichts gebracht, weil deren Wirkung von der weiterhin stattfindenden Schmutzzufuhr immer wieder aufgehoben wurde. Erst nachdem ich innere und äußere Schmutzfilter eingebaut hatte, hat sich alles geändert. Um Selbstliebe muss ich mich überhaupt nicht mehr bemühen. Sie ist einfach da.

    Sina

    Antworten
    • Hi Sina

      ich freu mich für Dich, dass Du einen Weg gefunden hast, der für Dich stimmig ist.

      Mein Vorgehen ist in der Tat vollkommen anders. Das, was Du als „Schmutz“ bezeichnest, sehe ich als eine große Chance, in einen inneren Frieden zu kommen.

      Statt die kritischen Stimmen im Inneren und Äußeren zu bekämpfen, nehme ich sie an.

      Das wirkt gerade bei inneren Kritikern wunderbar.

      Denn alles, wogegen wir uns wehren, kehrt oft (aber nicht immer) deswegen nur noch um so hartnäckiger zu uns zurück.

      In dem wir annehmen, was wir vorher abgelehnt haben, kann sich der Widerstand in eine Kraft verwandeln, die uns unterstützt.

      Auf der Seite zum Thema „Good Vibes“ gibt es Coachingprozesse mit Live-Demos, wo Leute, die zum Teil seit Jahren oder Jahrzehnten mit sich gehadert haben, binnen manchmal verblüffend kurzer Zeit eine Art inneren Frieden finden.

      Das Ganze fußt im übrigen auf wissenschaftlich anerkannten Methoden wie zum Beispiel IFS (Internal Family System), Ego-State Therapie und auf weiteren Ansätzen der Trauma-Arbeit.

      Aber auch bei Beziehungen ist dieser Ansatz im Einsatz. Dazu zählt zum Beispiel die Arbeit von Sue Johnson, die in ihren Büchern zahlreiche wissenschaftliche Quellen und Studien vorlegt.

      Johnson hat eine sehr erfolgreiche Paartherapie entwickelt, die darauf fußt, die Ängste aber auch die tieferen Bedürfnisse hinter den Angriffen zu erkunden und gemeinsame Wege zu finden, friedlich miteinander zu leben.

      Ich bevorzuge eindeutig diesen Weg, aber ich habe vollstes Verstädnis dafür, dass Du eine andere Vorgehensweise befürwortest.

      Es führen ja bekanntlich viele Wege nach Rom.

      ; )

      Martin

      Antworten
  8. Martin,

    Du unterstellst mir schon wieder völlig falsch, dass ich das, was mir nicht guttut, „bekämpfen“ würde. Nochmals: ich bekämpfe nicht, ich schütze mich! Das ist ein himmelweiter Unterschied.

    Um es mal auf der körperlichen Ebene darzustellen: Wenn vor Dir plötzlich ein Angreifer auftaucht, der Dich verletzen will und dem Du nicht davonlaufen kannst, was machst Du? Stellst Du Dich hin und „liebst“ ihn kräftig dafür, in der Hoffnung, dass Dich das schützt? Oder versuchst Du, Dich vor seinem Angriff durch Ausweichen oder einen Abwehrblock zu schützen?

    Egal, ob es ein Angriff aus dem Außen oder Innen ist. Ich habe gelernt, mich auf jeden Fall davor auch zu schützen. Das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass ich den anderen oder mich deswegen nicht annehmen würde. Du wirfst hier zwei Dinge gänzlich undifferenziert in einen Topf.

    Wenn ich ein altes Muster des Selbstniedermachens unterbreche, dann geschieht das gerade aus Liebe zu mir selbst und gleichzeitig auch in volllem Verständnis und Annehmen des anderen Teils in mir.

    Du hast doch Kinder und kennst bestimmt Trotzphasenausraster, bei denen das Kind versucht, Dich zu beißen oder zu schlagen. Was machst Du? Lässt Du Dein Kind gewähren und Dich verletzen, wie es will oder schützt Du Dich, indem Du ausweichst oder es festhältst? Selbstverständlich wirst Du Dich schützen. Und das mit Gewissheit auch nicht als Kämpfen bezeichnen. Auch wirst Du Dein Kind wegen seines Verhaltens nicht einen Deut weniger lieben oder annehmen. Und schon gar nicht mit ihm hadern.

    Deswegen ist das, was Du mir unterstellst – mit Verlaub – kompletter Unsinn. Da kannst Du noch so viele Bücher anführen, die angeblich das, was Du sagst, beweisen sollen.

    Sina

    Antworten
    • Hi Sina

      manchmal verstehen wir unter bestimmten Worten was ganz unterschiedliches.

      Für mich sind Begriffe wie „bekämpfen“, „unterbrechen“ oder „schützen“ oder „zur Wehr setzen“ einigermaßen synonym.

      Für Dich nicht.

      Wer hat nun recht?

      Beide.

      Es ist alles nur eine Sache der Interpretation.

      Und wie gesagt: Ich finde es in bestimmten Situationen sehr sinnvoll und wichtig, Grenzen zu ziehen. In anderen dagegen nicht.

      Dass wir beide doch sehr unterschiedlich ticken und denken, finde ich absolut ok.

      Es lebe der Pluralismus!

      Liebe Grüße

      ; )

      Martin

      Antworten
  9. Oh nein, Martin,

    so leicht ziehst Du Dich nicht aus der Affaire!

    Für Dich „sind Begriffe wie ‚bekämpfen‘, ‚unterbrechen‘ oder ’schützen‘ oder ‚zur Wehr setzen‘ einigermaßen synonym“? Das sind sie nach sämtlichen sprachwissenschaftlichen Kriterien gerade nicht. Und unter psychologischen Gesichtspunkten schon gar nicht. Wenn Du mangels Bereitschaft zu differenzieren oder weil es Dir zweckmäßig erscheint, diese Begriffe einfach in einen Topf haust, dann ist das willkürlich und hat mit seriöser Psychologie nichts mehr zu tun.

    Ebenso machst Du aus der Frage der sprachlichen Differenzierung eine Frage des Rechthabens. Das ist eine ebenso willkürliche Verdrehung. Deshalb haben auch nicht „wir beide“ recht, und es ist auch nicht „alles nur eine Frage der Interpretation“, sondern es steht einzig zur Debatte, dass Du unzureichend differenzierst.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass Du mit gedankenlosen Esoterikern in einen Topf geworfen werden möchtest, für die solche Begriffsvermischungen typisch sind, sondern wissenschaftlich ernst genommen werden möchtest. Bitte bleibt deshalb auch entsprechend differenziert.

    Ich hoffe, Dir gelingt das. Denn ich bekomme inzwischen zunehmend Stirnrunzeln bei Deiner Art der Argumentation, die für meine Begriffe nicht auf einen ernsthaften Diskurs, sondern auf „auf jeden Fall gewinnen“ und „nicht schlecht aussehen“ ausgelegt ist.

    Sina

    Antworten
  10. Hi Sina

    das geschriebene Wort kann schnell falsch verstanden werden.

    Deswegen schlage ich vor, diese Diskussion hier zu beenden und einfach mal persönlich miteinander zu sprechen.

    Du findest meine Mail-Adresse im Impressum.

    Liebe Grüße

    Martin

    Antworten
    • Hallo Martin,

      ich finde es schon sehr schade, dass Du bisher auf keines meiner Argumente eingegangen bist (wie z.B. auf das Beispiel mit Deinen Kindern), sondern mir lediglich falsch unterstellst, dass mein Selbstschutz ein „Kämpfen gegen mich und andere“ sei. Das ist für mich nicht nachvollziehbar.

      Ebenso irritiert mich, dass Du mit der Begründung „das geschriebene Wort kann schnell falsch verstanden werden“ die Diskussion lieber auf den E-Mail-Weg verlegen möchtest. Denn auch dort würden wir doch mittels „geschriebener Worte“ miteinander reden? Und welches „falsch verstehen“ siehst oder befürchtest Du?

      Sina

      Antworten
      • Hi Sina

        das ist wieder ein gutes Beispiel, wie schnell etwas missverstanden werden kann.

        Mein Vorschlag lautet/e, dass wir miteinander „sprechen“, also am besten telefonieren.

        Das finde ich besser, als aktuell zu schreiben. Wir können gerne danach hier weiter schreiben. Aber erstmal finde ich besser, wenn wir miteinander sprechen.

        ; )

        Martin

        Antworten
  11. Hi Martin,

    hättest Du gleich das Wort „telefonieren“ benutzt, statt auf Deine E-Mail-Adresse hinzuweisen, hätte ich Dich sofort so verstanden, wie Du verstanden werden wolltest. Das Missverständnis liegt nicht auf meiner Seite. Du selbst hast für mein Verständnis gesorgt.

    Will ich mit Dir telefonieren? Nein. Zumindest aktuell nicht. Zum einen, weil ich nicht erkennen kann, welchen Mehrwert uns das bringen würde. Die Gefahr von Missverständnissen vermindert sich in der verbalen Kommunikation sicher nicht, sondern erhöht sich eher noch aufgrund des Tempos des Austausches.

    Im Gegensatz dazu sorgt ein schriftlicher Austausch m.E. für deutlich mehr Qualität in der Kommunikation, weil man dabei einfach besser nachdenkt und nicht einfach aus dem Bauch heraus argumentiert.

    Abgesehen davon bist Du in der schnellen verbalen Kommunikation viel geübter als ich, sodass ich mich auf dem schriftlichen Terrain Dir einfach ebenbürtiger fühle. Kannst Du das annehmen?

    Sina

    Antworten
    • Ich hätte mich gefreut, wenn wir uns mal gesprochen hätten. Aber es ist auch ok, wenn wir das jetzt nicht machen.

      Dann: Mir geht es hier echt nicht darum, der „Stärkere“ zu sein oder „gut da zu stehen“. Ich finde sowas langweilig und es bringt auch nichts Gutes hervor, finde ich.

      Zu Deinem Einwand zum Wort „Kämpfen“: Das ziehe ich hiermit zurück.

      Vielleicht können wir uns auf das Wort „Widerstand“ einigen. Denn einem Kind, das beißt, leistet man ja zumindest Widerstand.

      Als kurze Zwischenlösung ist Widerstand wichtig und vollkommen ok. Auch was eigene Gefühle angeht.

      Allerdings kann ein längerer Widerstand gegenüber kritischen Stimmen oder schmerzlichen Gefühlen leider dafür sorgen, dass aus einem temporären Schmerz ein chronisches Leid erzeugt wird. Dazu habe ich einiges in dem Kapitel „Good Vibes“ geschrieben.

      Ich möchte an dieser Stelle auch auf die Arbeit von Margaret Paul verweisen, die betont, dass langfristiger Widerstand gegenüber Schmerzlichem zu Angstzuständen, Depressionen und Suchtverhalten führen kann.

      Apropos Buchtipps: Bitte setze Dich damit ernsthaft auseinander. Die Thesen, die ich aufstelle, sind keineswegs neu, sondern fußen wirklich auf zahlreichen wissenschaftlichen Studien.

      Hör Dir auch die Mitschnitte von „Good Vibes“ an. Das sind klare Belege, dass der Ansatz, den ich verfolge, wirklich funktioniert.

      Ich bin nun einige Tage mit meinen Kids in Berlin und werde mal so richtig chillen.

      Nächste Woche bin ich wieder da und gehe dann gerne auf Deinen nächsten Beitrag ein.

      Antworten
  12. Hallo Martin,

    ich freue mich, dass Du wieder mehr auf Annäherung setzt. Das lässt mich auch wieder „zutraulicher“ werden.

    Als Du mein Selbstschutzbemühen in ein dysfunktionales „Kämpfen“ umdeutetest, hätte ich das vor meiner Therapie wahrscheinlich hingenommen und mich klein, unbedarft, kritikwürdig, im Unrecht und Dir als Experten unterlegen gefühlt. Seit der Therapie lösen jedoch solche Situationen keine Selbstabwertung mehr bei mir aus, sondern sind für mich zu einem Signal geworden, mich an meine Verantwortung und auch Stärke zu erinnern, für mich selbst einzutreten.

    Meine Therapeutin hat mir das damit erklärt, dass ich durch sogenanntes „Inhibitionslernen“ und „Gedächtnisrekonsolidierung“ ein „Neuroprogramm“ ausgebildet habe, das das frühere Muster in dem Sinne „hemme“ oder „unterbreche“, dass es dies daran hindere, sich in alter unzuträglicher Intensität aufzuladen und gleichzeitig dafür sorge, dass ich entsprechend mehr Selbstfürsorglichkeit empfinde und zeige.

    Vor diesem Hintergrund habe ich mich gegen Deine unzutreffende Umdeutung in „Kämpfen“ gewehrt. Warum soll ich es nun „Widerstand“ nennen? Ich finde „sich wehren“ oder „sich schützen“ immer noch passender.

    Fortsetzung folgt in den nächsten Tagen. Bin gerade in Eile.

    Lasst es Euch in Berlin gutgehen! Schönen Urlaub!

    Sina

    Antworten
  13. Hallo Martin,

    hier nun doch schon die Fortsetzung meines letzten Posts.

    Du schreibst, dass ein kurzzeitiger Widerstand (wohl zur Verhinderung von Schlimmerem) kein Problem sei, wohl aber ein länger dauernder (vermutlich im Sinne eines „Nachtragens“ und „Haderns“). Sodass langfristig ein „Annehmen“ (worunter Du auch wohl ein „Verzeihen“ verstehst) zuträglicher sei.

    Ich bemühe mal wieder meine Therapeutin. Sie ist der gleichen Ansicht wie Du, dass ein längeres Belastetsein (mit was auch immer) als chronischer Stress psychisch und physisch gesundheitsschädlich ist. Wobei dies auch schon für eine kurzfristige Überlastung in der Stärke einer Traumatisierung gelte. Gänzlicher Unsinn und eher zusätzlich gesundheitsschädlich sei jedoch die Praxis spiritueller Kreise, autonome psychische Abwehrreaktionen als einen „Widerstand“ hinzustellen, den man „einfach so“ abwählen und durch ein willentliches „Annehmen“ ersetzen könne. Konkret Bezug genommen hat sie dabei u.a. auf ein Zitat des Dalai Lama, das sich auch bei Dir findet: „„Schmerz ist unvermeidlich, Leiden ist eine Entscheidung.“ Derlei Behauptung impliziere eine Macht des Bewusstseins über das Unbewusste, welche nach allen modernen Forschungsergebnissen kompletter Nonsens sei und zu Versagens- und Ohnmachtserfahrungen führe, die das Problem eher verschlimmerten als verbesserten.

    Ich kann das unmittelbar nachvollziehen, weil ich vor der Therapie ebenfalls jahrelang versucht habe, mich im Gefolge diverser spiritueller Schulen für ein Mehr an „Annehmen“, „Akzeptieren“ und „Lieben“ zu „entscheiden“. Das Ergebnis: es ging mir immer schlechter. Denn ich erlebte ständig, dass es unglaublich mühevoll bis unmöglich ist, unbewusste Vorgänge des Nichtannehmens mit meinem bewussten Verstand in ein Annehmen zu verwandeln. Insgesamt hat mich dies Bemühen um ein Vielfaches mehr belastet als entlastet. Hätte ich die Therapie nicht gehabt und gelernt, dass das Wichtigste ist, das Unbewusste nicht willentlich zu etwas (und sei es auch Selbstliebe) „vergewaltigen“ zu wollen, weiß ich nicht, ob ich diese Zeilen heute noch hätte schreiben können.

    Ich habe auch ein Problem damit, dass Du aus dem Konzept des Selbstmitgefühls (self compassion) eine Anleitung machst, wie man sich angeblich „in sich selbst verlieben“ könne. Denn gerade die Selbstverliebtheit (Narzissmus) ist doch die Wurzel vieler Übel.

    Meine Therapeutin sagte zudem, dass zunehmende Selbstverliebtheit Menschen auch zunehmend verletzlicher und kritikempfindlicher mache. Denn die Diskrepanz zwischen dem geliebten Selbstbild und der ungeliebten Kritik werde als immer größer wahrgenommen. Fatalerweise werde dann auch noch versucht, die wachsende Empfindlichkeit durch noch mehr Selbstliebe zu „heilen“, was zu noch mehr Verletzbarkeit führe u.s.w.. Es entstehe eine Negativspirale, an deren Anfang man sich die wachsende Empfindlichkeit noch als „Fortschritt auf dem Weg zur spirituellen Hochsensibilität“ schönrede, an deren Ende jedoch überhäufig schwere Sinn- und Lebenskrisen stünden.

    Fälschlich gehst Du auch davon aus, dass meine Auffassung daher rühre, weil ich mich mit dem Thema „Selbstliebe“ und den von Dir empfohlenen Büchern noch nicht genügend auseinandergesetzt habe. Das Gegenteil ist der Fall. Ich kenne alle von Dir empfohlenen Bücher und Konzepte (einschließich der auf der „Emotion Focused Therapy“ von Leslie Greenberg et. alt. basierten Paartherapie von Sue Johnson und des „Inner Bonding“ von Paul/Chopich sowie Egostate-Therapie u.a.). Und zwar nicht nur oberflächlich. Auch habe ich mich ausgiebig mit nahezu allen Beiträgen auf Deinem Blog befasst. Wenn ich Kritik äußere, kommt diese deshalb nicht von ungefähr, sondern ist wohldurchdacht.

    Was auch die Tatsache betrifft, dass Du Dich auf Konzepte beziehst, die teils älter als 20 Jahre sind und die Psychotherapieforschung und Neurobiologie seither eine Vielzahl bedeutender neuer Erkenntnisse hervorgebracht hat, die beweisen, dass nicht (Selbst-)Liebe der Wirkfaktor ist, auf dem Verbesserungen im Fühlen, Denken und Verhalten wirklich beruhen, sondern ein Prozess, der als „Gedächtnisrekonsolidierung“, „Inhibitionslernen“ und „Bifokal-multisensorische Interventionsstrategien“ beschrieben wird. Hier erlaube ich mir, Dir selbst einmal u.a. folgende Bücher nahezulegen:
    1. Michael Bohne et al., Reden reicht nicht!?: Bifokal-multisensorische Interventionsstrategien für Therapie und Beratung, Carl-Auer 2019
    2. Thomas Hensel, Stressorbasierte Psychotherapie, Kohlhammer 2017
    3. Bruce Ecker et al., Der Schlüssel zum emotionalen Gehirn: Mit Gedächtnisrekonsolidierung die Ursachen von Symptomen beseitigen, Junfermann 2018

    Zudem hat mir meine Therapeutin den Zugang zu bisher unveröffentlichten Forschungsergebnissen ermöglicht, die faszinierend aufzeigen, dass alle psychologischen und spirituellen Methoden und Ansätze letztlich auf einem gemeinsamen Wirkprinzip beruhen, in dem das Thema Liebe/Selbstliebe nur eine Teilrolle spielt.

    Ups, ich merke gerade, wieviel ich schon geschrieben habe. Soll für heute reichen.

    Weiter schönen Urlaub!

    Sina

    Antworten
    • Danke für Deine Ausführungen, zu denen ich nächste Woche gerne ausführlicher antworte.

      Aber eines macht mich doch sehr neugierig: .Was ist das denn für ein „Wirkprinzip“?

      Auch wenn ich keine Zeit zum Antworten habe, freue ich mich, wenn Du das näher erläutern könntest.

      Antworten
      • Du schreibst:

        Ich kann das unmittelbar nachvollziehen, weil ich vor der Therapie ebenfalls jahrelang versucht habe, mich im Gefolge diverser spiritueller Schulen für ein Mehr an „Annehmen“, „Akzeptieren“ und „Lieben“ zu „entscheiden“.

        Dem stimme ich zu. Das funktioniert nicht.

        Es geht hier nicht um ein intellektuelles „Annehmen“, sondern um ein emotionales.

        Echte Liebe ist kein Verstandesprozess sondern (unter anderem!) ein Zustand echter Hingabe.

        „Hätte ich die Therapie nicht gehabt und gelernt, dass das Wichtigste ist, das Unbewusste nicht willentlich zu etwas (und sei es auch Selbstliebe) „vergewaltigen“ zu wollen, weiß ich nicht, ob ich diese Zeilen heute noch hätte schreiben können.“

        Das ist genau meine Rede. Schluss mit der Gewalt. Her mit dem liebevollen Annehmen.

        Ich habe auch ein Problem damit, dass Du aus dem Konzept des Selbstmitgefühls (self compassion) eine Anleitung machst, wie man sich angeblich „in sich selbst verlieben“ könne. Denn gerade die Selbstverliebtheit (Narzissmus) ist doch die Wurzel vieler Übel.

        Für mich ist Liebe die tiefste Kraft des Lebens. Alles Leben kann nur durch Miteinander, durch Verbindung, durch Wir entstehen. Du bist nur in der Lage, diese Worte zu lesen, weil gerade Milliarden von Nervenzellen kooperieren. Alles Leben, jeder Baum, jede Pflanze, jedes Tier kann nur entstehen, wenn die lebendigen Bestandteile sich „lieben“, also miteinander eine Einheit bilden.

        Das gilt nicht nur für die Natur, sondern auch für Unternehmen, die nur erfolgreich sein können, wenn intern alle Mitarbeitenden und Führungskräfte kooperieren und die Firma extern mit Geschäftspartner und vor allem aber mit Kunden ins Zusammenspiel gehen.

        Alles, wirklich absolut alles kann nur durch dieses Miteinander existieren.

        Liebe ist das tiefe Gewahrsein dieses Miteinanders. Wenn wir lieben, begreifen wir auf einer tiefen Ebene jenseits der Worte und des bewussten Denkens diese große „Wir“, wir verspüren eine tiefe Einheit, begleitet von starken Glücksgefühlen.

        Selbstliebe praktizieren wir in meinem Verständnis genau dann, wenn wir etwas in uns annehmen. Zum Beispiel, wenn wir eine Stärke „an-erkennen“. Aber die Liebe darf hier nicht enden. Selbst-Liebe bedeutet für mich auch, dass wir die Gefühle und Seiten in uns annehmen, die wir oder andere nicht so toll finden (Schmerzen, Schattenanteile etc.)

        So gesehen leidet ein Narzisst meines Erachtens unter einem eklatanten Mangel von Selbst-Liebe.

        Narzissmus entsteht entweder aus einem Mangel an Liebe von den Eltern und anderen wichtigen Bezugspersonen. Oder durch eine besonders starke Überhöhung durch Komplimente von den Eltern („Du bist der Beste“).

        In beiden Fällen lernt ein Narzisst nicht, sich so zu lieben, wie er ist, und muss sich diesen Mangel durch Äußeres ersetzen: Erfolg, Geld, Verehrung von Anderen, und wenn die nicht kommt, dann durch Herabsetzung des Anderen sowie andere manipulative Taktiken.

        Das hat mit Liebe, so wie ich sie verstehe, rein gar nichts zu tun.

        „Meine Therapeutin sagte zudem, dass zunehmende Selbstverliebtheit Menschen auch zunehmend verletzlicher und kritikempfindlicher mache. Denn die Diskrepanz zwischen dem geliebten Selbstbild und der ungeliebten Kritik werde als immer größer wahrgenommen. Fatalerweise werde dann auch noch versucht, die wachsende Empfindlichkeit durch noch mehr Selbstliebe zu „heilen“, was zu noch mehr Verletzbarkeit führe u.s.w.. Es entstehe eine Negativspirale, an deren Anfang man sich die wachsende Empfindlichkeit noch als „Fortschritt auf dem Weg zur spirituellen Hochsensibilität“ schönrede, an deren Ende jedoch überhäufig schwere Sinn- und Lebenskrisen stünden.“

        Echte Selbst-Liebe, wie ich sie definiere, löst die Sinn- und Lebenskrisen auf, weil wir beginnen, uns so anzunehmen, wie wir wirklich sind. Wir nehmen unsere „hässlichen“ Ego-Seiten (Wut, Eifersucht, Neid, Gier etc.) ebenso an wie all das Noble und Erhabene (Dankbarkeit, Anmut, Liebe, Leidenschaft, Demut etc.)

        Mehr dazu weiter unten.

        ; )

        Martin

        Antworten
        • Du schreibst: „Es geht hier nicht um ein intellektuelles „Annehmen“, sondern um ein emotionales. Echte Liebe ist kein Verstandesprozess sondern (unter anderem!) ein Zustand echter Hingabe.“

          Das ist mir offen gesagt viel zu schwammig und wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet. Denn WIE genau geht dieses „emotionale Annehmen“? Bitte beschreib doch mal konkret, wie Du das für Dich erzeugst.

          Ebenso esoterisch ist für mich Deine Aussage: „Liebe ist das tiefe Gewahrsein dieses Miteinanders. Wenn wir lieben, begreifen wir auf einer tiefen Ebene jenseits der Worte und des bewussten Denkens diese große „Wir“, wir verspüren eine tiefe Einheit, begleitet von starken Glücksgefühlen.“ Zudem ist sie unschlüssig. Denn dies würde besagen, dass jemand, der keine „tiefe Einheit, begleitet von starken Glücksgefühlen“ verspürt, überhaupt nicht liebt.

          Auch benutzt Du das Wort „Liebe“ so undifferenziert und bedeutungsvermischt mit anderen Begriffen („in sich selbst verliebt“, „Einheit“, „annehmen“ u.v.a.), dass Deine Argumentation nicht klar, sondern total neblig rüberkommt.

          Auch dies ist total schwammig: „Echte Selbst-Liebe, wie ich sie definiere, löst die Sinn- und Lebenskrisen auf, weil wir beginnen, uns so anzunehmen, wie wir wirklich sind.“ WIE GENAU beginnt man sich anzunehmen?

          Antworten
          • Hi Sina

            Du schreibst: „WIE genau geht dieses „emotionale Annehmen“? Bitte beschreib doch mal konkret, wie Du das für Dich erzeugst.“

            https://bigshift.live/goodvibes/#flower

            Das ist ein konkretes Beispiel, wie es geht.

            ; )

            Martin

          • Zum Thema „Liebe“.

            Ich verstehe Deine Aussage „das ist zu esoterisch“ nicht.

            Soll das eine Geringschätzung sein? So nach dem Motto: Das ist mir wissenschaftlich oder intellektuell nicht differenziert genug?

            Das ist mir schon letztens bei Dir aufgefallen, und ich mag das nicht. Das ist mir zu hochnäsig und zeugt darüber hinaus genau von dem undifferenzierten Klischee-Denken, das Du mir so oft andichtest.

            Ich habe nichts gegen „esoterisch“. Denn nicht alles lässt sich mit Worten oder dem Intellekt begreifen.

            Und „Liebe“ ist definitiv etwas, das sich dem Verstandesdenken entzieht.

            Es ist auch in meinen Augen keineswegs unlogisch, dass jemand, der “ keine „tiefe Einheit, begleitet von starken Glücksgefühlen“ verspürt, überhaupt nicht liebt.“

            Genau so ist es. Wer diese tiefe Einheit nicht spürt, ist nicht in der Liebe.

            Wobei die Frage lautet, wie weit man diese Einheit fasst. Eine Mutter, die sich mit ihrem Baby verbunden fühlt, während sie es schuckelt, ist in einem tiefen, glücksgefühligen Zustand der Liebe. Das bedeutet nicht, dass sie alle Menschen liebt. Und es bedeutet auch nicht, dass sie die ganze Zeit in einem Zustand der Liebe ist. Vielleicht ist sie eine Stunde später genervt, dass das Kind wieder aufgewacht ist und schreit.

            Kurz: Auch ein kurzes Gefühl der Liebe ist Liebe.

            Und ich hoffe und wünsche Dir sehr, dass Du eine solche Erfahrung schon mal gemacht hast. Vielleicht mit Deinem Partner? Einer guten Freundin? Vielleicht mit einem Kind? Einem Onkel oder Tante? Oder auch einem Haustier?

            ; )

            Martin

    • Hi Sina

      Du schreibst: „Gänzlicher Unsinn und eher zusätzlich gesundheitsschädlich sei jedoch die Praxis spiritueller Kreise, autonome psychische Abwehrreaktionen als einen „Widerstand“ hinzustellen, den man „einfach so“ abwählen und durch ein willentliches „Annehmen“ ersetzen könne. Konkret Bezug genommen hat sie dabei u.a. auf ein Zitat des Dalai Lama, das sich auch bei Dir findet: „„Schmerz ist unvermeidlich, Leiden ist eine Entscheidung.“ Derlei Behauptung impliziere eine Macht des Bewusstseins über das Unbewusste, welche nach allen modernen Forschungsergebnissen kompletter Nonsens sei und zu Versagens- und Ohnmachtserfahrungen führe, die das Problem eher verschlimmerten als verbesserten.“

      Ich glaube, da liegt ein Missverständnis vor.

      Die Aussage vom Dalai Lama bezieht sich nicht auf den Versuch des Bewusstseins, über das Unbewusste Macht zu erlangen.

      Ganz im Gegenteil sogar: „Schmerz“ steht für Empfindungen, die ganz natürlich sind: Ärger, Trauer, Hilfosigkeit etc.

      Wenn wir jedoch anfangen, diese schmerzlichen Gefühle abzuwehren, entsteht daraus auf Dauer ein chronisches Leid.

      Sprich: Die Aussagen zu „Schmerz“ und „Leid“ bestätigen sogar die These Deiner Therapeutin, dass es vergeblich ist, über diese Gefühle Macht ausüben zu wollen.

      ; )

      Martin

      Antworten
      • Hi Martin,

        das Missverständnis liegt nicht auf meiner Seite.

        Die Kritik meiner Therapeutin bezog sich auf die Aussage des Dalai Lama „Leiden ist eine Entscheidung.“

        Die chronische Abwehr schmerzlicher Gefühle, die zu einem Leiden unter diesen führt, ist jedoch sicher nicht das Resultat einer bewussten Entscheidung, sondern ein unbewusster Vorgang, den alle Betroffenen wohl liebend gerne ändern würden – wenn sie nur könnten.

        Können sie mit einer bewussten Entscheidung aber nicht. Versuchen sie es trotzdem, dann ist das der Versuch, mit dem Willen das Unbewusste zu beherrschen. Und das geht garantiert immer schief. Nicht umsonst heißt es in Bezug darauf: „Jede Anstrengung bewirkt das Gegenteil.“

        Sina

        Antworten
        • Hi Sina

          man kann das ändern. Siehe „Good Vibes“ Flower Prozess.
          https://bigshift.live/goodvibes/#flower

          Und das ist jetzt mal keine nette Theorie, sondern echte Praxis, die wirklich funktioniert.

          Ist allerdings Übungssache.

          Meines Erachtens ist sehr wohl eine bewusste Entscheidung vonnöten. Denn nur aus dem klaren „Ja“, sich seinem Schmerz zu stellen, kann eine Veränderung entstehen.

          Glaub’s mir. Ich beschäftige mich mit Psychologie seit fast 40 Jahren, und als Coach bin ich seit über 25 Jahren unterwegs. Das geht.

          Darüber hinaus ist es sehr wohl möglich, unbewusste Prozesse zu verändern. Zum Beispiel durch Trance- und Hypnosearbeit.

          Ich selbst unterhalte mich beim Coaching sehr oft mit unbewussten Anteilen. die im übrigens sehr kooperationsbereit sind. Man kann sie nicht zwingen, etwas zu tun, aber wenn man liebevoll und achtsam mit ihnen umgeht, sind sie offen für Veränderung.

          Und es würde mich schon sehr wundern, wenn Deine Therapeutin ein solches Grundhandwerkszeug nicht beherrscht.

          ; D

          Martin

          Antworten
          • Hi Martin,

            ich habe nicht gesagt, dass sich unbewusste Prozesse nicht ändern ließen. Man kann das nur nicht mit dem Willen, mit Anstrengung und Bemühen erreichen. Und auch nicht mit irgendeiner Technik „machen“.

            Das Einzige, was man tun kann, ist, günstige Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich unsere unbewussten Prozesse im Wege der Selbstorganisation zu einem neuen „Ordnungsmuster“ finden, das mit weniger systemischen Nebenwirkungen behaftet ist. Was letztlich dabei herauskommt, ist nie im Voraus zu sagen.

            Aber Dir ist das Thema „Selbstorganisation“ sicher geläufig. Es würde mich zumindest sehr wundern, wenn Du ein solches Grundhandwerkszeug nicht beherrscht.

            Sina

  14. Hi Martin,

    zu dem Wirkprinzip darf ich Dir ĺeider nichts sagen, weil ich eine Vertraulichkeitserklärung unterschrieben habe, dass ich die Inhalte nur für mich privat und persönlich nutzen und sie nicht an andere weitergeben werde.

    Tut mir leid.

    Sina

    Antworten
    • Sorry. Du kennst das 1 Prinzip, das heilt und willst es nicht teilen? Weil Du eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben hast?

      Ich finde das vollkommen unglaubwürdig.

      Antworten
  15. Was meinst Du mit unglaubwürdig?

    Antworten
    • Ich glaube Dir, dass Du die Ergebnisse der Studien nicht teilen darfst.

      Aber ich glaube Dir nicht, dass Du das Prinzip selbst nicht teilen darfst.

      ; )

      Martin

      Antworten
      • Das Ergebnis der Studien war die Entdeckung des besagten gemeinsamen Wirkprinzips.

        Wenn ich dies Ergebnis nicht teilen darf, dann also auch nicht das Wirkprinzip, weil beides ein und dasselbe ist.

        Manchmal hast Du eine „komische“ Art der Logik.

        Sina

        Antworten
        • Na, da bin ich mal echt gespannt, was denn das für ein tolles Wirkprinzip ist. Mail mir doch mal den Namen Deiner Therapeutin. Vielleicht gibt sie mir ja einen Hinweis…

          Antworten
          • Martin,

            Du wirst Dich damit zufrieden geben müssen, dass Du unveröffentlichte Forschungsergebnisse, die unter Vertraulichkeitsschutz stehen, weder von mir, noch von meiner Therapeutin erhältst.

            Schon gar nicht werde ich Dir auch mitteilen, bei welcher Therapeutin ich war. Diese dürfte Dir wegen ihrer Verschwiegenheitspflicht nicht einmal bestätigen, dass sie mich überhaupt kennt.

            Außerdem: Du glaubst doch sicher nicht im Ernst, dass solche Forschungsergebnisse „einfach so“ weitergegeben werden. Es wird sicher beizeiten entsprechende Weiterbildungen geben. Aber die werden sicher auch einiges an Geld kosten. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass Forscher, die mehr als 20 Jahre an so einem Thema gearbeitet haben, dies aus lauter Nächstenliebe weiterverschenken werden.

          • Das verbuche ich unter dem Motto: Mit Wissen angeben und dann nicht liefern.

  16. Hallo Sina

    habe mir Deine letzten Beiträge nochmal durchgelesen.

    Dabei habe ich mich gefragt, ob wir wirklich über das Gleiche sprechen.

    Von daher möchte ich Dich bitten, mir zu beschreiben, wie Du „innere Angriff“ abwehrst. Wie gehst Du genau vor, wenn Du Dich zur Wehr setzt?

    Danke für Deine Erklärung.

    ; )

    Martin

    Antworten
  17. Hallo Martin,

    schade, dass Du auf meine Rückfrage nicht eingehst.

    Zu Deiner Frage: Wenn ich bemerke, dass ich mit mir in irgendeiner Form unfreundlich umgehe und ein Teil von mir mich z.B. abwertet, dann gehe ich im Grunde genauso vor, wie bei einem Kind, das aus irgendeinem Grunde sauer auf mich ist und mich deshalb beschimpft oder auf sonstige Weise zu verletzen versucht. Ich sage ihm z.B. „Stop! Bevor Du weitermachst … Ich habe Dich gern und würde deshalb auch gern verstehen, was Dich gerade so aufregt. Können wir uns darüber unterhalten?“ Ich versuche, den Teil von mir dann wirklich zu verstehen und herauszufinden, was ihm fehlt und wie ich ihm helfen kann, mit seinem Frust auf eine andere Weise umzugehen, als mich anzugreifen.

    Klappt gut.

    Sina

    Antworten
  18. ich danke euch beiden, dass ihr mich an eurer Sichtweise, wissen teihaben lasst.

    Antworten
  19. Hallo Sina

    zunächst: Ich habe Bruce Eckers Arbeit zur Gedächtnisrekonsolidierung 2015 entdeckt und wichtige Teile seiner Arbeit in die meine übernommen.

    Beim Lesen Deiner Ausführungen ist mir jedoch etwas wichtiges klar geworden. Interessanterweise stimmen wir an vielen Punkten überein, nur an einer Stelle weiche ich mit meiner Meinung ab.

    Du schreibst: „Meine Therapeutin hat mir das damit erklärt, dass ich durch sogenanntes „Inhibitionslernen“ und „Gedächtnisrekonsolidierung“ ein „Neuroprogramm“ ausgebildet habe, das das frühere Muster in dem Sinne „hemme“ oder „unterbreche“, dass es dies daran hindere, sich in alter unzuträglicher Intensität aufzuladen und gleichzeitig dafür sorge, dass ich entsprechend mehr Selbstfürsorglichkeit empfinde und zeige.“

    Worte wie „Hemmen“ oder „Unterbrechen“ finden sich in der Tat im sogenannten „Inhibitionslernen“ wieder, und deswegen kann ich gut verstehen, dass Du und auch Deine Therapeutin sie verwenden. (Siehe auch hier)

    Dennoch werden sie meines Erachtens nicht dem gerecht, was in diesen Prozessen tatsächlich geschieht.

    Damit die anderen hier verstehen, was damit gemeint ist, wage ich mal eine simplifizierte Darstellung: Wenn Menschen eine traumatische Erfahrung erleben, wird sie ins „limbische System“ des Gehirns „eingebrannt“ – und zwar mitsamt den beteiligten Emotionen, Überzeugungen, Werte, Verhaltensmuster und Entscheidungen, die wir damals getroffen haben. Dieses Konglomerat aus Emotionen und Gedanken nennt Ecker eine „emotionale Wahrheit“.

    Dabei wird dieser Teil des Gehirns mit einer Art Schreibschutz versehen, der einerseits dafür sorgt, dass wir die Erfahrung nicht vergessen und es andererseits verunmöglicht, dass die Erfahrung verändert werden kann.

    Bruce Ecker beschreibt in seinem Buch einen Weg, wie man diesen Schreibschutz dennoch aufheben kann. Und zwar gelingt das dann, wenn man sich der Erinnerung emotional stellt.

    Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Denn im Gegensatz zum „Neokortex“ (äußere Schicht des Gehirns), der für Worte empfänglich ist, kann man das „limbische System“ viel leichter über das Fühlen erreichen.

    Und tatsächlich: Sobald wir uns in eine ähnliche Situation begeben und die gleichen Gefühle erleben wie damals, öffnet das Gehirn für kurze Zeit den Schreibschutz und es ist möglich, weitere Inhalte, Werte, Gedanken, Überzeugungen etc. einfließen zu lassen, um die „emotionale Wahrheit“ zu ergänzen.

    Dabei kommt es nicht zu einer „Löschung“ der alten Erfahrung (was auch nicht empfehlenswert wäre), sondern zu einer Bereicherung: Wer als Kind Gewalt erlebt hat und diese Erfahrung auf das gesamte Leben generalisiert hat („Die Welt ist gefährlich“), würde bei einer Gedächtnisrekonsolidierung Erinnerungen und Gedanken und Gefühle hinzufügen, in der er die Welt als sicher, liebevoll und vertrauenswürdig erlebt und erfahren hat.

    Der Klient würde danach immer noch wissen, dass es durchaus gefährliche Situationen gibt – aber eben auch viel Sicheres.

    Kurz: Man kommt zu einer wesentlich differenzierten und deutlich ausgewogeneren Perspektive. (Siehe auch hier.)

    Das gleiche gilt für das Inhibitionslernen. In den Ausführungen von Hans Morschitzky, die Du mir per Link empfohlen hattest (danke dafür!“), findet man die gleiche Ansicht: „Das Konzept der Extinktion bezeichnet also keine Löschung, kein Vergessen, kein Verlernen, sondern ein zusätzliches Lernen (die Angst „verlernen“ widerspricht auch neurobiologischen Erkenntnissen).“

    Zum Begriff der „Extinktion“ findet man bei Wikipedia: „Extinktion (lateinisch exstinguere = auslöschen) nennt man in den behavioristischen Lerntheorien einen Lernprozess, nach dem die bedingte bzw. instrumentelle Reaktion nicht mehr gezeigt wird. Dabei handelt es sich weder um Vergessen, noch um Verlernen, sondern um ein „zusätzliches“ Lernen, das die Wirkung des bedingten Reizes vorübergehend und kontextabhängig außer Kraft setzt.“

    Deswegen ist es meiner Meinung nach sachlich nicht richtig, zu sagen, dass ein altes Muster „gehemmt“ wird. Es wird geöffnet, ergänzt und bereichert. Und das ist in meinen Augen ein himmelweiter Unterschied.

    Morschitzky unterscheidet dabei zwischen Exposition und Extinktion. Bei der Exposition geht es um eine „wiederholte systematische Konfrontation mit internen oder externen Reizen, die gefürchtet, vermieden oder nur mit Angst ausgehalten werden“. Wer Angst vor Spinnen hat, soll sich mit Spinnen konfrontieren.

    Das ist das alte „behavioristische Modell“. Dabei ist das Ziel, das Vermeidungsverhalten, das Menschen bei Ängsten an den Tag legen, zu „unterbrechen“. Statt den Gang in den Keller oder auf den Dachboden zu vermeiden, geht’s darum, gezielt etwas Neues zu wagen.

    Morschitzky: „Entgegen früheren Annahmen wird bei einer Exposition die konditionierte Angstreaktion … nicht gelöscht. Vielmehr wird die ursprüngliche Assoziation zwischen dem unkonditionierten Stimulus (z.B. Aufzug, Supermarkt) und dem reaktionsauslösenden konditionierten Stimulus (Atemnot, Herzklopfen) nur gehemmt durch eine neu erlernte, nicht angstbesetzte Assoziation.“

    Da haben wir das Wort „hemmen“.

    Und hier kommt der Widerspruch bei Morschitzky: „In faszinierender Weise kommt Craske von lernpsychologischen Grundlagen aus (allerdings nach dem Motto „Neulernen statt Löschen von Angst“) zu den Grundkonzepten der „dritten Welle“ der Verhaltenstherapie (Annehmen und Akzeptieren der Angst.)“

    Man könnte also sagen, Sina, dass wir beide recht haben. Ja, es wird beim Inhibitionslernen in der Tat von einer „Hemmung“ gesprochen. Aber tatsächlich erfolgt die Heilung nicht, in dem man sich gegen etwas zur Wehr setzt, sondern es liebevoll annimmt.

    Und genau das tust Du, wenn Du schreibst: „Ich sage ihm z.B. „Stop! Bevor Du weitermachst … Ich habe Dich gern und würde deshalb auch gern verstehen, was Dich gerade so aufregt. Können wir uns darüber unterhalten?“ Ich versuche, den Teil von mir dann wirklich zu verstehen und herauszufinden, was ihm fehlt und wie ich ihm helfen kann, mit seinem Frust auf eine andere Weise umzugehen, als mich anzugreifen.“

    Das ist für mich gelebte und praktizierte Liebe. Du schützt Dich vor einem Übergriff, bist jedoch gleichzeitig achtsam und offen für ein versöhnliches Miteinander.

    ; )

    Martin

    Antworten
    • Hallo Martin,

      Ecker hat 2015 einen Artikel zu einigen „Misconceptions“ der Gedächtnisrekonsolidierung veröffentlicht, die sich auch in Deiner Beschreibung finden. Weil es zu lang werden würde, auf diese einzeln einzugehen, hier der Link zum Artikel von Ecker: https://www.researchgate.net/publication/270279444_Memory_Reconsolidation_Understood_and_Misunderstood

      Weiter schreibst Du, es sei deiner Meinung nach „sachlich nicht richtig, zu sagen, dass ein altes Muster „gehemmt“ wird. Es werde „geöffnet, ergänzt und bereichert“. Und das sei „ein himmelweiter Unterschied.“ Das sehe ich im Gefolge aller mir bekannten wissenschaftlichen Erkenntnisse anders.

      Es sieht zwar im Ergebnis so aus, als sei das Muster „geöffnet, ergänzt und bereichert“, also als solches verändert und in ein neues Muster überführt worden. Tatsächlich liegt aber wohl ein Vorgang vor, der gleichzeitig bzw. kurz nacheinander sowohl eine „Hemmung“ des alten Musters (das nicht vergessen wird), als auch das „Aufrufen“ einer neuen Musters stattfinden lässt – quasi als zwei Seiten ein und derselben Medaille. (Übrigens beruht u.a. das bekannte „Swish-Pattern“ aus dem NLP auf diesem Muster.)

      Dargestellt ist das auch sehr schön in dem Artikel, denn Du mir weiter oben empfohlen hast. Da ging es darum, wie unser Gehirn umlernt, wenn die Kaffeebude, in der wir unseren morgendlichen Cappuccino trinken, plötzlich umgezogen ist. Um dann den neuen Weg zu gehen, ist es nicht nur notwendig, uns zu „hemmen“, den alten Weg (den wir sehr wohl noch erinnern können) weiter zu nutzen, als auch, uns zu „aktivieren“, den neuen Weg einzuschlagen.

      Worin soll auch der von Dir angesprochene „Widerspruch“ in den Ausführungen von Morschitzky liegen? Ich sehe da keinen.

      Einen Widerspruch ehe ich eher in Deinem Satz: „…. tatsächlich erfolgt die Heilung nicht, in dem man sich gegen etwas zur Wehr setzt, sondern es liebevoll annimmt.“ Denn damit gehst Du von einem „entweder, oder“ aus: Entweder „zur Wehr setzen“ (mit der Konsequenz von Nicht-Heilung). Oder „liebevoll annehmen“ (was Du mit Nicht-zur Wehr-setzen gleichsetzt; mit der Konsequenz von Heilung).

      Abgesehen davon, dass die jeweiligen Konsequenzen sich nicht schlüssig aus der Prämisse ergeben, widerlegst Du Dich im Anschluss selbst. Denn mit Deinen Worten „Das ist für mich gelebte und praktizierte Liebe. Du schützt Dich vor einem Übergriff, bist jedoch gleichzeitig achtsam und offen für ein versöhnliches Miteinander.“ zeigst Du, dass liebevoller Umgang mit sich selbst ein sich Wehren nicht ausschließt (wie Du zuvor noch behauptet hast), sondern integriert. Ich kann mich demnach GLEICHZEITIG wehren/schützen und liebevoll sein.

      Darüber hinaus auch noch einmal: Dass ich mich mittlerweile so „liebevoll“ behandeln kann (ich empfinde das Wort „liebevoll“ übrigens offen gestanden als schwülstigen sprituellen Jargon und mag „selbstfreundlich“ viel lieber), ist das ERGEBNIS meiner Therapie, die zuerst meine Kritikempfindlichkeit und Selbstabwertung „gehemmt“ und mir so den Freiraum geschaffen hat, mich auch mit mehr Freundlichkeit und Achtung zu behandeln.

      Sina

      Antworten
      • Zur Ergänzung vielleicht auch noch:

        Das „Hemmen“ geschah in meiner Therapie übrigens genauso, wie ich es oben beschrieben habe: Ich habe mich ZUERST gegen Angriffe aus mir selbst geschützt, indem ich sie z.B. mit einem „Stopp!“ gebremst habe. DANN habe ich umgeschaltet auf ein freundliches Kooperationsangebot. Hat mein innerer Kritiker trotzdem weitergemacht, habe ich das sooft wiederholt, bis er sich auf ein „Verhandlungsgespräch“ eingelassen hat. Inzwischen haben wir so etwas wie eine Art Dauervereinbarung, dass wir nicht miteinander kämpfen, sondern kooperieren. Mit dem Ergebnis, dass ich deutlich mehr inneren Frieden verspüre.

        Antworten
        • Guck. Ist doch schön. Dafür steht ja der Big Shift: Vom Ich zum Wir, vom Gegeneinander zum Miteinander, vom Kampf zur Kooperation, von Angst zu Liebe.

          ; )

          Martin

          Antworten
      • Man kann sehr wohl eine Grenze ziehen und (!) offen bleiben für die Gegenseite. Das lernt man in jedem einigermaßen patenten Verhandlungstraining und ist nichts neues.

        Apropos „Grenzen ziehen“. Die Bezeichnung „schwülstig-spirituell“ ist in meinen Augen eine Form einer Entwertung. Und wie ich weiter oben schrieb, verstehe ich Aussagen wie „das ist zu esoterisch“ nicht.

        Soll das eine Geringschätzung sein? So nach dem Motto: Das ist mir wissenschaftlich oder intellektuell nicht differenziert genug?

        Eine solche Argumentation befindet sich in meinen Augen auf dem Niveau von Vorurteilen wie „Alle Langhaarigen sind Bombenleger“ oder „Die Ausländer liegen uns alle auf der Tasche“.

        Zudem verstehe ich auch nicht, warum Du so sehr auf wissenschaftlichen Studien abhebst.

        Ich finde zwar das wissenschaftliche Denken cool (Jede These muss beweisbar sein und die Beweisführung sollte von anderen wiederholbar sein).

        Aber gerade die Wissenschaft ist doch vollkommen widersprüchlich, wenig belastbar und muss sich permanent selbst erneuern, weil die Thesen von Gestern der Schmarren von heute sind.

        Ecker liefert in seinem Buch doch selbst das beste Beispiel: Wie lange Zeit zum Beispiel Wissenschaftler steif und fest behauptet haben, dass sich einmal eingebrannte „Schemata“ nicht mehr lösen lassen – bis sie aufgrund von neuen Verfahrensweisen entdeckt haben, dass es sehr wohl geht Und zwar fix.

        (Kannst Du übrigens in dem von Dir empfohlenen PDF nachlesen: „The discovery of an erasure process was something of an upheaval, reversing a firmly established conclusion, based on nearly a century of research, that subcortical emotional learnings were indelible for the lifetime of the individual (LeDoux, Romanski, & Xagoraris, 1989; Milner, Squire, & Kan-del, 1998)“

        Das genau ist auch das Dilemma der Wissenschaft: Sie ist nur so gut wie die Messverfahren, derer sie sich bedient.

        Von daher sollte man Wissenschaftliches zwar zur Kenntnis, aber nicht zu 100% ernst nehmen. Alle Wissenschaft befindet sich in einem kontinuierlichen Beta-Zustand und wird deswegen alle Naselang upgedatet, um auf dem neuesten Stand zu bleiben.

        Und was Deine Ansicht angeht, wie Deine Therapie funktioniert hat, kann ich nur sagen: Das ist alles schön und gut für Dich. Aber das bedeutet nicht, dass das für andere auch so funktioniert. Und es bedeutet auch nicht, dass Du allein recht hast und die anderen nicht.

        Es gibt immer ein „sowohl, als auch“.

        Antworten
        • Hallo Martin,

          ich danke Dir, dass Du von der Widersprüchlichkeit Deiner vorherigen Aussage nun abrückst („Man kann sehr wohl eine Grenze ziehen und (!) offen bleiben für die Gegenseite.“) Aber warum so geringschätzig? („Das lernt man in jedem einigermaßen patenten Verhandlungstraining und ist nichts neues.“)

          Was ist auch abwertend daran, dass ich das Wort „liebevoll“ als schwülstigen sprituellen Jargon empfinde und „selbstfreundlich“ viel lieber mag?

          Außerdem habe ich an keiner Stelle „das ist zu esoterisch“ gesagt. Ich bitte Dich, mich nicht falsch zu zitieren.

          Ich verstehe auch nicht, wie du aus meinem Einwand, dass ich bestimmte Aussagen als undifferenziert empfinde, eine Geringschätzung machen kannst.

          Unter jeder Gürtellinie ist vor allem, dass Du meine Argumentation mit dem „Niveau von Vorurteilen wie „Alle Langhaarigen sind Bombenleger“ oder „Die Ausländer liegen uns alle auf der Tasche“ vergleichst. Das ist soweit weg von der Liebe, die Du predigst, dass ich mir jeden weiteren Kommentar dazu spare.

          Da fällt Dein Unverständnis dafür, dass ich eine wissenschaftliche Herangehensweise eine lediglich glaubensbasierten vorziehe, kaum noch ins Gewicht. Nur so viel dazu: Möchtest Du mir etwa sagen, dass ich mich besser von der Wissenschaft abwenden solle, weil diese eh nur „vollkommen widersprüchlich“, „wenig belastbar“ und ständig in der Pflicht sei, „sich permanent selbst zu erneuern“, weil sie laufend nur Schmarren produziere, die morgen sowieso überholt seien? Dann kann ich mich nur fragen, auf welchem Niveau das anzusiedeln ist.

          Sina

          Antworten
          • Auch noch ein kurzes Wort zu Deiner Aussage: „Und was Deine Ansicht angeht, wie Deine Therapie funktioniert hat, kann ich nur sagen: Das ist alles schön und gut für Dich. Aber das bedeutet nicht, dass das für andere auch so funktioniert. Und es bedeutet auch nicht, dass Du allein recht hast und die anderen nicht.“

            Erstens habe ich das nie behauptet. Und zweitens solltest Du mal überprüfen, wieviel Wertschätzung in Deiner Aussage rüberkommt.

          • „Spirituell-Schwülstig“ empfinde ich als abwertend. Stimmt.

            Und diese Form der Abwertung gibt’s bei Dir öfter. So hast Du am „6. August 2019 um 14:40. geschrieben: „Das ist mir offen gesagt viel zu schwammig und wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet. Denn WIE genau geht dieses „emotionale Annehmen“? Bitte beschreib doch mal konkret, wie Du das für Dich erzeugst.
            Ebenso esoterisch ist für mich Deine Aussage: „Liebe ist das tiefe Gewahrsein dieses Miteinanders“

            Dazu passt auch Deine Aussage vom 30. Juli 2019 um 22:19: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Du mit gedankenlosen Esoterikern in einen Topf geworfen werden möchtest“.

            Das ist in meinen Augen diskriminierend gegenüber Menschen, die eine spirituelle Sicht der Dinge vertreten.

            Und was meine Ansichten zur Wissenschaft angeht: Es ist nichts Neues oder Ketzerisches, wenn ich betone, dass die Wissenschaft kontinuierlich ihre Ansicht ändert.

            Das Beispiel von Ecker ist doch kein Einzelfall, sondern die Regel. Auch in Deinem anderen Beispiel zum Thema „Inhibitionslernen“, betont der Autor Morschinsky, dass viele der alten behavioritischen Ansätze mittlerweile angezweifelt werden und zum Teil auch widerlegt wurden.

            Das bedeutet nicht, dass die Wissenschaft obsolet oder wertlos wäre. Ganz im Gegenteil: Es zeichnet die Wissenschaft aus, dass sie im Ringen um die Wahrheit bereit ist, sich jederzeit in Frage stellen zu lassen.

            Deswegen ist es meines Erachtens so wichtig, Forschungsergebnisse als das einzuschätzen, was sie sind: Zwischenergebnisse, die schon morgen von einer neuen Studie widerlegt werden können.

            Was mich betrifft, interessiert mich nicht so sehr, was eine Studie oder Lehre als These aufgestellt hat, sondern ob sie uns etwas an die Hand geben kann, das funktioniert.

            Ich habe Prozesse entwickelt, die auf der „Gedächtnisrekonsolidierung“ basieren und durch die Bank weg faszinierende Ergebnisse liefern.

            Und die werden auch dann noch funktionieren, wenn jemand die These von der „Gedächtnisrekonsolidierung“ durch eine andere und bessere ersetzt.

          • Interessant. Wenn ich mein persönliches Empfinden äußere, dass ich das Wort „liebevoll“ aufgrund seiner Überstrapazierung in spirituellen Kreisen als „schwülstig spirituellen Jargon“ empfinde, dann IST so eine Meinungsäußerungs eine Abwertung? Ich schätze, da projizierst Du jede Menge Eigenmaterial auf mich.

            Ebenso, wenn ich äußere, dass mir bestimmte Ausführungen „zu schwammig“ sind und ich Dich um eine Präzisierung bitte. Wo bitte ist da eine Abwertung???

            Auch wenn ich Deine Aussage „Liebe ist das tiefe Gewahrsein dieses Miteinanders“ als esoterisch bezeichne. Wo ist da eine Abwertung???

            Eine Abwertung wäre es gewesen, wenn ich sowas gesagt hätte wie „Was für ein esoterischer Schwachkopf bist Du denn, dass Du hier die Leute mit solchem Blödsinn hinters Licht führst?“ Aber habe ich Dich persönlich so angegriffen? Nein, und nichts läge mir ferner.

            Auch habe nicht ich „Menschen, die eine spirituelle Sicht der Dinge vertreten“ gleichgesetzt mit „gedankenlosen Esoterikern“, sondern Du selbst.

            Deine Projektionen sind wirklich erstaunlich. Wobei Du auch mit zweierlei Maß misst. Du erlaubst Dir selbst jede Menge subtiler Angriffe (ich habe sie bereits beschrieben) und greifst mich auch noch an, dass ich abwertend sei? Was stimmt da nicht?

            Ich glaube, ich weiß es. Meine Kritik an den spirituellen Etiketten, die Du Deiner Arbeit aufklebst, MUSST Du bekämpfen. Denn würdest Du Dich darauf einlassen, würde das schlichtweg Deine ganze berufliche Existenz und Identität, die Du darauf aufgebaut hast, in Frage stellen. Von daher hast Du mein Mitgefühl.

            Was Deine Kritik an der Wissenschaft angeht: Empfindest Du etwa spirituellen Glauben als ein sinnvolle Alternative?

            Ich glaube, Du vergisst auch, dass Deine Techniken, deren Wirksamkeit ich nicht in Abrede stelle, die ich aber unter anderem Vokabular auch in anderen Methoden wiederfinde, weniger spirituellen Praktiken, als Verfahren der (wissenschaftlichen) Psychotherapie entnommen hast. Von daher empfinde ich Deine Abwertung wissenschaftlicher Theorien ebenfalls als unangemessen.

  20. Leider gibt es zu Deiner Antwort „Martin Weiss 6. August 2019 at 16:35“ keine Antworten-Button. Deshalb zitiere ich Deinen Beitrag hier noch einmal und gehe direkt auf Deine Aussagen ein. (Deine Aussagen zitiere ich im Folgenden mit der Voranstellung „M.W.“)

    M.W. „Zum Thema „Liebe“. Ich verstehe Deine Aussage „das ist zu esoterisch“ nicht. Soll das eine Geringschätzung sein? So nach dem Motto: Das ist mir wissenschaftlich oder intellektuell nicht differenziert genug?
    Das ist mir schon letztens bei Dir aufgefallen, und ich mag das nicht. Das ist mir zu hochnäsig und zeugt darüber hinaus genau von dem undifferenzierten Klischee-Denken, das Du mir so oft andichtest.
    Ich habe nichts gegen „esoterisch“. Denn nicht alles lässt sich mit Worten oder dem Intellekt begreifen.
    Und „Liebe“ ist definitiv etwas, das sich dem Verstandesdenken entzieht.“

    Ich spüre aus Deinen Worten, dass ich bei Dir anscheinend einen ganz wunden Punkt getroffen habe. Deshalb verzeihe ich Dir auch, dass Du mit Deiner Wortwahl und Deinen Vorwürfen alles andere als „liebevoll annehmend“ auf mich reagierst. Allerdings bekomme ich doch erhebliches Stirnrunzeln, wenn Du mir mit nicht-liebevollen Worten erklären willst, was Liebe sei. Noch dazu mit der lapidaren Aussage, dass sich Liebe dem Verstand entziehe.

    M.W.: „Es ist auch in meinen Augen keineswegs unlogisch, dass jemand, der “ keine „tiefe Einheit, begleitet von starken Glücksgefühlen“ verspürt, überhaupt nicht liebt.“
    Genau so ist es. Wer diese tiefe Einheit nicht spürt, ist nicht in der Liebe.“

    Mit Verlaub, Deine letzte Aussage ist schlicht dogmatischer Unfug. Spürst Du etwa tiefe Einheit mit mir? Sicher nicht.

    M.W.: „Wobei die Frage lautet, wie weit man diese Einheit fasst. Eine Mutter, die sich mit ihrem Baby verbunden fühlt, während sie es schuckelt, ist in einem tiefen, glücksgefühligen Zustand der Liebe. Das bedeutet nicht, dass sie alle Menschen liebt. Und es bedeutet auch nicht, dass sie die ganze Zeit in einem Zustand der Liebe ist. Vielleicht ist sie eine Stunde später genervt, dass das Kind wieder aufgewacht ist und schreit.
    Kurz: Auch ein kurzes Gefühl der Liebe ist Liebe.“

    Habe ich etwas anderes behauptet?

    M.W.: „Und ich hoffe und wünsche Dir sehr, dass Du eine solche Erfahrung schon mal gemacht hast. Vielleicht mit Deinem Partner? Einer guten Freundin? Vielleicht mit einem Kind? Einem Onkel oder Tante? Oder auch einem Haustier?“

    Was möchtest Du damit ausdrücken?

    ; )

    Martin

    Antworten
    • 😉

      Sina

      Antworten
    • Nein, Sina: Du hast keinen wunden Punkt in mir getroffen.

      Mir ist es nicht peinlich zur Spiritualität zu stehen, und Du brauchst mir deswegen auch nicht verzeihen.

      Was Du da in meine Worte hinein interpretiert hast, ist ganz allein Dein Eigenes.

      Was Dich angeht, so empfinde ich zunehmend Distanz. Es ist nicht mein Ding, wenn jemand meint, die Gedanken von Anderen entwerten und geringschätzen zu müssen (dogmatischer Unfug, spirituell-schwülstig etc.). Das driftet mir zu sehr in Rechthaberei ab.

      Und zu den Fragen, die ich am Schluss gestellt habe: Die meinen genau das, was da steht. Dass ich einfach hoffe und Dir wünsche, dass Du Erfahrungen dieser Einheit selbst gemacht hast.

      War einfach nur nett gemeint.

      ; )

      Martin

      Antworten
      • Ich antworte hierauf zusammen mit meiner Antwort auf Deinen letzten Beitrag …

        Antworten
      • Nett gemeint?

        Subtil stellst Du in Frage, ob ich überhaupt schon einmal Erfahrungen von Liebe gemacht habe.

        Deine Art von Kommunikation ist auf unterschwellige Beeinflussung und Vorteilserzielung ausgelegt. Liebe praktizieren ist für mich was anderes.

        Sei’s drum. Ich bin nicht der, der irgendwann den Preis dafür bezahlt.

        Antworten
  21. Martin,

    jetzt reicht es! Denn Du treibst hier inzwischen ein ganz böses Spiel, indem Du nun bereits zum zweiten Mal bissige Kommentare an meine Antworten hängst und dann die Antwortfunktion für mich sperrst!

    So jetzt wieder in folgendem Beitrag (Martin Weiss 6. August 2019 at 19:02), wo Du auf meine Weigerung, Dir unter Bruch schriftlicher Vereinbarungen vertrauliche Dinge zu verraten, antwortest:

    „Das verbuche ich unter dem Motto: Mit Wissen angeben und dann nicht liefern.“

    Das ist die Reaktion eines kleinen Jungen im Trotzalter. Möchtest Du Dich ernsthaft und konform zu Deinen eigenen Ansprüchen eines „liebevollen“ Umgangs miteinander mit mir weiter unterhalten? Dann unterlass bitte so etwas und insbesondere auch die Sperrung der Antwortfunktion.

    Sina

    Antworten
    • Das ist eine automatische Funktion im Blog, bei dem das Rede und Antwort Ping/Pong nur bis zu einer bestimmten Stufe geht. Denn bei jeder Antwort auf eine Antwort wird der Text weiter nach rechts eingerückt, und damit das alles lesbar bleibt, geht das nur bis zu einer bestimmten Stufe.

      Ich mach das so, dass ich dann hochscrolle bis zum nächsten „Antworten“-Button und den betätige. Das geht immer und ich habe das auch hier in unserer Diskussionen ein paar mal so gemacht (erkennst Du daran, dass meine Antwort nicht mehr eingerückt ist, sondern auf gleicher Ebene wie Deine vorherige Antwort steht).

      Ich habe also keine Antwortfunktion gesperrt und führe deswegen auch kein böses Spiel im Schilde.

      Auch hier gilt: Was Du in die technische Funktion des Blogs hinein interpretiert hast, ist ganz allein Dein Gedanken- und Gefühlsgut.

      Liebe hat für mich im Übrigen nichts damit zu tun, dass ich es anderen recht mache oder nach dem Maule rede. Sondern dass man den Standpunkt des anderen respektiert – auch wenn man eine andere Sichtweise vertritt.

      Ich kann deswegen gut damit leben, dass Du mir nicht zustimmst, und es ist vollkommen ok, wenn Du auch am Ende unserer Plauderei bei Deiner Meinung bleibst.

      Ich beanspruche lediglich das gleiche Recht für mich.

      ; )

      Martin

      Antworten
  22. Ok, wenn das eine technische Sache war, ziehe ich meine Vermutung einer beabsichtigten Entziehung einer Antwortmöglichkeit zurück.

    Ansonsten: Ich habe kein Problem damit, Dich zu respektieren. Allerdings habe ich keine guten Gefühle in Bezug auf die Art Deiner Kommunikation, wenn es zu Meinungsverschiedenheiten kommt. Die ist für meine Begriffe nicht kongruent mit dem, was Du predigst. „Walk what you talk“ wäre mir lieber gewesen. Und auch mehr Differenziertheit und weniger Dogmatik.

    Aber das sind ja nach Deiner Aussage alles meine eigenen Interpretationen, mit denen Du gar nichts zu tun hast. Insofern wird es Dich auch nicht stören, wenn ich weiter dabei bleibe.

    Sina

    Antworten
    • Hi Sina

      ich nehme mir ein paar Tage Auszeit, um das Ganze sacken lassen, Ist also kein „Silent Treatment“.

      Ich melde mich in Kürze zurück.

      ; )

      Martin

      Antworten
      • Verstehe ich. Take your time.

        Sina

        Antworten
  23. Hallo Sina

    ich möchte Dir als allererstes ein Danke Schön zukommen lassen. Dass Du hier in meinem Blog, und damit auch in meinem Leben, aufgetaucht bist, ist ein echter Segen.

    Ich habe diesen Dialog sehr genossen, weil ich mich so total lebendig gefühlt habe.

    Warum?

    Weil ich etwas für mich auflösen konnte!

    Was?

    Ich bin vom Kern her Idealist. Und von früh an war ich der Meinung, dass sich die Probleme der Welt lösen könnten, wenn wir uns alle mehr lieben.

    Das war in den 70gern, mitten im kalten Krieg und den Terroranschlägen der RAF. Ich erinnere mich noch an viele Diskussionen mit meinen Eltern und anderen Erwachsenen, die meine Meinung als lieb und nobel, aber vollkommen naiv und weltfremd bezeichneten. In der gleichen Zeit wurde ich mit den Verbrechen der Nazizeit, dem Holocaust und vielen anderen schrecklichen Dingen in der Welt konfrontiert. Und so verlor ich meinen Idealismus, meine tiefsten Überzeugungen.

    Ohne es zu merken wurde ich zeitgleich immer ängstlicher und auch neurotischer, so dass ich für mich Psychologie zu interessieren begann.

    In der Zeit nahm ich an einer Körpertherapie-Gruppe teil, deren Ziel es war, einen „Charakterpanzer“ zu durchbrechen. Dazu wurde unter anderem permanent auf Kissen eingeschlagen, um eine Wut mit anschließenden tränenreichen Weinen zu provozieren. Das alles empfand ich als lieblos und kalt. Es fußte auf einem Menschenbild, das ich schlichtweg gruselig fand und das mich dazu bewegte, die Psychologie an den Haken zu hängen.

    Ich entdeckte ein paar Jahre später NLP (1987), und der Ansatz, dass man mit unbewussten Anteilen kommunizieren und sie zur Veränderung bewegen konnte, half mir einen entscheidenden Schritt weiter.

    Und doch fehlte etwas.

    Das fehlende „Puzzleteil“ entdeckte ich erst, als ich vor 16 Jahren Vater wurde. Meine Kinder bewirkten, dass sich mein Herz öffnete und ich wieder Ja zur Liebe sagen konnte. Ich wurde ruhiger, entspannter, gelassener und liebevoller.

    Die Erfahrung war so wirkmächtig, dass sie meine Arbeit als Coach zu transformieren begann. Wann immer es mir gelang, dass meine Klienten ihre widrigen Anteile liebevoll annehmen konnten, wurde der Weg frei für wahre Wunder. Spontanheilungen und Transformationen auf tiefster Ebene geschahen einfach ohne mein Zutun.

    Als ich nun Deine Beiträge las, die von „Immun machen“, sich „zur Wehr setzen“, von „Angriffe unterbrechen“ und einem „zermürbenden Anrennen gegen einen einfach stärkeren und immer wieder durchbrechenden Negativglauben“ handelten, wurde ich an meine früheren Diskussionen aus der Jugend erinnert.

    Aber im Gegensatz zu damals fühle ich mich heute sicher im Sattel. Das ist wohl am ehesten dem Umstand geschuldet, dass ich heute einfach weiß, was funktioniert. Und zwar nicht aus der Theorie , sondern aus der Praxis.

    Vielleicht ist diese innere Sicherheit auch einer der Gründe, weswegen ich eher selten Einwände ernte. Und wenn sich dann mal so eine Chance ergibt (noch dazu mit einer Frau mit Dir, die sich fachlich auskennt, reflektiert ist und zugleich auch für ihre Meinung einsteht), bin ich gleich Feuer und Flamme, denn meine Verstand liebt den Diskurs.

    Unser Disput war für mich besonders hilfreich, weil mir erneut klar wurde, wie elementar wichtig die Selbstliebe in meiner Arbeit ist. Sie ist für mich der Schlüssel zur „Heilung“.

    Und mir wurde darüber hinaus klar, dass ich beim Thema „Good Vibes“ die „Selbstliebe“ noch viel, viel stärker in den Vordergrund nehmen darf.

    Das habe ich als echten Durchbruch erlebt, für den ich Dir enorm dankbar bin.

    Außerdem habe ich mit meinen alten Erinnerungen an die „Körpertherapie“ Frieden schließen können. Ich kann jetzt sehen, dass die therapeutischen Ansätze von damals ja erste Gehversuche waren, von denen ich heute ja auch profitiere. Und die Gruppe wurde von einem Menschen geführt, der den Mut hatte, für seine Sache einzustehen, auch wenn er damals oft angefeindet wurde. Das findet meinen vollen Respekt.

    Das gilt auch für Dich. Selbst wenn ich Dir nicht in allen Punkten zugestimmt habe und selbst wenn die Chancen gut stehen, dass ich auch in Zukunft das eine oder andere anders sehen werde als Du, so respektiere ich, dass Du zu Deiner Meinung, zu Deiner Wahrheit stehst.

    Damit kann ich gut leben, denn das tue ich auch.

    Liebe Grüße

    ; )

    Martin

    Antworten
  24. Hallo Martin,

    Du schreibst, dass Du „dank“ mir zu einer noch festeren Überzeugung gefunden hast, dass das Thema Selbstliebe genau Deins sei.

    Was soll ich dazu sagen? Ich will es mal so ausdrücken: „Ich nehme es zur Kenntnis.“ Denn ich sehe doch einiges anders als Du.

    Nach wie vor ist für mich auch ungeklärt, was konkret Du mit „widrige Anteile liebevoll annehmen“ meinst.

    Wenn jemand z.B. sagt: „Ich hasse mich dafür, dass ich so XY bin.“ Dann dürfte es wohl wenig nutzen, diesem Menschen zu sagen: „Hör auf, Dich zu hassen. Du musst Dich mehr lieben.“ Aus meiner Sicht würde das sogar zu einer Art „Meta-Hass“ (sich dafür hassen, dass man sich hasst) führen. Und auch gar nicht umsetzbar sein, weil der Selbsthass das Ergebnis unbewusster Prozesse ist, die einer bewussten Umentscheidung („Ich liebe mich jetzt einfach!“) wohl kaum zugänglich sein dürften.

    Wie kommt so jemand vom Selbsthass zur Selbstliebe? Die genauen Schritte, die Du gehen würdest, interessieren mich nach wie vor.

    Liebe Grüße

    Sina

    Antworten
    • Liebe Sina

      von Selbsthass zu Selbstliebe zu gehen, ist ein langer und aus meiner Sicht keineswegs „strukturierter“ Prozess à la „Die 7 Schritte in die Selbstliebe“.

      Deswegen muss ich an dieser Stelle passen, wenn es darum geht, die „genauen Schritte“ zu benennen.

      Das ist in meinen Augen von Fall zu Fall sehr verschieden, und so wird sich der Prozess für jeden von uns anders gestalten.

      Ich glaube, dass der Flower Prozess ein guter, erster Schritt ist, um in die Liebe zu kommen. https://bigshift.live/goodvibes/#flower

      Der Prozess bedarf der Übung, und in manchen Fällen kann der Selbsthass so groß sein, dass sie einfach nicht gelingen mag. In diesen Fällen ist therapeutische Hilfe gefragt.

      Liebe Grüße

      Martin

      Antworten
  25. Guten Abend Herr Weiss,

    „nette“ Taktik, die Sie da an Sina versuchen. Nachdem Sie ihr gegenüber im Vordialog „zunehmend Distanz“ empfanden und auf ihre kritischen Anmerkungen alles andere als „liebevoll annehmend“ reagierten, behaupten Sie nun auf einmal, dass Sie das genaue Gegenteil gefühlt, Sina als „echten Segen“ empfunden und den Disput mit ihr „sehr genossen“ hätten?

    Für mich völlig unglaubwürdig, zumal Sie auch eine banale Manipulationsmethode benutzen. Für alle Interessierten, die keine Nachahmungsskrupel haben, hier die Anleitung:

    1. Stellen Sie Ihr kritisches Gegenüber als bemitleidenswerte Seele hin, der es ähnlich schlecht erging, wie Ihnen selbst vor Ihrer „Läuterung zur Liebe“.

    2. Überschütten Sie Ihr kritisches Gegenüber mit „liebevoller Zuwendung“ (NLPler nennen es „Pacing“, das gemeine Volk „Honig ums Maul-Strategie“) in Form von überschwänglichem Dank („Segen“) und anderen Lobhudeleien („noch dazu mit einer Frau mit Dir, die sich fachlich auskennt, reflektiert ist und zugleich auch für ihre Meinung einsteht“, „Feuer und Flamme“).

    3. Vertrauen Sie darauf, dass der Verstand Ihres Disputpartners anschließend naiv und glücksvernebelt genug ist, jedweden Inhalt (NLPler nennen es „Leading“) unkritisch zu schlucken. Selbst wenn dieser, wie hier, lediglich in der denkgesetzwidrigen Schlussfolgerung daherkommt, dass gerade die kritischen Äußerungen des Gesprächspartners eine Bestätigung der eigenen Ansicht seien.

    Glücklicherweise war Sina intelligent genug, auf Ihren Manipulationsversuch nicht hereinzufallen, sondern diesen lediglich „zur Kenntnis“ zu nehmen und Ihre vagen Selbstliebeforderungen weiter zu hinterfragen.

    Ergänzend dazu in Bezug auf Ihre Behauptung, „dass ich heute einfach weiß, was funktioniert. Und zwar nicht aus der Theorie, sondern aus der Praxis.“ ein Zitat aus den Werken von André Gide: „Vertrauen Sie denen, die nach der Wahrheit suchen, und misstrauen sie denen, die sie gefunden haben.“

    Ich hoffe, Ihr Verhalten ändert sich. Andernfalls: Wie schon hier https://bigshift.live/wie-du-verzeihen-kannst-inkl-coachingtechnik/ mitgeteilt, werde es nicht dulden, wenn Sie weiter versuchen sollten, persönliche Defizite durch manipulative Methoden zu kompensieren.

    Bettina Brauer

    Antworten
    • Liebe Frau Brauer

      danke für Ihren Beitrag.

      Ich kann verstehen, dass Sie zu Sina stehen. Sina und Sie haben, so finde ich, einige Ähnlichkeiten, und teils hatte ich sogar das Gefühl, mit ein und der gleichen Person zu tun zu haben. Vielleicht möchten Sie sich ja einmal untereinander vernetzen?

      Wenn das für Sina und Sie in Ordnung ist (einfach eine Mail von Beiden an mich), dann bringe ich Sie gerne zusammen.

      Ich kann mich in Ihrer Ausdeutung meiner Kommunikation nicht wiederfinden; allerdings mag ich auch nicht widersprechen, denn ich bin ja Teil des Geschehens, und so fehlt mir der objetktive Blick. Deswegen enthalte ich mich dazu jeden weiteren Kommentares.

      Den Ausspruch von Gide finde ich großartig, und ich glaube, er gilt für uns alle. Für Sina, Sie, mich und auch für die Leser*innen, die unseren Dialog mitverfolgen. Wir allen leben und formen unsere eigene, „momentane“ Wahrheit und machen es uns eine Zeit lang darin gemütlich – bis das Leben uns mit Erfahrungen konfrontiert, die mit unserer momentanen Wahrheit nicht mehr zu meistern sind. Dann ist Lernen und Verlernen, Wachstum und Veränderung angesagt.

      So soll es auch für mich bleiben. Momentan fahre ich mit dem Thema „Selbst-Liebe“ sehr gut und ich erlebe in meinen Coachings wirklich bewegende Durchbrüche und Transformationen.

      Aber Sie haben recht: Man darf nie glauben, dass man zuende gelernt hat. Es gibt immer eine noch größere Wahrheit zu entdecken.

      Danke für die Erinnerung daran.

      Alles Liebe

      Martin

      Antworten
  26. Ich kann das nicht, ich bin so schlecht hahaha. Ja das kennt wohl jede irgendwo her.

    Unsere Eltern und andere Personen machen es uns vor und wir machen es nach.

    Schöne Grüße an alle, die den Teufelskreis durchbrochen haben.

    Petri Heil an alle Nicht-Angler da draußen

    Antworten
  27. Hallo Martin,

    danke für Deine Antwort. Bevor ich darauf eingehe, noch kurz zu dem Beitrag von Frau Brauer. Was sie sagt, hätte ich so nicht in Worte fassen können, da ich kein Profi bin. Offen gestanden hatte ich aber tatsächlich das Gefühl, als sollte ich „liebevoll“ manipuliert werden. Deshalb ich Deine Worte nur „zur Kenntnis“ genommen und bin nicht näher darauf eingegangen. (Meine Mailadresse kannst Du übrigens ruhig an Frau Brauer weitergeben, wenn sie mir auch ihre geben will.)

    Zu Deiner Antwort: Im Grundsatz ist „Selbstliebe“ im Sinne von „Annehmen-Können der eigenen Gefühle“ zweifellos ein höchst sinnvolles Ziel. Denn unangenehme Gefühle über unangenehme Gefühle führen ja bekanntlich zu noch unangenehmeren Gefühlen. Sagt u.a. nicht nur der Buddhismus („Schmerz + Widerstand = Leid“), sondern die heutige Psychologie („Metaemotionen“). Aber wie gesagt, es ist ein ZIEL. Die Frage ist: Welcher WEG führt dorthin?

    Als ein Beispiel hast Du Deine „Flower-Übung“ angegeben. Als bedenklich empfinde ich dabei die wertende Unterscheidung in „gute“ und „schlechte“ Gefühle („Good und Bad Vibes“). Denn das Wort „schlecht“ ist eine Wertung, die bei jedem Menschen unwillkürlich sofort eine ablehnende, abwehrende Haltung hervorruft. Aus einer solchen wird es dann aber wohl erst recht schwer, die eigenen Gefühle „liebevoll“ anzunehmen. Für mich fängt Annehmen insofern damit an, dass man damit aufhört, unangenehme Gefühle (auch indirekt über die Gegenüberstellung „gut“) als „schlecht“ zu bezeichnen. Eben gerade, weil man sonst „schlechte“ Gefühle über „schlechte“ Gefühle bekommt.

    Auch stoße ich auf den Widerspruch, dass Du einerseits schreibst, „Die Übung dient nicht dazu, Gefühle „wegzumachen“, sondern sie anzunehmen, wie sie gerade da sind.“, andererseits aber mit der Erzeugung einer Vorstellung von „Loslassen“ und „aus der Leere Gutes aufsteigen lassen“ unmittelbar darauf hinarbeitest, „ruhiger und gelassener“ zu werden und das unangenehme Gefühl solange zu vermindern („mildern“, „besänftige“), „bis die Good Vibes“ (guten Gefühle) dominieren“. Das Anstreben solch einer Veränderung läuft faktisch auf den Zweck eines „Wegmachens“ „schlechter“ Gefühle und „Machens“ „guter“ Gefühle hinaus. Das lässt sich auch nicht mit wohlklingenderen Bezeichnungen („Mildern“) und der Beteuerung „die Übung dient nicht dazu“ wegreden.

    Eine Übung, die in der Absicht durchgeführt wird, mittels der Vorstellung eines Gefühls von „Lieben“ eine Gefühlsveränderung zu bewirken, ist für mich kein echtes, reines, bedingungsloses „Annehmen“, sondern „bedingte Liebe“ in dem Sinne, dass damit die Hoffnung/Erwartung/Bemühung verknüpft ist, das „schlechte“ Gefühl auf diese Weise loszuwerden und nicht mehr spüren zu müssen. Und das funktioniert nicht, sagt meine Therapeutin. Denn der Teil unseres Selbst, der das unangenehme Gefühl entwickelt hat, erkenne genau, dass er bzw. sein Gefühl nicht wirklich geliebt und bedingungslos angenommen wird, sondern lediglich zum Zweck der „Gegenleistung“, dass das „schlechte“ Gefühl verschwindet und statt dessen „etwas Gutes“ auftaucht. Das absichtlich hervorgerufene Gefühl des Liebens überlagere zwar kurzzeitig das „schlechte“ Gefühl, weil positive und negative Gefühle nicht gleichzeitig wahrgenommen werden könnten. Aber schon bald kehre das „schlechte“ Gefühl zurück, häufig sogar stärker als zuvor, so als sei es sauer darüber, unterdrückt worden zu sein. Da helfe auch kein „Üben“. Ein „Mehr vom Gleichen“ mache das Problem sogar nur noch schlimmer. Insbesondere riskiere man auch, dass sich das abgelehnte Gefühl irgendwann für das Bewusstsein unerreichbar „abspalte“ und sich in andere Symptome verwandele, wie z.B. körperliche Erkrankungen.

    Du sprichst in Bezug auf die Übung sogar von einer „Technik“. Lieben als Technik? Das ist jetzt nicht wirklich Dein Ernst, oder? Gefühle von Zuneigung und Liebe absichtsvoll einzusetzen, um damit persönliche Ziele zu erreichen, ist für mich nicht nur im zwischenmenschlichen Bereich ein „No Go“, sondern auch im Umgang mit sich selbst und den eigenen Gefühlen. Liebe ist, da bin ich mit meiner Therapeutin völlig einer Meinung, nur dann heilsam, wenn sie absolut absichtslos ist, wenn also das Annehmen eines unangenehmen Gefühls nicht mit der Hoffnung, der Erwartung oder dem Bemühen verknüpft ist, irgendetwas daran zu ändern.

    Schließlich sehe ich auch noch das Problem, dass Deine „Flower-Übung“ lediglich darauf ausgerichtet ist, „schlechte“ Gefühle über „schlechte“ Gefühle abzubauen. Das greift mir persönlich zu kurz. Denn was ist, wenn jemand z.B. unter Angstzuständen leidet? Dann wird ein liebevolles Annehmen der eigenen Ängste zwar vielleicht dazu führen, dass die Angst vor der Angst nicht mehr so groß ist und eine erste Entlastung eintritt. Aber was ist mit dem „Rest“ (von z.B. 4 von ursprünglich 7 Skalenpunkten wie im Coaching-Audio mit Susanne)? Selbst wenn es gelingen sollte, dieses Symptom mit der „Flower-Übung“ noch ein Stück weiter zu reduzieren, dürfte dies nicht lange halten. Denn ohne die Auflösung der „Treiber“ hinter den Angstzuständen wird das Ganze m.E. zu einer Serie von Rückfällen und vielleicht auch zu einer Symptomverschiebung führen. Ich hab das bereits weiter oben mit der Metapher „Deckel auf den Topf legen“ beschrieben.

    Insgesamt verspüre ich gegenüber Deiner „Flower-Technik“ einen nicht unerheblichen (wie Du es bezeichnest) „Widerstand“. Diesen „Widerstand“ kann ich auch sehr gut und „fließend“ annehmen. Denn ich sehe ihn nicht als etwas Negatives, sondern als positives Zeichen, wie mich mein inneres Selbst vor Unzuträglichem schützt.

    Sina

    Antworten
    • Hi Sina

      Du schreibst:

      „Als bedenklich empfinde ich dabei die wertende Unterscheidung in „gute“ und „schlechte“ Gefühle („Good und Bad Vibes“)“.

      Deinen Einwand gegenüber der Formulierung „schlechte Gefühle“ finde ich vollkommen berechtigt. Ich habe deswegen Deine Anregung aufgegriffen und auf der Good Vibes Seite den von mir häufiger gewählten Begriff „negative Gefühle“ in „unangenehme Gefühle“ abgeändert.

      Danke für die Anregung.

      Das Wort „Vibes“ steht indes bei mir nicht für Gefühle, sondern für eine Ausstrahlung, eine Vibration, die wir aussenden und die – wenn wir sie beständig ausstrahlen – von unserer Umwelt widergespiegelt wird.

      Es gibt Menschen, in deren Gegenwart wir uns geschätzt, anerkannt und geliebt fühlen. Und ich vermute, jeder von uns kennt Menschen, in denen wir das Gefühl haben, das uns Energie abgesaugt wird, in deren Gegenwart wir uns kritisiert oder pessimistisch fühlen, weil sie in einem Zustand des Misstrauens oder des Ärgers oder ohnmächtiger Opfergedanken zuhause sind.

      Ich führe diese Ausstrahlung, diese „Vibes“ darauf zurück, wie wir mit uns und damit auch mit unseren Gefühlen umgehen.

      Wenn ich mich mir selbst gegenüber liebevoll verhalte, so meine These, besitze ich eine andere Ausstrahlung, als wenn ich mich aus lauter Scham und Schuldgefühlen oder gar aus Selbsthass ablehne und bekämpfe. Meiner Erfahrung nach kann letzteres zu destruktiven Ergebnissen in Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen, beruflichen Erfolg etc. führen.

      Und wegen der zerstörerischen Wirkung nenne ich diese Ausstrahlung, die aus der von Dir genannten Formel „Schmerz + Widerstand = Leid“ entsteht, „Bad Vibes“.

      Das Anstreben solch einer Veränderung läuft faktisch auf den Zweck eines „Wegmachens“ „schlechter“ Gefühle und „Machens“ „guter“ Gefühle hinaus. Das lässt sich auch nicht mit wohlklingenderen Bezeichnungen („Mildern“) und der Beteuerung „die Übung dient nicht dazu“ wegreden.

      Ich kann Deine Kritik an dem Anstreben, sich aus unangenehmen Gefühle lösen zu wollen, verstehen.

      Dazu erlaube ich mir eine Frage: Besteht nicht die Funktion von unangenehmen Gefühle genau darin? Ist der Zahnschmerz nicht eine Aufforderung, einen Zahnarzt aufzusuchen? Sind Ängste, Sorgen, Zweifel Wut etc. nicht Signale, die uns einladen, anders als bisher mit einer Situation umzugehen?

      Unangenehme Gefühle sind meines Erachtens Warnsignale, die uns sagen „Mach etwas anders als bisher“.

      Ich halte deswegen den Wunsch, ein Gefühl besänftigen oder ganz auflösen zu wollen für zutiefst menschlich und auch legitim.

      Paradoxerweise geht das meines Erachtens jedoch nur, wenn wir die Gefühle zunächst annehmen.

      Und genau darum geht es bei „Flower“.

      Eine Übung, die in der Absicht durchgeführt wird, mittels der Vorstellung eines Gefühls von „Lieben“ eine Gefühlsveränderung zu bewirken, ist für mich kein echtes, reines, bedingungsloses „Annehmen“, sondern „bedingte Liebe“ in dem Sinne, dass damit die Hoffnung/Erwartung/Bemühung verknüpft ist, das „schlechte“ Gefühl auf diese Weise loszuwerden und nicht mehr spüren zu müssen. Und das funktioniert nicht, sagt meine Therapeutin.

      Ja, da hat Deine Therapeutin gewiss recht.

      Allerdings geht es in der Übung überhaupt nicht darum, das Gefühl zu verändern.

      Sondern die Übung zielt darauf ab, die Art und Weise zu verändern, wie wir mit unseren Gefühlen umgehen.

      Und das ist ein wichtiger Unterschied, finde ich.

      In Schritt 1 geht es darum, Achtsamkeit zu entwickeln (ein Gefühl wahrnehmen, ohne davon überwältigt zu werden).

      In Schritt 2 geht es darum, die von Dir selbst genannte Formel „Schmerz + Widerstand = Leid“ zu verändern, dass wir unseren Widerstand aufgeben und so Leid vermeiden.

      Und in Schritt 3 schließlich lassen wir dem Gefühl freien Lauf.

      In keinem der drei Schritten wird das Gefühl selbst manipuliert, sondern es geht um eine Veränderung unserer eigenen Einstellung und unseres eigenen Umgehens mit den Gefühlen.

      In Schritt 4 geht es darum, uns für Lösungen zu öffnen. Die Frage „Kann ich etwas Gutes geschehen lassen?“ in Kombination mit dem „Ma-Blick“ soll uns helfen, eine neue Perspektive, eine neue Einsicht, eine weitere Stärke oder Fähigkeit in uns hochkommen zu lassen.

      Hier geht’s in der Tat um eine Veränderung, allerdings um eine, die wir nicht absichtlich bewirken, sondern die wir geschehen lassen.

      Ich schließe mich dabei der buddhistischen Philosophie an, dass wir in unserem tiefsten Inneren auf ganz natürliche Weise eine ruhigen, klaren Geist besitzen. (https://religion.orf.at/lexikon/stories/2560797/), der anders an unsere Herausforderungen geht, als wenn wir in einem Zustande der Selbstablehnung oder gar des Selbsthasses stecken.

      Schließlich sehe ich auch noch das Problem, dass Deine „Flower-Übung“ lediglich darauf ausgerichtet ist, „schlechte“ Gefühle über „schlechte“ Gefühle abzubauen.

      Interessanterweise funktioniert die Übung nicht, wenn jemand versucht, die Gefühle auflösen, also manipulieren zu wollen. Denn das ist nichts weiter als eine andere Form von Widerstand.

      In dem Fall bitte ich meine Coachees, erst den Wunsch, das Gefühl manipulieren oder wegmachen zu wollen, mit „Flower“ anzugehen. Das hilft in den meisten Fällen.

      Das greift mir persönlich zu kurz. Denn was ist, wenn jemand z.B. unter Angstzuständen leidet? Dann wird ein liebevolles Annehmen der eigenen Ängste zwar vielleicht dazu führen, dass die Angst vor der Angst nicht mehr so groß ist und eine erste Entlastung eintritt. Aber was ist mit dem „Rest“ (von z.B. 4 von ursprünglich 7 Skalenpunkten wie im Coaching-Audio mit Susanne)?

      Mit „Flower“ ändern wir unsere Haltung und unseren Umgang mit dem unangenehmen Gefühl, in diesem Fall „Angst“. Dadurch können wir das Leid lösen („Schmerz + Widerstand = Leid“). Übrig bleibt die „Angst“, die wir nun ebenfalls achtsam wahrnehmen, annehmen und dann frei fließen lassen können. Wenn man sich seiner Angst stellt, so meine Erfahrung, löst sie sich oft von alleine. Allerdings nicht immer. Denn Menschen sind komplexe Wesen, und wenn wir anfangen, an einer Stelle etwas zu verändern, bringt das häufig auch andere Gefühle, Gedanken und Themen auf den Plan.

      Zum Zweiten gibt es Ängste (Traumata), die so stark sind, dass sie uns förmlich überrollen und so sehr gefangen nehmen können, dass wir uns für eine zeitlang regelrecht in ihnen verlieren können. Nicht jeder besitzt sofort die innere Stärke, sich alleine seinen größten Ängste stellen zu können. Deswegen rate ich immer davon ab, traumatische Gefühle und Erlebnisse alleine verarbeiten zu wollen. An dieser Stelle ist ein erfahrener Therapeut gefragt. Aber man kann sich die Stärke erarbeiten, in dem man sich nach und nach und Schritt für Schritt seinen Ängsten stellt.

      Zum Dritten können „negative Gedanken“ wie „Ich bin nicht gut genug“ oder „Die Welt ist schlecht und gefährlich“ unangenehme Gefühle wie Schuld, Scham, Angst, Sorgen etc. in uns provozieren. In dem Fall ist es wichtig, diese Gedanken oder Überzeugungen zu bereichern. Ich spreche hier absichtlich nicht von „Veränderung“, denn der Gedanke „Ich bin nicht gut genug“ stimmt ja durchaus in einigen Kontexten („Ich bin nicht gut genug, um eine Boeing zu fliegen“). Der vierte Schritt zielt deswegen auch darauf ab, zusätzliche Einsichten geschehen zu lassen. Dazu ist es jedoch wichtig, wirklich offen für neue Erkenntnisse und Sichtweisen zu sein. Auch das ist eine Fähigkeit, die geübt werden möchte. Viel Leid entsteht, wenn wir zum Beispiel zu rechthaberisch sind oder meinen, die Wahrheit gepachtet zu haben.

      Und das Vierte: Wie ich weiter oben geschrieben habe, ist die Übung „nur“ ein erster Schritt.

      In der Praxis habe ich immer wieder erlebt, dass sich bestimmte Gefühle in der Tat in Wohlgefallen auflösen. Ich habe sogar in mehreren Fällen erlebt, dass Menschen sehr heftige, zum Teil traumatische Gefühle (inklusive „Abzittern“ der traumatischen Spannung) auflösen konnten. Allerdings würde ich nicht behaupten wollen, dass die „Flower“-Übung in der Lage ist, Angstzustände oder Traumata aufzulösen. Ich habe das nur in einigen Fällen erlebt.

      In vielen anderen, ich würde sogar sagen in den meisten Fällen sind weitere Schritte notwendig.

      Aber selbst wenn die „Flower“-Übung „nur“ ein Einstieg ist, so besitzt sie meiner Meinung nach eine profunde Tiefe. Achtsam zu werden, den Widerstand in ein Annehmen zu verwandeln und dem Gefühl die Freiheit zu geben, sich entfalten zu können, kann bei Menschen, deren Leben von starken Leid geprägt ist („Schmerz + Widerstand = Leid“), eine große Wende einläuten.

      Insgesamt verspüre ich gegenüber Deiner „Flower-Technik“ einen nicht unerheblichen (wie Du es bezeichnest) „Widerstand“. Diesen „Widerstand“ kann ich auch sehr gut und „fließend“ annehmen. Denn ich sehe ihn nicht als etwas Negatives, sondern als positives Zeichen, wie mich mein inneres Selbst vor Unzuträglichem schützt.

      Ich finde, man sollte immer die eigenen Gefühle honorieren.

      Und wenn Du auch nach meinen Ausführungen weiter Widerstand verspürst, ist das möglicherweise ja ein Zeichen, dass diese Übung nicht das Richtige für Dich ist.

      So wie Du es schreibst, fühlst Du Dich ja bei Deiner Therapeutin gut aufgehoben. Das freut mich für Dich.

      Geh immer den Weg, der sich für Dich stimmig anfühlt.

      Liebe Grüße

      Martin

      Antworten
  28. Hi Martin,

    es hat ein wenig gedauert mit meiner Antwort, da ich anderweitig viel um die Ohren hatte.

    Du schreibst zu Beginn, Du wärst meiner Anregung gefolgt und hättest auf der „Good Vibes“-Seite den von Dir häufiger gewählten Begriff „negative Gefühle“ in „unangenehme Gefühle“ abgeändert. Da komme ich insofern nicht mit, als der Begriff „unangenehm“ jetzt zwar sieben Mal vorkommt, der Begriff „negativ“ dort aber weiterhin elf Mal zu finden ist. Problematisch finde auch die weiter bestehende Polarisierung „Good Vibes“ und „Bad Vibes“. Denn ob ich die eigenen Gefühle als „schlecht“ oder die damit verbundene Ausstrahlung als „bad“ bezeichne – es ist in Bezug auf beides eine Bewertung, die eine ablehnende/abwehrende und nicht-liebevolle Haltung hervorruft. Besonders wenn Du das Ganze auch noch dadurch toppst, dass von einer „zerstörerischen Wirkung“ sprichst.

    Kein Zweifel ansonsten, dass jemand, der mit sich selbst nicht im Reinen bzw. unzufrieden ist, dies auch als entsprechende Stimmungslage u.a. körperlich sowie in seinen Verhaltensweisen und Aussagen nach außen trägt. Nicht zuletzt häufig auch als Projektion auf andere Menschen und die äußeren Umstände („Ich bin das Opfer, schuld sind immer die anderen.“). Nicht schlüssig ist aber für mich, dass die zugrundeliegende Unzufriedenheit mit sich selbst nach Deinen Worten darauf zurückzuführen sei, dass „ich mich mir selbst gegenüber“ nicht ausreichend „liebevoll verhalte“, sondern „mich aus lauter Scham und Schuldgefühlen oder gar aus Selbsthass ablehne und bekämpfe“. Denn „negative Gefühle gegenüber sich selbst“ entstehen doch nicht kausal durch „Selbstablehnung und Bekämpfen“, sondern sind doch einfach nur eine andere Bezeichnung für ein und dieselbe Sache.

    Daraus einen ursächlichen Zusammenhang zu machen, halte ich sogar für sehr bedenklich. Denn wenn ich dieser These folge, werfe ich mir vor, quasi als „Täter“ für alle unangenehmen Gefühle, die ich in Bezug auf mich selbst erlebe und jedes Problem, das meine Umwelt mit mir hat, „verantwortlich“ und „selbst schuld“ zu sein. Dies ist zwar eine in spirituellen Kreisen gängige, aber für die eigene psychische Gesundheit (nicht nur nach meiner persönlichen Auffassung) höchst problematische Sichtweise. Denn diese produziert nicht nur Gefühle von Scham, Schuld und Nichtgenügen, sondern übt auch massiven Selbstveränderungsdruck aus – was auf der „Schatten“-Seite in einer entsprechend starken „Ablehnung der Selbstablehnung“ resultiert.

    Ich habe in der vergangenen Woche übrigens eine höchst interessante Veranstaltung eines Kollegen von Dir besucht, bei der mir „etliche Lichter aufgegangen“ sind. So zum Beispiel, dass unangenehme Gefühle nicht die Funktion von „Warnsignalen“ haben, „die uns sagen ‚Mach etwas anders als bisher‘“, sondern die Funktion, uns darauf aufmerksam zu machen, dass etwas in unserem „System“ nicht unseren Bedürfnissen entspricht, verbunden mit der Aufforderung, uns dem schmerzempfindenden Teil von uns zuzuwenden, ihm mitfühlend beizustehen und zu helfen, ohne jeden Beeinflussungsversuch („absichtslos“) aus sich selbst heraus den nächsten Schritt zur Lösung zu finden und zu gehen. Konkret gelernt habe ich unter diesem Aspekt ein „Format“, bei dem ich mir das unangenehme Gefühl (z.B. einsam und traurig sein) als ein (ggf. mein) Kind vorstelle, das eben genau dieses Gefühl verspürt und sich an mich wendet, um von mir – weil es selbst damit überfordert ist – Beistand im Umgang damit zu bekommen. Wichtig ist es dann, dass Kind nicht etwa als „lästig“ oder „störend“ abzuweisen oder mit „guten“ Ratschlägen abzuspeisen (das führt zu noch größeren Problemen), sondern sich ihm fürsorglich zuzuwenden und mit ihm einen sogenannten „Focusing-Dialog“ zu führen. Dieser Prozess zielt nicht auf irgendeine Art von Ergebnis oder Lösung ab, sondern hält „das Thema“ lediglich „absichtslos“ so „in Bewegung“, dass mein „Gefühlskind“ daraus laufend und völlig selbständig neue Möglichkeiten und Fortschritte für sich entdecken kann. Das war für mich absolut faszinierend zu erleben. Und auch total hilfreich. Denn die Fortschritte meines „Gefühlskindes“ haben sich ganz automatisch auch auf mich übertragen.

    Besonders gut gefällt mir an dem „Focusing-Dialog mit den eigenen Gefühlskindern“ die völlig absichtslose Haltung. Ich brauche mich nicht in irgendein Gefühl von „liebevoll“ hineinzuversetzen, irgendetwas „loslassen“ oder sonstiges tun. Es entfällt einfach jeglicher Druck. Für mich war es das Erleben eines reinen Geschehenlassens, das sich zudem noch wie von selbst verinnerlichte. Bereits nach wenigen Durchläufen war der Prozess Teil von mir selbst.

    Entspannte Grüße

    Sina

    Antworten
  29. Hi Sina

    danke für Deinen Beitrag, über den ich mich echt gefreut habe.

    ich habe meine Antwort in 3 Teile gesplittet, damit die einzelnen Abschnitte nicht zu lang werden.

    „Du schreibst zu Beginn, Du wärst meiner Anregung gefolgt und hättest auf der „Good Vibes“-Seite den von Dir häufiger gewählten Begriff „negative Gefühle“ in „unangenehme Gefühle“ abgeändert. Da komme ich insofern nicht mit, als der Begriff „unangenehm“ jetzt zwar sieben Mal vorkommt, der Begriff „negativ“ dort aber weiterhin elf Mal zu finden ist.“

    Ich habe mir den Text nochmal angesehen, und an zwei, drei Stellen nachgebessert. Den Rest finde ich ok so, zumal ja einige „Negativs“ in Anführungsstrichen stehen.

    „Problematisch finde auch die weiter bestehende Polarisierung „Good Vibes“ und „Bad Vibes“. Denn ob ich die eigenen Gefühle als „schlecht“ oder die damit verbundene Ausstrahlung als „bad“ bezeichne – es ist in Bezug auf beides eine Bewertung, die eine ablehnende/abwehrende und nicht-liebevolle Haltung hervorruft. Besonders wenn Du das Ganze auch noch dadurch toppst, dass von einer „zerstörerischen Wirkung“ sprichst.“

    Wie ich oben bereits schrieb, sind Vibes und Gefühle NICHT identisch: „Das Wort „Vibes“ steht für eine Ausstrahlung, eine Vibration, die wir aussenden und die – wenn wir sie beständig ausstrahlen – von unserer Umwelt widergespiegelt wird.

    Mit „Bad Vibes“ meine ich eine Ausstrahlung, die zerstört, was uns eigentlich am Herzen liegt. Beispiel: Wenn man in einer Partnerschaft sein Gegenüber liebt, aber die Beziehung durch seine eigenen Angriffe, Eifersuchtsattacken oder Vorwürfe gefährdet, dann sind das aus meiner Sicht „Bad Vibes“ – denn sie zerstören etwas, das uns im tiefsten Inneren sehr wichtig ist.

    „Nicht schlüssig ist aber für mich, dass die zugrundeliegende Unzufriedenheit mit sich selbst nach Deinen Worten darauf zurückzuführen sei, dass „ich mich mir selbst gegenüber“ nicht ausreichend „liebevoll verhalte“, sondern „mich aus lauter Scham und Schuldgefühlen oder gar aus Selbsthass ablehne und bekämpfe“. Denn „negative Gefühle gegenüber sich selbst“ entstehen doch nicht kausal durch „Selbstablehnung und Bekämpfen“, sondern sind doch einfach nur eine andere Bezeichnung für ein und dieselbe Sache.“

    Kann ich gerade nicht nachvollziehen. Wo soll ich das gesagt haben? Zeigst Du mir mal die Stelle?

    ; )

    Martin

    Antworten
  30. Hi Sina

    von dem zweiten Teil Deiner Nachricht, in dem Du von der Veranstaltung eines Kollegen berichtest, bin ich tief berührt. Eine schöne Erfahrung hast Du da gemacht.

    Und sie steht im vollkommenen Einklang mit meiner Philosophie und Arbeitsweise. Dein Erlebnis zeigt mir erneut, wie stark und transformativ die Selbstliebe ist.

    „Ich habe in der vergangenen Woche übrigens eine höchst interessante Veranstaltung eines Kollegen von Dir besucht, bei der mir „etliche Lichter aufgegangen“ sind. So zum Beispiel, dass unangenehme Gefühle nicht die Funktion von „Warnsignalen“ haben, „die uns sagen ‚Mach etwas anders als bisher‘“, sondern die Funktion, uns darauf aufmerksam zu machen, dass etwas in unserem „System“ nicht unseren Bedürfnissen entspricht.

    Ist das nicht die Definition eines Warnsignals? „Achtung! Hier stimmt was nicht. Hier entspricht etwas nicht Deinen Bedürfnissen“.

    „verbunden mit der Aufforderung, uns dem schmerzempfindenden Teil von uns zuzuwenden“

    Yeah! Sina! Genau meine Meinung. Nicht (dauerhaft) „zur Wehr setzen“. Sondern zuwenden.

    „ihm mitfühlend beizustehen und zu helfen“

    Ganz genau darum geht es im „Flower“-Prozess. Oft verwende ich beim Schritt des „liebevollen Annehmen“ die Metapher einer Mutter, die ihr weinendes Kind in den Arm nimmt.

    „ohne jeden Beeinflussungsversuch („absichtslos“) aus sich selbst heraus den nächsten Schritt zur Lösung zu finden und zu gehen“

    Ja, ganz genau. Bei der „Absichtslosigkeit“ stimme ich Dir voll zu. Auf das Thema „Lösung“ komme ich gleich noch zu sprechen.

    „bei dem ich mir das unangenehme Gefühl (z.B. einsam und traurig sein) als ein (ggf. mein) Kind vorstelle, das eben genau dieses Gefühl verspürt und sich an mich wendet, um von mir – weil es selbst damit überfordert ist – Beistand im Umgang damit zu bekommen.“

    Gefühle oder auch Stimmungen (= Gefühle + Gedanken) als Mensch wahrzunehmen, mache ich sehr oft in meiner Arbeit. Ein Beispiel dazu findet sich auch auf der Good Vibes Seite.

    Allerdings sind nicht alle Gefühle wie ein „Kind“. Manche sind auch „Jugendliche“ oder „junge Erwachsene“. Das kommt sehr darauf an, wie und wann die Anteile in uns entstanden sind.

    Deswegen bevorzuge ich es eher, in das Gefühl hinein zu spüren und es zu fragen, wie alt es ist.

    Manchmal erscheinen auch Anteile, die „alt“ oder „verknöchert“ sind. Einige sind sogar den Aussagen der Coachees aus einem früheren Leben entstanden (ob das so ist oder nicht, lass ich mal dahin gestellt).

    Wichtig ist es dann, dass Kind nicht etwa als „lästig“ oder „störend“ abzuweisen oder mit „guten“ Ratschlägen abzuspeisen (das führt zu noch größeren Problemen), sondern sich ihm fürsorglich zuzuwenden“

    Ganz genau das meine ich mit „liebevoll annehmen“.

    „und mit ihm einen sogenannten „Focusing-Dialog“ zu führen. Dieser Prozess zielt nicht auf irgendeine Art von Ergebnis oder Lösung ab, sondern hält „das Thema“ lediglich „absichtslos“ so „in Bewegung“, dass mein „Gefühlskind“ daraus laufend und völlig selbständig neue Möglichkeiten und Fortschritte für sich entdecken kann.“

    Die Anteile selbstständig entscheiden zu lassen, was sie tun, halte ich für unabdingbar. Spannend finde ich, die Anteile selbst neue Möglichkeiten entdecken zu lassen.

    Ich bin an dieser Stelle etwas direktiver, in dem ich eine weise Instanz (ich nenne sie die „Innere Stimme“) dazu nehme. Eine Art Selbstheilungskraft. So dass das Kind von dort Anregungen bekommt. Oder ich schlage vor, dass sich das Kind mit dem Gehirn vernetzt, um Situationen zu finden, wo wir als Erwachsene die gleiche Situation anders und auch besser gehandhabt haben.

    Dabei passiert es oft, dass die Anteile von alleine älter werden und heranwachsen.

    Was ich noch nie ausprobiert habe: Den kindlichen Anteil die Lösung ganz allein von sich aus zu finden. Ich finde es interessant, dass das bei Dir so geklappt hat und lasse das deswegen mal sacken.

    Allerdings finde ich, dass mein Ansatz von der „Inneren Stimme“ oder dem „Gehirn mit all seinen Erfahrungen“ dem Kerngedanken der Eigenentwicklung des Kindes nicht widerspricht. Entscheidend ist, ob der kindliche Anteil eine Anregung oder zusätzliche Ressource aus freien Stücken annimmt.

    ; )

    Martin

    Antworten
  31. Hi Sina

    ich danke Dir nochmal für Deinen Beitrag, denn für mich schließt sich hier ein Kreis.

    Dein Erlebnis bestätigt mir erneut, wie transformativ die Selbstliebe wirken kann.

    Aber: Selbstliebe ist zwar etwas, das wir aktiv praktizieren können – allerdings nicht durch Manipulation, sondern durch liebevolle Zuwendung bar jeder Absicht, etwas unbedingt verändern zu müssen.

    Sind innere Anteile sehr aggressiv oder übergriffig, ist es richtig, eine Grenze zu ziehen und sich „zur Wehr“ zu setzen. Allerdings nur, um Schäden zu vermeiden und damit den Weg für eine liebevolle Zuwendung zu ebnen.

    Entwicklungsprozesse entstehen freiwillig und können sich dadurch natürlich und leicht ins Innere integrieren.

    Welche Methode wir verwenden, mag am Ende weniger wichtig sein, als die Haltung, die wir in dem Prozess uns selbst gegenüber an den Tag legen. Zuwendung, Absichtslosigkeit und Geschehen lassen. Das scheinen besonders wichtige Zutaten zu sein.

    Soweit eine erste kurze Zwischenbilanz.

    ; )

    Martin

    Antworten
  32. Hi Martin,

    ich bin irritiert, weil Deine Aussage, dass für Dich „Vibes und Gefühle NICHT identisch“ seien, in Widerspruch dazu steht, dass Du in der Beschreibung Deiner „Flower-Übung“ davon sprichst, dass durch diese „‚Good Vibes‘, eine ganz natürliche gute Laune, aufsteigen kann.“ und damit „Good Vibes“ mit guten Gefühlen gleichsetzt.

    Abgesehen davon ändert Deine Unterscheidung zwischen „Gefühlen“ und „Vibes“ auch nichts an der grundsätzlichen Problematik einer „bad/good“-Bewertung. Denn es ist letzten Endes egal, ob ich Gefühle oder „Vibes“ als „bad“ ablehne. Ein „liebevolles Annehmen“ ist dies weder noch, sodass sich auch hieraus in Deinem Ansatz ein innerer Widerspruch ergibt.

    Widersprüchlich ist für mich auch, dass Du mir einerseits darin zustimmst, dass es darauf ankomme, sich den eigenen Gefühlen bar jeder Veränderungsabsicht zuzuwenden, andererseits in Deiner „Flower“-Beschreibung Deine Leser jedoch begeistert fragst: „Ist es nicht faszinierend, wie Gefühle sich verändern, wenn man sie annimmt?“ Dies ist für mich die klare und absichtsorientierte Aufforderung „Nimm Deine Gefühle an, DAMIT sie sich verändern.“ Und das ist eben gerade nicht ein „bar jeder Absicht sein“. Aus diesem Widerspruch rettet Dich auch nicht Dein Zusatz „nicht unbedingt“. Denn entweder nehme ich etwas zu 100% an und habe dann wirklich keinerlei Veränderungsabsicht. Oder eben nicht. Es gibt bei unbedingter Zuwendung definitionsgemäß kein Weniger als 100%. Du versuchst den Spagat „Ich nehme Dich an, aber es wäre mir schon lieb, wenn Du Dich veränderst, weil Du mir so, wie Du bist, nicht gefällst. Aber natürlich musst Du das „nicht unbedingt“.“ Das ist für mich keine absichtslose Zuwendung.

    Ich halte das gesamte Konzept der „Selbstliebe“, so wie Du und andere es unter dem Label „spirituell“ verkaufen, für einen Widerspruch in sich selbst. Denn es werden unter Rückgriff auf andere Kontexte Gefühle von Liebe in der Absicht aktiviert, andere ungeliebte/abgelehnte Gefühle nicht mehr spüren zu müssen (euphemistisch dann als „verändern durch annehmen“ und „loslassen“ bezeichnet). Faktisch ist es der Versuch, mit Gefühlen von Liebe Ungeliebtes wegzumachen. Dass dies nicht funktionieren kann, sagst Du ja selbst. Denn man begegnet seinen „negativen“ Gefühlen dabei nicht mit echter Zuneigung und empfindet sie nicht wirklich als „positiv“. Deshalb kommt es (ich spreche auch aus eigener Erfahrung) regelmäßig lediglich zu kurzzeitigen Überlagerungen der „schlechten“ Gefühle und raschen Rückfällen oder bei fleißigem „Verdrängungsüben“ zu Symptomverschiebungen, die noch problematischer sind.

    Jeder Versuch und Rat, „negativen“ Gefühlen mit „Liebe“ zu begegnen, erfolgt zwangsläufig immer in der Absicht, diesen ihren negativen/ungeliebten Charakter zu nehmen. Denn wenn ich nicht die Absicht hätte, sie zu verändern, bräuchte ich ihnen doch logischerweise einfach gar nichts entgegensetzen, sondern sie einfach nur in Ruhe lassen und nichts tun. Ich müsste meine Gefühle nicht „liebevoll annehmen“, sondern sie einfach nur schlicht aushalten können. Es geht damit, wie man auch in jedem Psychologielehrbuch nachlesen kann, nicht um „Selbstliebe“, sondern um mehr Gefühlstoleranz. Und die kann man sich mit simplen Techniken antrainieren.

    Auch sind für mich die Begriffe „fürsorglich zuwenden“ (wie ich es nenne) und „liebevoll annehmen“, (wie Du es nennst), entgegen Deiner Ansicht nicht synonym, sondern zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Denn um mich jemandem fürsorglich zuzuwenden, muss ich nicht „voll Liebe“ für diesen sein. Nicht einmal voll Mitgefühl. Ich finde, dass es im Kern schon genügt, Hilfsbereitschaft zu verspüren. Aus welchem Grund auch immer. Zum Beispiel, weil ich gegenüber Menschen, die sich hilfesuchend an mich wenden, Gefühle von Verantwortung verspüre. Was für mich nicht mit „Liebe“ gleichzusetzen ist. Die Tendenz spiritueller Kreise, jeder Art von Zuwendung das Konzept „Liebe“ überzustülpen, finde ich vollkommen unangemessen. Verantwortung spüren kann ich auch als professioneller Dienstleister. Wie z.B. ein Arzt oder Psychotherapeut oder ganz simpel auch ein Briefträger, wenn sich jemand mit einem Problem oder Anliegen an ihn wendet, das in seinen Kompetenzbereich fällt.

    Nicht klar komme ich auch mit Deinem Versuch, meine positiven Erfahrungen als „Beweis“ für Deine eigene Auffassung zu vereinnahmen („Dein Erlebnis zeigt mir erneut, wie stark und transformativ die Selbstliebe ist.“). Meine Erfahrung beweist in keiner Weise, dass es „Selbstliebe“ war, die diese verursacht hat. Was es auch definitiv nicht war. „Selbstliebe“ ist lediglich ein nominalisierender Containerbegriff, der in meine Augen die wahren Prozesse vernebelt und Gleichheiten suggeriert, wo keine sind. So wie in Deiner Aussage, meine Erfahrung „stehe im vollkommenen Einklang“ mit Deiner „Philosophie und Arbeitsweise“. Damit suggerierst Du, dass der Denk- und Vorgehensprozess, den Du verwendest, mit demjenigen übereinstimme und quasi identisch sei, der bei mir abgelaufen ist. Was in keiner Weise zutreffend ist. Ich weise nur auf den Unterschied zwischen Deinen Direktiven und der gänzlich nondirektiven Art des Focusing hin.

    Ich könnte noch viel Weiteres schreiben, will es aber nicht zu lang machen. Vielleicht mehr in einem späteren Beitrag.

    Sina

    Antworten
    • Hi Sina

      zum Thema „Good Vibes“: Sie entstehen, wenn wir mit uns einigermaßen in „Einklang“ mit uns selbst sind. Wenn wir uns selbst treu sind. Unserer eigenen Wahrheit, unserem Herzen, unseren Werte folgen und damit „Ja“ zu uns sagen.

      Das Wort „einigermaßen“ wähle ich hier bewusst, denn ein vollständiges „Ja“ zu uns wird uns vielleicht nie ganz gelingen, weil unser Verstand ja einfach alles hinterfragt.

      Wenn wir jedoch uns „einigermaßen“ selbst treu sind, wenn wir mit uns eins sind, befinden wir uns in einem Zustand, aus dem in der Regel eine ganz natürliche gute Laune aufsteigt.

      Diese gute Laune ist quasi eine Bestätigung von Innen, dass wir auf dem für uns richtigen Weg sind.

      Die gute Laune ist als Symptom ein Beleg für ein gelungene „Ja“ zu Dir selbst.

      Wenn wir uns jedoch „verneinen“, wenn wir unseren tiefsten Werten und Intentionen untreu werden, dann entstehen bestenfalls unangenehme Gefühle, meist aber auch Verhaltensweisen, die sich zerstörerisch auf das auswirken, was wir uns aus tiefstem Herzen wünschen.

      Wenn wir uns zum Beispiel in einer Partnerschaft mit einem Menschen befinden, den wir lieben, wir aber diese Liebe verleugnen und missachten, kann es zu Verhaltensweisen kommen, die unsere Beziehung gefährden oder in schlimmeren Fällen zerstören.

      So wie ein kongruentes „Ja“ für eine gute Ausstrahlung (good Vibes) sorgen kann, so kann ein unstimmiges „Nein“ für eine zerstörerische Ausstrahlung sorgen. Und deswegen nenne ich letzteres „bad vibes“.

      Wichtig dabei ist, dass die „Vibes“ an sich nicht „bad“ sind. Sondern sie sind nur „bad“ hinsichtlich dessen, was wir uns aus tiefstem Herzen wünschen.

      Wenn wir uns in einer toxischen Beziehung befinden, die uns das Mark aus den Knochen zieht, ist es „good“, eine Grenze zu ziehen und ein klares „Nein“ auszusprechen und umzusetzen.

      Das Maß aller Dinge ist, was wir uns aus tiefstem Herzen wünschen.

      Siehe auch der Prozess „Die Artischocke schälen“ aus Good Vibes:
      https://bigshift.live/goodvibes/

      ; )

      Martin

      Antworten
    • Hi Sina

      danke für Deine Betrachtungen zum Thema „Focusing“.

      Interessanterweise hat mich das zu einigen für mich ganz spannenden Einsichten geführt.

      „Jeder Versuch und Rat, „negativen“ Gefühlen mit „Liebe“ zu begegnen“, schreibst Du, „erfolgt zwangsläufig immer in der Absicht, diesen ihren negativen/ungeliebten Charakter zu nehmen. Denn wenn ich nicht die Absicht hätte, sie zu verändern, bräuchte ich ihnen doch logischerweise einfach gar nichts entgegensetzen, sondern sie einfach nur in Ruhe lassen und nichts tun“

      Und weiter:

      „Ich weise nur auf den Unterschied zwischen Deinen Direktiven und der gänzlich nondirektiven Art des Focusing hin.“

      Den Unterschied sehe ich offen gestanden nicht. Im Gegenteil: Focusing wird mit voller Absicht als eine therapeutische Intervention eingesetzt, um zum Beispiel Gefühlszustände, die durch Traumata hervorgerufen werden, zu beruhigen oder zu verändern.

      Bei jeder Technik oder Methode, die wir einsetzen, ist eine Intention, eine Absicht mit im Spiel. Wenn es nicht so wäre, warum würden wir überhaupt eine Technik wie „Focusing“ in Einsatz bringen?

      Das sieht auch der Urheber des „Focusing“ so. Hier ein paar Zitate aus Wikipedia:

      „Die Bezeichnung „Focusing“ steht für den von Gendlin erforschten Prozess der Persönlichkeitsentwicklung, aber auch für die von ihm beschriebene Selbsthilfetechnik zur Lösung persönlicher Probleme“.

      Und weiter:

      „Die Möglichkeit, sich darauf zu beziehen, betrachtet Gendlin als „Quelle der Veränderung“. Veränderungen im Erleben sind konkret körperlich spürbar, als Erleichterung oder Lösen von Anspannung. Gendlin spricht auch von „felt shift“, gefühlter Veränderung.“

      „Nondirektiv“ bedeutet meines Erachtens in dem Kontext vielmehr, dass man dem gefühlten Gefühl, dem inneren Anteil (oder welches Etikett man auch immer darauf kleben mag), die Wahl lässt, wie es reagiert.

      Für mich ist die Formulierung „bar jeder Absicht“ also vielmehr mit folgenden Fragen verknüpft: Bin ich bereit, anzunehmen, was kommt? Auch wenn das, was kommt, nicht das ist, was ich ursprünglich „wollte“? Bin ich bereit den Widerstand oder den Trotz des „Anteils“ anzunehmen?

      Deswegen bin ich mir auch nicht sicher, ob Dein Ansatz der „fürsorglichen Zuwendung“ wirklich in allen Fällen reicht. Es braucht meines Erachtens oft mehr. Es braucht die Bereitschaft, den „Anteil“ oder das „Gefühl“ erstmal ganz genau so anzunehmen, wie er/es jetzt gerade ist. Ohne dieses „Ja“ zu dem, was wir als Antwort erhalten, kann der Veränderungsprozess meiner Erfahrung nach sehr schnell, sehr schwierig werden.

      Umgekehrt weiß ich ebenfalls aus Erfahrung, dass ein klares, bedingungsloses „Ja“ zu dem, was kommt, Wunder bewirken kann.

      Wobei dieses „Ja“ nicht immer mit einer Zustimmung gleichzusetzen ist. Wenn ich stinksauer bin, kreisen in mir Gedanken, die meinem ethischen Kodex nicht immer entsprechen und die ich auch nicht ausleben möchte („Dem könnte ich jetzt echt eine reinhauen“.) Ein „Ja“ würde in dem Fall „nur“ bedeuten, dass ich anerkenne, dass ich jetzt genau so denke und fühle. Und dass es für mich ok ist, dass ich auch einen solchen Anteil in meinem Inneren habe. Aber ein „Ja“ würde nicht bedeuten, dass ich danach handele. Da gibt’s für mich eine Grenze.

      Das ändert jedoch nichts an der Wirkung.

      Denn entscheidendend ist nicht das Begehr, Gewalt anzuwenden, sondern die Absicht, die wir damit verbinden. Zum Beispiel: Weitere Gewalt verhindern.

      Meiner Meinung nach wollen die Anteile uns nie etwas Böses, sondern haben auf der tiefsten Ebene der Intentionen eine „positive Absicht“. Siehe auch die Technik „Artischocke schälen“ bei den „Good Vibes“. (https://bigshift.live/goodvibes/)

      Aber das ist noch nicht alles. Als ich in den letzten Tagen immer wieder mal über Deinen Beitrag sinniert habe, wurde mir bewusst, dass ich als Coach an ein für mich „unsichtbares“ Axiome glaube.

      Meiner Meinung nach spalten wir Anteile/Gefühle durch Widerstand, Verurteilen etc. von uns ab, und das ist in bestimmten Fällen eine sehr gute, temporäre Lösung. Zum Beispiel, wenn wir sehr schmerzliche Erfahrungen machen, denen wir im Moment des Geschehens nicht gewachsen sind oder die sogar für uns gefährlich sein können, zum Beispiel eine emotionale Überflutung nach einer Traumatisierung.

      Diese „abgespaltenen Anteile“, wollen meiner Meinung nach wieder zu uns zurück. (Das ist nur eine These von mir, die ich noch weiter prüfen möchte.). Das heißt, sie sind gerade zu scharf auf eine „Wiedervereinigung“. Jedes echte „Ja“, so meine These, stellt die Heimkehr in die Heimat in Aussicht und damit die Chance, wieder „eins sein“ zu können – eine Erfahrung, die Meditierende mit „Ekstase“ beschrieben haben.

      Meine These lautet daher, dass „Focusing“ oder „Flower“ oder ähnliche Methoden genau deswegen so gut funktionieren. Im Grunde genommen möchte der Anteil wieder angenommen werden. Wir haben sie verstoßen, und seitdem wünschen sie sich nichts anders, als wieder zurück zu kehren. Allerdings wünschen sie sich, dass wir sie (also dass wir uns selbst) mit Respekt und Würde behandeln.

      Was heilt, ist als in dem Fall, die Verbindung. Das „heile“ werden, im Sinne von „ganz“ werden.

      Das ist wie gesagt nur eine These. Ob man das so verallgemeinern kann, weiß ich – noch – nicht.

      Soweit meine Gedanken dazu.

      ; )

      Martin

      Antworten
  33. Hi Martin,

    ich hatte Dir diverse Widersprüche in Deinen Aussagen vorgehalten. So z.B., dass Du einerseits behauptest, „Vibes“ beziehe sich nicht auf Gefühle, sondern auf die eigene „Ausstrahlung“, Du an anderer Stelle jedoch „Vibes“ mit Gefühlen („gute Laune“) absolut gleichsetzt. Als „Antwort“ erhalte ich von Dir einen Vortrag darüber „wie Good Vibes entstehen“, dass „gute Laune“ das Ergebnis eines „Ja zu sich selbst“ und „eine Bestätigung von Innen“ sei, „dass wir auf dem für uns richtigen Weg sind“. Das ist keine Auflösung Deines Widerspruchs, sondern allenfalls „Verschleierungsrhetorik“. Abgesehen davon ist gute Laune keine Bestätigung dafür, tatsächlich auf dem richtigen Weg zu sein. Die Welt ist von Menschen, die in bester Laune und Selbstüberzeugung den größten Blödsinn verzapft haben und noch immer verzapfen.

    Als ebenso themaverfehlend empfinde ich Deine weiteren Ausführungen zu „Partnerschaft“ und „bad Vibes“. Du gehst mit diesen nicht einmal ansatzweise auf die von mir angesprochene Bewertungsproblematik ein, die Du mit den Bewertungen „good/gut“ und „bad/schlecht“ aufwirfst.

    Weiterhin bin ich alles andere als einverstanden mit Deiner Behauptung, dass „das Maß aller Dinge [sei], was wir uns aus tiefstem Herzen wünschen“, zumal Du dies lediglich aus einer Kette von Meta-Bewertungen („Artischocke“) herzuleiten versuchst. Nicht umsonst heißt es: „Hüte Dich vor Deinen Wünschen. Sie könnten in Erfüllung gehen.“

    Du tust weiterhin so, als hätte ich behauptet, dass Focusing keine Absicht verfolge („Bei jeder Technik oder Methode, die wir einsetzen, ist eine Intention, eine Absicht mit im Spiel. Wenn es nicht so wäre, warum würden wir überhaupt eine Technik wie „Focusing“ in Einsatz bringen? Das sieht auch der Urheber des „Focusing“ so.“). Ich habe nicht behauptet, das „Focusing“ keine Absicht verfolge, sondern dass Focusing „nondirektiv“ vorgeht. Was ein himmelweiter Unterschied ist. Denn „absichtslos“ bezieht sich auf das Ergebnis, „nondirektiv“ auf den Prozess bzw. die Technik.

    „Nondirektiv“ heißt per definitionem auch nicht, „dass man dem gefühlten Gefühl, dem inneren Anteil (oder welches Etikett man auch immer darauf kleben mag), die Wahl lässt, wie es reagiert“, sondern dass man „überhaupt keine Richtungen“ vorgibt und den eigenen fühlenden Anteil die für ihn bestgeeigneten Ressourcen (Lösungsquellen und –möglichkeiten) selbst finden und nicht nur aus „Vorgekautem“ eine Auswahl treffen lässt. Dazu ist es allerdings erforderlich davon ausgehen, dass der eigene Anteil dazu im Grunde in der Lage ist und dass man als Coach weiß, wie man diesen Anteil auf den entsprechenden (Ideenfindungs-)Prozess aufsetzt, ohne ihm Denk- und Gefühlsarbeit abzunehmen. Ein Coach, der die Prozesshoheit für sich selbst beansprucht, wird damit natürlich Schwierigkeiten haben. Und mit seinen Vorgaben dem Klienten implizit die Fähigkeit absprechen, selbst kreativ zu sein. Für diesen sicher keine gute Voraussetzung, sich selbst coachen zu lernen.

    Insoweit Du darauf hinweist, dass bei jeder Methode und Technik eine Absicht dabei ist, erstreckt sich Deine Aussage zwangsläufig auch auf Deine eigene Technik, „Negativgefühlen/-anteilen“ Gefühle der Liebe entgegen zu setzen. Bei Deiner Art von Liebe/Zuwendung geht es damit um zweckgerichtete Liebe/Zuwendung, die definitiv nicht „bar jeder Absicht“, sondern darauf ausgerichtet ist, ein ungeliebtes Gefühl loszuwerden. Laut Deiner Aussage an anderer Stelle funktioniert das aber nicht. Wie denn nun? Du widersprichst Dir in fundamentaler Hinsicht.

    Zu kurz greift auch Deine Aussage, dass es auf die Bereitschaft ankomme, „ja“ zu dem zu sagen, was ist oder kommt. Denn zum einen stellt sich die Frage, wie man bei ungeliebten Erfahrungen überhaupt zu einer solchen Bereitschaft kommt, die echt und nicht nur zweckgerichtet aufgesetzt ist. Darüber hinaus ist „Annehmen“ bekanntlich auch nicht nur eine Frage der „Bereitschaft“ (des bewussten Wollens), sondern insbesondere des „Könnens“ (der unbewusst verankerten Fähigkeit dazu). Du bleibst bisher jede fundierte Antwort darauf schuldig, wie diese erworben werden soll. (Bitte nicht jetzt nur einfach wieder ein Verweis auf Deine „Techniken“, die dies angeblich bewirken sollen, sondern „Butter bei die Fische“.)

    Du sprichst weiterhin davon, dass „abgespaltene Anteile“ Deiner Meinung nach wieder zu uns zurück wollen und „gerade zu scharf auf eine Wiedervereinigung“ seien. Ich sehe das anders. Meiner Auffassung nach sind wir gar nicht in der Lage, Teile von uns wirklich abzuspalten. Wir VERSUCHEN dies lediglich. Ungefähr so, als würden wir versuchen, einen „Flummi“ (Hartgummiball) auf ein kleineres Maß zusammenzudrücken. Was allenfalls begrenzt und kurzzeitig gelingt, dauerhaft jedoch keine Wirkung zeigt und lediglich zu Ermüdung (Energieverlusten), Verkrampfungen und Muskelkater führt. Genauso wie auch der Versuch, dauerhaft den Atem anzuhalten, uns lediglich in Stress versetzen würde und unter dem Strich aussichtslos ist. Worum es deshalb auf der emotionalen Ebene m.E. im Eigentlichen geht, ist, den Versuch des Verdrängens/Aufhaltens aufzugeben, indem man sich a) klarmacht, dass ein solcher zum einen völlig vergeblich, nutzlos und unsinnig ist (das Thema „Radikale Akzeptanz“ lässt grüßen) und b) nach Perspektiven sucht, unter denen das „negative“ Gefühl eine positive Wendung bekommt (auch „Reframing“ genannt). Das hat eher was mit „down to earth“ zu tun, als mit der von Dir angeführten „Exstase“ oder dem Streben nach sonstigen abgehobenen Erfahrungen wie „Erleuchtung“ u.a.. Zumal dies nach gesicherten Erkenntnissen auch nur allzu oft in einem „spirituellen Burnout“ endet. Ebenso wie der Stress, sich (analog den Vorgaben welcher Gurus und Coachs auch immer) um Selbstliebe bemühen zu müssen.

    Du suggerierst weiterhin, dass es „mehr brauche“ als „fürsorgliche Zuwendung“ [zu dem emotionstragenden Teil], nämlich die Bereitschaft, den „Anteil oder das Gefühl erstmal ganz genau so anzunehmen, wie er/es jetzt gerade ist“. Inwiefern soll dies ein „Mehr“ sein? Es geht nicht um ein Mehr oder Weniger, sondern darum, dass fürsorgliche Zuwendung auf der Basis eines grundsätzlichen Verantwortungsgefühls überhaupt erst einmal die Voraussetzung dafür ist, den entsprechenden Gefühlsanteil verstehen und annehmen zu können. Das von Dir propagierte „Annehmen“ erfordert eine vorherige „fürsorgliche Zuwendung“, nicht umgekehrt. Du verwechselst jeder psychologischen Logik und Erkenntnis zuwider Ursache und Wirkung.

    Im Unklaren lässt Du auch, WIE es machbar sein soll, den Gefühlsanteil zwar anzunehmen, aber sein Verhalten als solches nicht zu billigen.

    Klärungsinteressierte Grüße,
    Sina

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